Am USZ ist derzeit ein System im «Readinesscheck», das bei ungewöhnlichen Bewegungen von Patientinnen und Patienten sofort das Pflegepersonal alarmiert. Die intelligente Bewegungserkennung dient dazu, den Patientinnen und Patienten noch mehr Sicherheit zu bieten.
Stellen Sie sich vor, jemand liegt im Spitalzimmer, nach einer Operation oder aufgrund einer Krankheit. Es ist zwar immer Pflegepersonal in der Nähe, jedoch nicht rund um die Uhr im Zimmer. Dann passiert es: Ein plötzliches Ungleichgewicht, ein Fehltritt, ein Sturz aus dem Bett oder im Zimmer – schwere Verletzung, Bewusstlosigkeit oder Lähmung – es gibt viele Situationen, in denen Patientinnen und Patienten keine Möglichkeit haben, in einem Notfall den Alarmknopf zu drücken und um Hilfe zu rufen.
Für genau solche Situationen haben wir am USZ – wie mittlerweile viele andere Spitäler auch – ein intelligentes System derzeit im sogenannten «Readinesscheck». Bei ungewöhnlichen Bewegungen alarmiert dieses System sofort das Pflegepersonal. Die intelligente Bewegungserkennung dient dazu, den Patientinnen und Patienten noch mehr Sicherheit zu bieten. Das System nutzt Sensoren an der Decke, um ungewöhnliche Bewegungen zu erkennen. Die Sensoren verarbeiten die Rohbilddaten direkt auf dem jeweiligen Gerät.
Das System alarmiert die Pflege, wenn eine Patientin oder ein Patient in eine gefährliche Situation gerät. Die Alarmierung erfolgt ohne direkte Aufzeichnung von Bildern, sondern mit anonymisierten Bewegungsdaten, die durch Sensoren erfasst und grafisch dargestellt werden.
Ähnlich wie bei einer Herz-Kreislauf-Überwachung stehen dabei das Wohl und die Sicherheit der Patienten über allem. Die neuen, durch modernste KI-Technologie unterstützten Bewegungsmelder dienen allen Patienten, die aufgrund ihrer Krankheit das Bett nicht mehr sicher verlassen können. Wenn also etwas Unerwartetes passiert, wird das Pflegepersonal sofort benachrichtigt und kann rechtzeitig im betreffenden Zimmer zu Hilfe eilen.
Die herkömmliche Alternative ist der Einsatz von Sitzwachen. Das sind meist nicht medizinisch ausgebildetes Personal, Angehörige oder Freiwillige, die rund um die Uhr im Zimmer beim Patienten sitzen und diesen persönlich überwachen.
Die Erfahrungen im Vergleich zeigen: Es kann für einige Patientinnen und Patienten störend sein, wenn jemand den ganzen Tag und die ganze Nacht im Zimmer sitzt. Man fühlt sich ständig beobachtet und es erweckt das Gefühl, dass die Privatsphäre nicht gewahrt ist. Eine solche Lösung ist nicht nur zeitlich und organisatorisch aufwändig, sondern kann für die betroffenen Patientinnen und Patienten unangenehm und belastend sein und gilt darüber hinaus als freiheitseinschränkende Massnahme. Das Mobilitätsmonitoring übernimmt die Rolle einer Sitzwache, einfach viel diskreter.
Im Vergleich dazu bietet das System der Bewegungsmeldung eine subtile, unaufdringliche Lösung, bei der niemand rund um die Uhr dabeisitzen muss und die dennoch eine sofortige Reaktion im Notfall möglich ist. Beim Wort «Überwachung» schwingen stets auch Ängste und Bedenken mit. Das sehen auch die USZ-Verantwortlichen so und sind sich dessen bewusst. Genau deshalb hat das USZ das System sehr sorgfältig geprüft und kommt zum klaren Schluss: Die anonymisierte Bewegungsmeldung eignet sich, gefährlichen Situationen vorzubeugen und schnell Hilfe zu leisten. Gleichzeitig bleiben die Privatsphäre und die Patientendaten geschützt. Das ist sehr wichtig. Dazu muss man wissen: Auch wenn der runde Sensor an der Zimmerdecke optisch wie eine Überwachungskamera aussieht, ist es keine herkömmliche Videoüberwachung oder -aufzeichnung. Patienten oder Personal sind nicht als solche erkennbar. Dank neuster Technologie ist es dem medizinischen Personal somit möglich, Patientinnen und Patienten zu schützen, ohne dabei Ihre Privatsphäre zu beeinträchtigen.
Das bestätigt auch die Anwendung in der Praxis: «Das neue System bewährt sich im täglichen Einsatz. Es hat bereits in vielen Situationen geholfen, weil wir sofort im betreffenden Zimmer intervenieren können, wo Patienten in Not früher länger unentdeckt geblieben wären. Das Mobilitätsmonitoring hilft im Extremfall sogar, Leben zu retten. Das ist für uns das Wichtigste», sagt USZ-Pflegedirektorin Gabi Brenner.
Der Einsatz des Systems erfolgt transparent in Zimmern, in denen Risikopatienten betreut und gepflegt werden: «Wir erläutern den Betroffenen, wozu die Bewegungsmelder dienen und wie sie funktionieren. Sie kommen nur zur Anwendung, wenn die betreffenden Patientinnen und Patienten damit einverstanden sind», betont Gabi Brenner.
