Eva-Maria ist schon seit ihrer FaGe-Lehre am USZ. Heute ist sie Pflegeexpertin und stellt ihr Fachwissen bei freiwilligen Einsätzen auf Mercy Ships den weniger privilegierten Menschen dieser Welt zur Verfügung.
Du hast schon deine Lehre als FaGe am USZ gemacht. 20 Jahre später bist du immer noch da. Wie kommt das?
Ich habe damals bewusst eine Lehre am Spital gewählt, da ich schon im Hinterkopf hatte, danach Pflege zu studieren. Das habe ich dann auch gemacht – zuerst an der HF, einige Jahre später dann an der FH bis zum Master. Ich habe auch ein Nachdiplomstudium in Kardiologie gemacht und mich während meiner Ausbildungen in meinem Fachgebiet durch die Laufbahnstufen weiterentwickelt. Das USZ hat mich in meiner Entwicklung immer unterstützt. Und noch heute profitiere ich von den vielseitigen Einblicken in den Spitalbetrieb, die ich schon als FaGe-Lernende gewonnen habe.
Als Pflegeexpertin bist du für die Herzchirurgie und Kardiologie zuständig.
Das Herz ist ein faszinierendes Organ. Und die Patientinnen und Patienten kommen aus allen Altersstufen und Bereichen der Gesellschaft. Es gibt junge Menschen mit angeborenen Krankheiten, akute Ereignisse bei Menschen im mittleren Alter, ältere multimorbide Menschen mit chronischen Krankheiten. Die Mischung aus hochspezialisierter Chirurgie und chronischen Erkrankungen ist spannend. Und in der Herzforschung passiert sehr viel. Das macht meine Arbeit sehr abwechslungsreich.
Du engagierst dich auch als Freiwillige in Drittweltländern. Was motiviert dich dazu?
Es ist mir ein Anliegen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und Menschen, die weniger privilegiert sind als ich, zu unterstützen. Mein christlicher Glaube inspiriert mich dazu. Ausserdem bin ich ein neugieriger Mensch. Ich wollte schon immer mehr von der Welt sehen. Ich war schon im Einsatz in Papua Neu Guinea und in Sierra Leone. Bald arbeite ich nochmals für einen Monat auf einem Mercy Ship in Westafrika.
Wie ist der Alltag auf einem Mercy Ship?
Sehr eindrücklich. Die Global Mercy ist das grösste zivile Spitalschiff der Welt. Sie ist quasi ein schwimmendes Dorf mit Schiff-Shop, Bibliothek, Fitnessraum, Café, Crew-Küche, Pool, Basketballplatz, Spielplatz, Laufdeck und vielem mehr. Jährlich arbeiten dort rund 1’500 Personen aus über 60 Ländern in ganz unterschiedlichen Berufen – von Chirurgen, Pflegenden, Physio-/Ergo-/Ernährungstherapeutinnen über Techniker, Informatiker, Lehrer, Matrosen, Seelsorgenden, Köchinnen, Fotografen, etc. Der Spitalbereich umfasst 7’000 Quadratmeter und ist technologisch hochmodern ausgestattet.
Welche Behandlungen finden auf dem Schiff statt?
In den sechs Operationssälen werden kostenlose chirurgische Eingriffe durchgeführt an Mund, Kiefer und Gesicht, in pädiatrischer Orthopädie, Gynäkologie und weiteren Fachbereichen. Auch Zahnmedizin wird angeboten. Ich habe die Patientinnen und Patienten auf einer Bettenstation vor und nach dem Eingriff betreut und auch viele Informationsgespräche mit ihnen geführt.
Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Die grosse Freude, die Herzlichkeit und die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen. Nach Jahren oder Jahrzehnten mit gesundheitlichen Beschwerden, Scham, sozialer Ausgrenzung oder Arbeitsunfähigkeit fängt für sie nach der Operation ein neues Leben an. Diese Erleichterung war stark spürbar. Aber auch ihre Angst vor dieser Erfahrung. Zum Teil kennen diese Menschen keinen Strom, haben noch nie ein Blutdruckmessgerät am Arm gespürt, fahren zum ersten Mal Lift. Eindrücklich war auch die Zusammenarbeit in den internationalen Teams. Alle waren mit Herz bei der Sache und wollten gemeinsam etwas bewegen.
Kann das USZ etwas vom Mercy Ship lernen?
Absolut. Die Global Mercy, das neuste Schiff in der Flotte, wurde basierend auf über 30 Jahren Erfahrung entworfen und von A bis Z durchdacht. In den automatisierten Medikamenten- und Materialschränken kann man sich mit Fingerabdruck einloggen. Da das Pflegepersonal oft wechselt und auch ausserhalb ihrer Fachexpertise tätig ist, gibt es klinische Behandlungspfade mit Standard-Pflegeplänen pro Schicht und Operationsverfahren. Und Patientenedukation in Gruppen. Inspirierend finde ich auch Gesellschaftsangebote wie Spiele, Basteln, Tanz oder Musik, welche die Mobilität der Patienten fördern und gleichzeitig etwas Unbeschwertheit und Lebensfreude in den Spitalalltag bringen.
Weitere Informationen zu den Mercy Ships findest du hier.