Sowohl die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK) als auch das Universitätsspital Zürich (USZ) bilden Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit (FaGe) aus. Doch der Fokus ist ein anderer. Jaël (PUK) und Lisa (USZ), Lernende Fachfrauen Gesundheit im dritten Lehrjahr, durften dies in einem Austausch-Monat am jeweils anderen Ort erfahren. Sie berichten über Höhen und Tiefen dieser Zeit und erzählen, warum sie in ihrem Lehrbetrieb am richtigen Ort sind.
Was hat euch dazu bewegt, am Austausch-Programm teilzunehmen?
Jaël (PUK): Ich wollte meinen Horizont erweitern und Neues lernen. Ausserdem war es für mich ein Test, ob ich das dreijährige Studium Pflege machen möchte mit einem Aussenpraktikum am USZ, oder das zweijährige Studium an der PUK.
Lisa (USZ): Ich hatte davor keine Berührung mit den Krankheitsbildern der Psychiatrie. Die Chance, einen Einblick zu erhalten in dieses Fachgebiet, wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Wie war euer Einstieg am anderen Ort?
Lisa (USZ): Am Anfang war es ein Kulturschock. Der Alltag ist komplett anders als an einem Akutspital: Das Personal trägt keine Pflegekleidung, misst kaum Vitalzeichen, das Somatische steht im Hintergrund. Die Patienten wirken auf den ersten Blick gesund, sind selbst verantwortlich für ihre Körperpflege und ihr Zimmer. Der Fokus liegt auf Gesprächen und Aktivitäten. Ich wusste nicht, dass das auch zum Pflegeberuf gehören kann.
Jaël (PUK): Mir ging es gleich. Es sind zwei unterschiedliche Welten. Vieles, was ich am USZ anwenden musste, hatte ich mal in der Schule gelernt, aber nie in der Praxis umgesetzt. Medikamente oder Infusionen haben einen viel grösseren Stellenwert. Ich habe sehr viel darüber gelernt, wie der Körper funktioniert und Dinge gesehen, die ich an der PUK nie gesehen hätte.
Wer hat euch in dieser herausfordernden Zeit unterstützt?
Jaël (PUK): Die Berufsbildnerin auf der Station, wo ich tätig war, hat mich sehr gut begleitet. Ausserdem habe ich am USZ die Tandem-Arbeit kennengelernt: Ich war meistens mit einer HF-Studierenden im Einsatz und hatte so immer eine Ansprechperson, die Bescheid wusste und die Patienten gemeinsam mit mir betreut hat.
Lisa (USZ): Das Team der PUK hat mich herzlich aufgenommen, sehr gut eingeführt und über die ganze Zeit begleitet. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch Berufsbildner und Bildungsverantwortliche der PUK waren für mich da, ebenso wie meine Bildungsverantwortliche vom USZ.
Was habt ihr aus der Erfahrung gelernt?
Jaël (PUK): Wie der Alltag in einem Akutspital aussieht, wie ich darauf reagiere und ob die Arbeit zu mir passt.
Lisa (USZ): Wie vielseitig der Pflegeberuf ist mit seinen verschiedenen Fachrichtungen. Und wie unterschiedlich die Belastungen sind.
Was ist euch besonders in Erinnerung geblieben?
Lisa (USZ): Die psychiatrischen Notfälle und die Einsätze im Isolationszimmer waren beeindruckend und beängstigend. Ich hatte dabei aber keine aktive Rolle und wurde, zum Glück, gut begleitet. Positiv in Erinnerung bleibt mir ein Ausflug mit Patienten zum Kerzenziehen. Diese andere Art der Patientenbegleitung hat mir grossen Spass gemacht.
Jaël (PUK): Ich fand es eindrücklich, wie einschneidend die somatischen Aspekte für die Patienten sind. Sie sind stark angewiesen auf die Pflege, können sich zum Teil nicht selbst bewegen oder allein essen. Es kann sehr befriedigend sein, wenn ein Patient Fortschritte macht in der Hinsicht – aber auch sehr frustrierend, wenn nicht.
Könnt ihr euch einen dauerhaften Wechsel vorstellen?
Beide: Nein.
Jaël (PUK): Ich finde die Arbeit in der Psychiatrie genau deshalb so spannend, weil die Krankheiten von aussen nicht sichtbar sind. Durch die Gespräche mit den Patienten tastet man sich langsam heran und erkennt, dass es keine Standardlösungen gibt.
Lisa (USZ): Am Akutspital und am USZ bin ich am richtigen Ort. Hier habe ich Einblick in so viele verschiedene Stationen und Fachbereiche. Das USZ gehört zu den Top 10 Spitälern der Welt, und das merke ich in meiner täglichen Arbeit.
Wir wünschen den beiden weiterhin viel Freude und Erfolg in ihrer Ausbildung.