Die Brustkrebsmedizin hat in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Neue diagnostische Möglichkeiten und ein besseres Verständnis der Tumorbiologie erlauben heute eine immer gezieltere Betreuung. Dabei rückt die individuelle Situation jeder Frau stärker in den Fokus, von der Risikoabschätzung über die Diagnostik bis hin zur Therapie.
„Personalisierte Medizin beginnt heute nicht erst mit der Therapie, sondern bereits bei der individuellen Risikoabschätzung und Früherkennung“, sagt PD Dr. med. Claudia Rauh vom Brustzentrum des Universitätsspitals Zürich.
Früher erkennen, gezielter abklären
Ein zentraler Bestandteil der modernen Brustmedizin ist die individuelle Risikobeurteilung. Familiäre Vorbelastungen, genetische Faktoren oder persönliche Vorerkrankungen können das Erkrankungsrisiko beeinflussen und bei der Planung von Vorsorge- und Früherkennungsmassnahmen eine wichtige Rolle spielen.
Für die Abklärung stehen moderne bildgebende Verfahren wie Mammografie, Ultraschall und MRT zur Verfügung. Ergänzt wird das diagnostische Spektrum am USZ durch die Spiral-Computertomographie der Brust (Mamma-CT), welche eine hochauflösende dreidimensionale Darstellung des Brustgewebes ermöglicht. Das USZ ist derzeit das einzige Zentrum in der Schweiz, das diese innovative Untersuchungsmethode anbietet. Neue Entwicklungen wie das ultraschnelle MRT erweitern die diagnostischen Möglichkeiten zusätzlich. Ergänzend werden Frauen mit Verdacht auf eine erblich bedingte Belastung genetisch beraten. Ziel ist es, Auffälligkeiten möglichst früh und präzise einzuordnen und die weiteren Schritte individuell zu planen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Stärke
Die Behandlung von Brustkrebs erfordert heute die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen. Im zertifizierten Brustzentrum des USZ beurteilen Spezialistinnen und Spezialisten aus Gynäkologie, Radiologie, (Radio-) Onkologie, Pathologie und weiteren Disziplinen unter Einbezug der spezialisierten Pflege (BCCN) jeden Fall gemeinsam. Die interdisziplinäre Diskussion schafft die Grundlage für fundierte Therapieempfehlungen und eine nahtlose Betreuung entlang des gesamten Behandlungspfads.
Eine besondere Expertise besteht unter anderem bei Brustkrebs in jungen Jahren sowie bei einer Erkrankung während der Schwangerschaft. Diese seltenen und anspruchsvollen Situationen erfordern ein hohes Mass an Spezialisierung und eine enge Abstimmung der beteiligten Fachpersonen.
Von der Tumorbiologie zur Therapieentscheidung
Brustkrebs ist keine einheitliche Erkrankung. Tumoren unterscheiden sich teilweise erheblich in ihren biologischen Eigenschaften. Entsprechend gewinnen molekulare Analysen und präzisionsmedizinische Ansätze zunehmend an Bedeutung.
Komplexe Fälle werden am USZ im molekularen Tumorboard diskutiert. Dort werden klinische, pathologische und molekulare Informationen zusammengeführt, um Therapieempfehlungen möglichst präzise auf die jeweilige Erkrankungssituation abzustimmen.
„Durch die enge Verbindung verschiedener Fachdisziplinen können wir die wachsenden Erkenntnisse über die Tumorbiologie gezielt für Therapieentscheidungen nutzen“, sagt Claudia Rauh.
Forschung als Teil der Versorgung
Als universitäres Zentrum verbindet das USZ Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie innovative diagnostische und therapeutische Verfahren fliessen direkt in die klinische Praxis ein. Gleichzeitig können geeignete Patientinnen von klinischen Studien profitieren und erhalten Zugang zu neuen Behandlungsansätzen.
Mehr als Diagnostik und Therapie
Eine moderne Brustkrebsversorgung umfasst weit mehr als medizinische Abklärungen und Behandlungen. Speziell ausgebildete Breast Care Nurses begleiten Betroffene während verschiedener Phasen der Erkrankung und stehen als konstante Ansprechpersonen zur Verfügung. Ergänzende Unterstützungsangebote tragen dazu bei, die Versorgung ganzheitlich zu gestalten.
Damit spannt das Brustzentrum des USZ den Bogen von der Risikobeurteilung und Früherkennung über die Diagnostik bis hin zur Therapie und Nachsorge. Im Zentrum steht eine interdisziplinäre Betreuung, die moderne Bildgebung, Präzisionsmedizin und universitäre Forschung miteinander verbindet.