Trotz sommerlicher Hitze feierten rund 500 Cancer Survivors, Gäste und Mitwirkende am 28. Juni in der Universität Zürich ein lebendiges Fest mit Vorträgen, Ausstellung und Line Dance – und setzten ein starkes Zeichen: Cancer Survivorship gehört auf die politische Agenda.
Wissenschaftliches Programm trifft Lebensrealität
Der Tag begann in der Aula mit einem dichten Programm: Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger, Direktor für Education & Outreach des Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ), gab Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und innovative Behandlungsansätze. Es folgten Beiträge zu Patient Engagement, komplementärer Medizin sowie berührende persönliche Geschichten von Krebsüberlebenden. Bereits hier wurde klar: Das Leben nach einer Krebsdiagnose ist komplex – medizinisch, emotional und sozial.
Interaktive Ausstellung im Lichthof verbindet Information und Begegnung
Nach dem Vortragsprogramm öffnete im Lichthof der Universität Zürich eine interaktive Ausstellung ihre Tore. Besucherinnen und Besucher konnten sich an Informationsständen von Selbsthilfegruppen, zur onkologischen Physiotherapie, Sozialberatung oder komplementären Medizin umfassend beraten lassen. Die unmittelbare Nähe von persönlichen Erfahrungen und fachlicher Expertise förderte den offenen Austausch – und zeigte eindrücklich, wie vielfältig die heutigen Unterstützungsangebote für Cancer Survivors sind.
Workshops und Breakout-Sessions: Alltagsthemen im Fokus
In den Workshops und Breakout-Vorträgen stand das praktische Leben mit und nach Krebs im Mittelpunkt: Themen wie Fatigue, Ernährung, Berufsrückkehr, komplementäre Medizin, Selbsthilfe oder die Situation junger Erwachsener mit Krebs spiegelten die Vielfalt der Lebensrealitäten von Survivors wider. Besonders gefragt waren alltagsnahe Angebote mit persönlicher Interaktion – vom Mitmach-Workshop bis zur Bewegungsstunde. Besucherinnen und Besucher konnten sich über klinische Studien informieren, Krafttraining ausprobieren oder in kreativen Formaten wie dem Bemalen von Glückssteinen aktiv werden. Ein besonderes Highlight war die spontane Line-Dance-Einlage der Tanzgruppe Survivor Steps im Lichthof: ein bewegender Moment der Gemeinschaft, Lebensfreude und des Empowerments. So wurde der Nachmittag zu einem lebendigen Forum, das Wissenschaft, Praxis und persönliches Erleben eindrucksvoll vereinte.
Survivorship im Fokus: Der Weg zu einem nationalen Versorgungsmodell für Krebsüberlebende

vlnr: Marika Bana, Claudia Witt, Nicole Cornu, Rosmarie Pfau, Carina Bobzin, Miklos Pless, Matthias Guckenberger
Prof. Marika Bana beleuchtete in ihrem Vortrag verschiedene Definitionen von Cancer Survivorship und stellte zentrale Herausforderungen für Krebsüberlebende in den Mittelpunkt. Sie betonte, dass Survivorship nicht erst nach Abschluss der Therapie beginne, sondern bereits mit der Diagnose. Es brauche ein Umdenken in der Versorgung: «Entscheidend ist, dass wir Betroffene frühzeitig befähigen, mit den körperlichen, psychischen und sozialen Folgen umzugehen.» Besonders hob sie die Bedeutung von Selbstmanagement, gezielter Unterstützung und koordinierter Nachsorge hervor. Mit Blick auf bestehende Versorgungslücken und nationale Initiativen forderte sie konkrete Schritte hin zu einem strukturierten Survivorship Care und einem nationalen Krebsplan für die Schweiz.
FotogalerieIm Anschluss an den Vortrag von Marika Bana fand das Podiumsgespräch «Cancer Survivorship – ein Blick in die Zukunft» statt, das von Prof. Matthias Guckenberger und Prof. Marika Bana moderiert wurde. Wie komplex und dauerhaft die Folgen einer Krebserkrankung sein können, machte Nicole Cornu als Betroffene eindrücklich klar. Nach Operation, Chemo- und Strahlentherapie lebt sie mit einem Lymphödem und gesundheitlichen Spätfolgen, die sie in ihrem Alltag stark fordern. Gleichzeitig steht sie sinnbildlich für viele Cancer Survivors in der Schweiz, die sich nicht nur medizinisch, sondern auch sozial neu orientieren müssen: «Cancer Survivors gelten bestenfalls als geheilt – in Wirklichkeit leben viele von uns mit bleibenden körperlichen und sozialen Folgen. Aber hey, ich lebe! Und ich mache weiter, stärker denn je. »
Fachpersonen, Krebsbetroffene und politische Vertreterinnen und Vertreter diskutierten gemeinsam darüber, wie ein nationales Survivorship-Programm gestaltet werden könnte. Als zentrales Ergebnis kristallisierte sich heraus: Survivorship muss als eigenständiger Versorgungsbereich anerkannt werden.
Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger brachte es auf den Punkt: «Nach eine Krebsbehandlung werden die Bedürfnisse von Krebsbetroffenen nicht weniger, sondern anders – jetzt müssen wir den politischen Rahmen schaffen, um eine ganzheitliche Nachsorge sicherzustellen.», und Prof. Dr. med. Miklos Pless, Präsident der SAKK, ergänzte: «Survivorship endet nicht mit dem letzten Zyklus Chemo oder der letzten Bestrahlung. Wir brauchen nationale Strategien, damit Langzeitfolgen erkannt und gezielt behandelt werden.»
Der Cancer Survivors Day 2025 hat eindrucksvoll gezeigt: Krebsüberleben ist mehr als ein medizinischer Erfolg – es braucht stärkere Aufmerksamkeit und gezielte Massnahmen in Versorgung, Forschung und Politik.