Jahrelang schleppte sich Irena Guazzini müde durch den Tag und kam bei kleinsten Anstrengungen ausser Puste – ein Alptraum für die aktive Frau im Berufsleben. Grund war ihre Schlafapnoe, eine Erkrankung, die durch Atemaussetzern in der Nacht gekennzeichnet ist. Vor zwei Jahren brachte eine Zungenschrittmacher-Operation die ersehnte Erlösung.
Warum ich mich ausgelaugt und müde fühlte, war mir lange Zeit nicht klar. Bei einer gemeinsamen Reise machte ein Bekannter mich darauf aufmerksam, dass ich «so laut schnarche wie eine Motorsäge». Ich fiel aus allen Wolken, liess mich aber überreden, das Problem abklären zu lassen. Der Weg führte mich vom Hausarzt zum Lungenspezialist in meiner Gegend. Ich probierte eine Schnarchschiene und Antischnarch-Clips aus, jedoch ohne Erfolg. Auch das klassische Atemtherapiegerät brachte keine Abhilfe, da es mir unmöglich war, damit zu schlafen – zu unbequem die Gesichtsmaske, zu laut das Geräusch. Nach zwei weiteren Jahren Schlafmangel war ich körperlich und psychisch am Ende. Eine Lösung musste her, denn nächtliche Atemaussetzer können neben grosser Müdigkeit und Abgeschlagenheit auch zu Sauerstoffmangel, Bluthochdruck und einem höheren Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle führen.
Ein schwacher Stromimpuls stoppt das Schnarchen
Als ich 2021 dank eines Kollegen von der Schnarch-Sprechstunde des USZ erfuhr, schrieb ich sogleich ein Mail. «Ich möchte das Schnarchen endlich in den Griff bekommen, meine Lebensqualität hat stark gelitten und ich vereinsame immer mehr.» Kurz darauf reiste ich für erste Abklärungen von meinem Wohnort Herzogenbuchsee nach Zürich. Von Beginn weg fühlte ich mich am Universitätsspital in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie verstanden und gut aufgehoben. Nach mehreren Nächten im Schlaflabor der Pneumologie und einer umfassenden Analyse wurde mir der Zungenschrittmacher vorgestellt, eine Methode, die angewendet wird, wenn andere Therapien nicht funktionieren und man die Voraussetzungen erfüllt, zum Beispiel nicht zu rauchen. Der Zungenschrittmacher ist ein etwa fünflibergrosses Implantat, das mir in einer rund zweistündigen Operation unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt wurde. Ein Kabel führt von diesem an meinem Hals entlang zu einem Nerv der Zunge unter meinem Kiefer. Wenn ich im Schlaf einatme, bekommt meine Zunge einen schwachen Stromimpuls. So geht sie etwas nach vorne und hinten in meinem Mund entsteht mehr Raum. Ich kann richtig atmen, es kommt zu keinen Aussetzern mehr und ich schnarche nicht. Damit der Schrittmacher am Tag nicht aktiv ist, schaltet man ihn nach dem Erwachen aus und vor dem Schlafengehen wieder ein. Von aussen sieht man den Schrittmacher nicht. Meine Narben sind sehr gut verheilt und weil sie klein sind, kaum zu sehen. Das Gefühl eines Fremdkörpers habe ich nie. Manchmal spüre ich eine gewisse Kälte rund um das Gerät, die mir aber nicht unangenehm ist.
«Grosi kann man nun abstellen»
Ich bin allen Ärztinnen, Ärzten und dem Pflegepersonal des Universitätsspital sehr dankbar für die Beratung und meine gesamte Behandlung. Seit der Operation am USZ hat sich meine Lebensqualität massiv verbessert. Mein Schlaf hat sich normalisiert und ich habe wieder Energie während des Tages. Beruflich und privat. Ich mache lange Hundespaziergänge an der Aare entlang und geniesse es, mit meiner Familie aktiv zu sein, und Zeit zu verbringen. Ich habe ihnen vom Zungenschrittmacher erzählt und erklärt, wie er funktioniert. Besonders faszinierend finden die Enkelkinder die Fernsteuerung, mit welcher ich den Schrittmacher bedienen kann: «S’ Grosi kann man nun an- und abstellen.»