Sind Bakterien gegen Antibiotika immun, wird die Behandlung von Infektionen schwierig oder unmöglich. Das Antibiotic-Stewardship-Programm des USZ hat zum Ziel, resistente Bakterien einzudämmen und die wirksame Behandlung seiner Patientinnen und Patienten zu sichern.
Die Entdeckung und Entwicklung von Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen stellen eine der bedeutendsten Errungenschaften überhaupt in der Medizin dar. Wegen ihres breiten Einsatzes in der Medizin und in der Landwirtschaft haben sich die Bakterien jedoch so angepasst, dass Antibiotika – die Medikamente gegen diese Bakterien –nicht mehr wirksam sind: Die Bakterien überleben und können wachsen, Infektiologen sprechen dann von Resistenz. Sind die Bakterien gegen mehrere Antibiotika widerstandsfähig, sprechen Fachleute von multiresistenten Bakterien. Aber nicht nur bei Bakterien, auch bei anderen Krankheitserregern wie Pilzen oder Viren werden Resistenzen gegen Wirkstoffe zunehmend zum Problem.
Aufmerksamkeit und Wissen fördern
Infektionen mit diesen resistenten Erregern sind oft deutlich schwieriger und manchmal sogar überhaupt nicht mehr zu behandeln. Die direkte Folge davon waren gemäss WHO mehr als 1.1 Millionen Tote weltweit im Jahr 2021, wobei die Zahlen in der Erwachsenenmedizin über die letzten 30 Jahre stark zugenommen haben. Bis 2050 schätzt die WHO die Zahl der Todesfälle aufgrund von Antibiotikaresistenz auf 1.9 Millionen Menschen weltweit pro Jahr. Mit der jährlichen «World Antimicrobial Resistance Awareness Week» machen die WHO und zahlreiche weitere Organisationen, darunter auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), auf die Problematik der Resistenzentwicklung aufmerksam. Neben einer breiten Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit sind auch Massnahmen auf Ebene der einzelnen Spitäler zentral, um diese Entwicklung zu bekämpfen und Todesfälle zu verhindern.
Gezielte Massnahmen am USZ durch ein spezialisiertes Team
Am Universitätsspital Zürich widmet sich ein spezialisiertes Team aus verschiedenen Berufsgruppen (Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und Datenmanager) im Antibiotic-Stewardship-Programm dem Ziel, den Einsatz von Antibiotika zu verbessern. Wichtige Massnahmen dafür sind eine genaue Prüfung, ob eine Antibiotikatherapie im individuellen Fall angezeigt ist und eine möglichst gezielte Auswahl und Dauer der Therapie für die jeweilige Infektion. Das Team unterstützt die Kliniken des USZ dabei mit innovativen Methoden: in einem laufenden Pilotprojekt werden die aktuellen Resistenzdaten laufend in die Antibiotikarichtlinien integriert, mit Therapieempfehlungen für eine empirische Therapie (d.h. bei Verdacht auf eine Infektion, wenn der Erreger noch nicht bekannt ist), einer engmaschigen Mitbetreuung komplizierter Fälle über einen infektiologischen Konsiliardienst. Im Klinikinformationssystem machen Hinweise darauf aufmerksam, falls insbesondere Reserveantibiotika länger als notwendig verabreicht werden. Neben einer besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten trägt das USZ damit bei, der Resistenzentwicklung von Bakterien Einhalt zu bieten und Behandlungskosten zu senken.
Der Antibiotikaverbrauch wird per Tool verfolgt
Um zusätzliche gezielte Interventionen planen zu können, wurde am USZ kürzlich ein Tool zur Monitorisierung des Antibiotikaverbrauchs entwickelt. Damit können Trends im Gebrauch von Antibiotika im gesamten Spital und in allen Kliniken über Jahre hinweg analysiert und verstanden werden und liefert wichtige Informationen für Verbesserungen. Die Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene führt regelmässige Audits durch, da mit einer zielgerichteten Behandlung viele Komplikationen (Resistenzentwicklung, Nebenwirkungen, Störung des Mikrobioms mit Überwucherung durch krankmachenden Erreger wie C. difficile) vorgebeugt werden kann.
Dank Information in Echtzeit kann schnell gehandelt werden
Analog zum Verbrauch der Antibiotika, findet am USZ auch eine kontinuierliche Überwachung multiresistenter Erreger statt, die auf einem tagesaktuellen Dashboard dargestellt wird. Der Verbrauch antimikrobieller Substanzen und das Auftreten von Antibiotikaresistenzen können so in Echtzeit verfolgt werden. In Ausbruchssituationen ermöglicht diese Überwachung den Infektiologinnen und Infektiologen, rasch zu reagieren und so unsere Patientinnen und Mitarbeitende zu schützen.
Eine neue App macht das Wissen für alle zugänglich
Gute Kenntnis über die Resistenzlage in der Schweiz generell und im USZ ist entscheidend, um eine wirksame Antibiotikatherapie für eine bestimmte Infektion auszuwählen. Aus diesem Grund folgt noch 2025 eine Integration aktueller, lokaler Resistenzdaten in die Antibiotikarichtlinien in Form einer innovativen Webapp (INFECT by USZ). Damit haben Behandlungsteams jederzeit unkomplizierten Zugriff auf die Information, welche Erreger und welche Wirksamkeit einer vorgesehenen Therapie bei einer bestimmten Infektion zu erwarten sind.
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