Die Intensität der Intensivpflege beflügelt Kai. Er betreut gerne Patientinnen und Patienten, um die sich sonst keiner mehr kümmern kann, und ist auch nach 30 Jahren noch begeistert vom Pflegeberuf.
Was fasziniert dich an der Intensivpflege?
Ich stelle mein Können gerne in Notsituationen unter Beweis. Die Intensität einer lebensbedrohlichen Situation und das Adrenalin beflügeln mich. In dieser Hinsicht bin ich wie ein Feuerwehrmann, der Feuer löschen möchte. Es fasziniert mich, schwerstkranke Patientinnen und Patienten zu betreuen, um die sich sonst keiner mehr kümmern kann.
Was ist besonders an der Intensivpflege von Kindern?
Alles ist kleiner und feiner, Millimeter können einen Unterschied machen. Die Beziehung zu den Angehörigen ist noch wichtiger und es wird oft emotional. Während Erwachsene auf der Intensivstation meistens am Ende des Lebens stehen, stehen die Kinder noch am Anfang. Bei jeder Intervention überlegt man sich: Was für ein Leben wird das Kind in Zukunft damit haben?
Du hast auch als Paramedic im Ambulanzflugdienst gearbeitet. Was fasziniert dich daran?
Die Kombination aus Intensivmedizin und Fliegen ist genial. Du weisst nie genau was dich erwartet, musst mit begrenztem Equipment arbeiten und hast Einblick in die Gesundheitsversorgung anderer Länder.
Du kommst ursprünglich aus Deutschland und warst schon an verschiedenen Spitälern in der Schweiz tätig.
Ja. Das ist einer der Vorteile eines Pflegeberufs: Man ist überall gefragt. Mein erster Sohn ist gehörlos. Um ihm die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, sind wir immer wieder umgezogen. Nach Zürich bin ich dann der Liebe wegen gekommen. Wäre ich Schweizer, würde ich mich als Heimweh-Bündner bezeichnen.
Was gefällt dir am USZ?
Die Angliederung an Universität und ETH und dadurch die Nähe zur Forschung. Wir bewegen uns am Puls der Medizinentwicklung, behandeln hier auch Patientinnen und Patienten, denen an anderen Spitälern nicht mehr geholfen werden kann.
Du warst zuerst Berufsbildner, dann bist du in die Führung gegangen. Wie kam es dazu?
Die Entwicklung der Studierenden mitzugestalten war auch schon eine Art von Führung. Mein Vorgesetzter hat mich schon damals für eine Management-Rolle empfohlen. Als Führungskraft sehe ich meine Aufgabe aber mehr im Leadership als im Management. Ich möchte meine Mitarbeitenden befähigen, ihnen mehr Verantwortung geben und mit ihnen gemeinsam einen Weg gehen.
Was ist dein Fazit nach über 30 Jahren Pflege?
Es ist ein wunderschöner Beruf, der mich bis heute fasziniert und begeistert. Die Arbeitsbedingungen sind aber schwierig und haben sich über all die Jahre leider nicht gross geändert. Andere Länder, zum Beispiel in Skandinavien, sind uns da voraus. Sie bieten mehr Autonomie und bessere finanzielle Modelle. Ich wünsche mir, dass sich auch in der Schweiz mehr vorwärts entwickelt in dieser Hinsicht, und die Attraktivität des Berufs so gesteigert werden kann.