Für Patientinnen und Patienten steht bei einer Krebserkrankung zunächst die Behandlung im Vordergrund. Doch Fortschritte in der Krebsmedizin entstehen durch Forschung. Am Comprehensive Cancer Center Zurich (CCCZ) gehört sie daher untrennbar zur klinischen Versorgung und ist ein zentraler Bestandteil moderner Spitzenmedizin.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Forschungsprojekt PARTACER-Suisse. Die Studie untersucht, warum bestimmte Medikamente bei einer speziellen Form von Darmkrebs mit der Zeit ihre Wirkung verlieren – und wie man solche Therapieresistenzen künftig besser verhindern oder überwinden kann.
Darmkrebs ist nicht immer gleich
Viele Menschen denken bei Darmkrebs an eine einzige Krankheit. In Wirklichkeit gibt es jedoch verschiedene biologische Untergruppen. Diese unterscheiden sich durch Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen. Eine dieser Veränderungen betrifft das sogenannte BRAF-Gen. Wenn dieses Gen eine bestimmte Mutation trägt – sie wird BRAF V600E genannt – kann der Tumor besonders aggressiv wachsen. Bei metastasiertem Darmkrebs, also wenn sich der Krebs bereits im Körper ausgebreitet hat, ist diese Variante mit einer ungünstigeren Prognose verbunden.
Was bedeutet zielgerichtete Therapie?
Für diese Form von Darmkrebs gibt es heute sogenannte zielgerichtete Therapien. Anders als klassische Chemotherapie greifen diese Medikamente gezielt bestimmte molekulare Schwachstellen im Tumor an.
Bei der BRAF-Mutation wird häufig eine Kombination aus zwei Medikamenten eingesetzt:
- Encorafenib – blockiert das veränderte BRAF-Protein
- Cetuximab – blockiert ein Signalprotein auf der Oberfläche von Krebszellen
Diese Kombination kann das Tumorwachstum oft deutlich bremsen. Doch leider tritt bei vielen Patientinnen und Patienten nach einiger Zeit ein Problem auf: Der Tumor passt sich an und wird gegen die Behandlung resistent.
Wenn der Tumor neue Wege findet
Krebszellen sind sehr anpassungsfähig. Wenn ein Medikament einen wichtigen Signalweg blockiert, können Tumorzellen manchmal alternative Wege aktivieren, um weiter zu wachsen.
Genau diese Veränderungen möchte die Studie PARTACER-Suisse besser verstehen. Forschende sprechen dabei von Resistenzmechanismen.
Das Ziel der Studie ist es, die genetischen und biologischen Veränderungen zu identifizieren, die auftreten, wenn eine Therapie ihre Wirkung verliert. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse kann helfen, neue Behandlungen zu entwickeln oder bestehende Therapien gezielter einzusetzen.
Wie die Studie funktioniert
PARTACER-Suisse ist eine schweizweite klinische Studie, an der mehrere Spitäler beteiligt sind. Geplant ist die Teilnahme von rund 30 Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs und einer BRAF-Mutation.
Während der Behandlung werden verschiedene Proben gesammelt, darunter Tumorgewebe aus Biopsien, Blutproben und teilweise auch Stuhlproben. Diese werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten untersucht – sowohl vor Beginn der Therapie als auch später erneut, etwa wenn sich der Tumor verändert. Auf diese Weise können Forschende nachvollziehen, welche biologischen Veränderungen im Tumor während der Behandlung stattfinden.
Tumorforschung im Labor
Ein weiterer Teil des Projekts findet im Labor statt. Dort werden aus Tumorgewebe sogenannte Organoide hergestellt. Dabei handelt es sich um kleine, dreidimensionale Tumormodelle, die aus Krebszellen von Patientinnen und Patienten wachsen. Diese Organoide ermöglichen es Forschenden, Therapien unter kontrollierten Bedingungen zu testen und zu beobachten, wie Tumorzellen auf verschiedene Medikamente reagieren. So können neue Behandlungsstrategien entwickelt werden, bevor sie später in klinischen Studien geprüft werden.
„Bei dieser Studie geht es darum zu verstehen, warum Tumoren trotz zunächst erfolgreicher Therapie wieder wachsen. Wenn wir die Mechanismen hinter dieser Resistenz besser verstehen, können wir gezielter neue Behandlungsstrategien entwickeln und die Therapie für Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs weiter verbessern.“
Forschung als Teil der Krebsbehandlung
Projekte wie PARTACER-Suisse zeigen, wie eng medizinische Versorgung und Forschung heute miteinander verbunden sind. Erkenntnisse aus der Behandlung von Patientinnen und Patienten führen zu neuen wissenschaftlichen Fragen – und wissenschaftliche Ergebnisse fliessen wiederum in zukünftige Therapien ein.
Am CCCZ arbeiten Ärztinnen und Ärzte deshalb eng mit Forschenden aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter Molekularbiologie, Pathologie, Bioinformatik und klinische Onkologie. Ziel ist es, Krebs immer besser zu verstehen und Behandlungen kontinuierlich zu verbessern.
Darmkrebsmonat: Wissen schafft Fortschritt
Der Darmkrebsmonat macht jedes Jahr auf Prävention, Früherkennung und Behandlung aufmerksam. Gleichzeitig erinnert er daran, wie wichtig Forschung für den medizinischen Fortschritt ist.
Denn jede neue Therapie, jede verbesserte Diagnose und jede personalisierte Behandlung beginnt mit einer wissenschaftlichen Frage. Projekte wie PARTACER-Suisse sind ein Beispiel dafür, wie diese Fragen in konkrete Forschung übersetzt werden – mit dem Ziel, die Behandlung von Darmkrebs in Zukunft noch wirksamer zu machen.
PARTACER-Suisse
In dieser Studie erhalten die Patientinnen und Patienten aufgrund einer metastasierten Darmkrebserkrankung mit nachgewiesener BRAF-V600E-Mutation eine zielgerichtete Therapie mit den Medikamenten Cetuximab und Encorafenib.