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Frühgeburt: Expertise in Prävention und Behandlung am USZ

Frühgeburten bleiben eine grosse Herausforderung in der Geburtshilfe – 2023 lag die Rate in der Schweiz bei 6,2 %. Das USZ unterstützt werdende Eltern und zuweisende Fachpersonen mit seiner Expertise. Frau PD Dr. med. Ladina Vonzun erklärt Massnahmen von der frühen Beratung bis zur Prävention und hebt die enge Zusammenarbeit mit der Neonatologie zum Wohl der Frühgeborenen hervor.

Was sind die Risikofaktoren für eine Frühgeburt?

PD Dr. med. Vonzun: Der Hauptrisikofaktor für eine Frühgeburt ist die Mehrlingsschwangerschaft, weshalb diese, wenn möglich, bereits im Rahmen von reproduktionsmedizinischen Therapien präventiv vermieden werden sollte. Das Wiederholungsrisiko nach einer vorangegangenen Frühgeburt ist ebenfalls hoch. Ein kurzes Schwangerschaftsintervall von weniger als 12 Monaten und vaginale Blutungen oder Infekte in der aktuellen Schwangerschaft sind weitere, wichtige Risikofaktoren.

Was empfehlen Sie bei Frauen mit hohem Risiko für eine Frühgeburt?

PD Dr. med. Vonzun: Das Wissen um ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt kann für die Paare sehr belastend sein. Diese Patientinnen sehen wir gerne bereits vor einer Schwangerschaft oder in der Frühschwangerschaft zur Beurteilung. Dabei geht es um eine Risikoeinschätzung mittels Anamnese und/oder Ultraschalluntersuchung, gefolgt von einer individuell abgestimmten Beratung. In gewissen Fällen kann die Progesteron-Gabe sinnvoll sein oder es kann eine Cerclage zur Primärprävention erwogen werden.

Wie gehen Sie bei Frühgeburtsbestrebungen vor?

PD Dr. med. Vonzun: Dies ist vom individuellen Fall abhängig. Die Palette geht hier von der einfachen Kontrolluntersuchung mit Rücküberweisung an die zuweisende Praxis bis hin zur stationären Aufnahme. Wir halten uns auch bei der Sekundärprävention möglichst an die evidenzbasierten Empfehlungen der Fachgesellschaften.2

Bei drohender Frühgeburt gehen wir zukunftsorientiert vor und bereiten sowohl das Ungeborene als auch die Mutter auf eine mögliche Frühgeburt vor. Entsprechend werden auch unsere Kolleginnen und Kollegen der Neonatologie früh ins Boot geholt. Auf Wunsch haben die werdenden Eltern die Möglichkeit, die Neugeborenenstation zu besichtigen. Unser Ziel ist es, die werdenden Eltern bestmöglich auf die drohende Frühgeburt und deren Konsequenzen vorzubereiten – und sie dabei interdisziplinär zu begleiten.

Wie profitieren zuweisende Gynäkologinnen und Gynäkologen von der Zusammenarbeit mit dem USZ?

Das USZ bietet durch die ständige Präsenz erfahrener Fachärztinnen und Fachärzten in der Gebärabteilung sowie Neonatologie eine grosse Sicherheit für Mutter und Kind. Die Zusammenarbeit mit den Zuweisenden ist gut verankert, hat sich bewährt und funktioniert hervorragend. Der enge Austausch mit den zuständigen Arztpraxen bezüglich des Wohlbefindens der Patientinnen ist uns ein grosses Anliegen.

Ladina Vonzun, PD Dr. med.

Leitende Ärztin, Klinik für Geburtshilfe

Tel. +41 44 255 11 11
Spezialgebiete: Schwerpunkttitel Fetomaternale Medizin, FMH, Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe, FMH, Invasive und nicht-invasive Pränataldiagnostik