Ein Jahr ist es her, seit Herbert Bünters Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde. Der heute 64-Jährige erlitt einen Schlaganfall und musste viele Dinge, zum Beispiel das Sprechen, wieder lernen.
Ich werde ihn nie vergessen, diesen 1. April 2024. Wie so oft ging ich frühmorgens für eine Stunde joggen – intensives Training gehörte zu meinem Alltag. Danach setzte ich mich an den Frühstückstisch. Mit dem Essen fertig, stand ich auf und kippte einfach um. Zum Glück war ich nicht allein. Meine Lebenspartnerin stellte unmittelbar fest, dass mein Gesicht verzogen war und ich auf der einen Seite Lähmungserscheinungen zeigte – klare Anzeichen für einen Schlaganfall. Geistesgegenwärtig rief sie sofort die Ambulanz, welche 15-20 Minuten nach der Alarmierung bei mir eintraf. Im Krankenauto musste ich mich mehrfach übergeben, ein zusätzliches Symptom, das auf diese Erkrankung hinweist.
Jede Minute zählt
Im Universitätsspital Zürich angekommen, ging alles sehr schnell. Ich wurde als Notfall ins Schlaganfallzentrum überwiesen, welches auf meine Diagnose spezialisiert ist. Wie ich später erfuhr, steht den Ärztinnen und Ärzten bei einem Schlaganfall nur ein sehr kleines Zeitfenster zur Verfügung: Wenn zwischen den ersten Symptomen und der Behandlung zu viele Stunden liegen, kann das Gehirn durch die fehlende Sauerstoff- und Nährstoffversorgung einen irreparablen Schaden davontragen. Ich hatte Glück und eine zügige, optimale Versorgung verhinderte Schlimmeres. In einer etwa einstündigen Operation wurde das verstopfte Gefäss, welches den Schlaganfall auslöste, wieder eröffnet.
Als ich nach der Narkose aufwachte, erkannte ich meine Lebenspartnerin und wusste, wer ich bin. Sprechen war jedoch noch nicht möglich, denn durch den Schlaganfall wurde mein Sprachzentrum beeinträchtigt. Ebenfalls war ich linksseitig gelähmt, was mir am Anfang grosse Mühe bereitete. Doch bereits am zweiten Tag konnte ich im USZ die Physio-, Logo- und Ergotherapie besuchen und stellte schnell eine positive Entwicklung fest.
„Ich vergebe ehrlich nur Bestnoten.“
Insgesamt sechs Wochen lang war ich Patient im USZ. Ich fühlte mich von Beginn weg gut aufgehoben. Die Betreuung durch die Pflege war sensationell. Die Ärztinnen und Ärzte haben mir immer alles auf Augenhöhe erklärt und die komplizierten medizinischen Sachverhalte in eine verständliche Sprache übersetzt. Ganz oft wurde mir Mut zugesprochen, wenn ich mental nicht auf der Höhe war oder mich die langsamen Fortschritte frustrierten, beispielsweise bei den ersten Gehversuchen. Die feinen Mahlzeiten aus der Küche des USZ haben mich über den Tag von Woche zu Woche getragen und meinen Aufenthalt kurzweiliger gemacht – ich vergebe ehrlich nur Bestnoten.
«Wieder richtig am Leben teilnehmen zu können, ist mir wichtig»
Ein Jahr ist es nun her seit meinem Schlaganfall. Mir wurde gesagt, dass ich erst nach etwa zwei Jahren wieder «richtig zwäg» sein werde. Meine linke Körperhälfte ist immer noch eingeschränkt, weshalb ich weiter regelmässig in die Physiotherapie gehe. Ich gebe mir jeden Tag Mühe, Fortschritte zu machen. Am meisten beeinträchtigt ist meine Feinmotorik: Meine linke Hand zittert. Ich habe oft Kopfweh und eine grosse Müdigkeit macht mir nach wie vor zu schaffen. Reden geht wieder richtig gut – verrückt, wenn ich daran denke, dass ich nach meinem Schlaganfall für kurze Zeit nur gelallt habe und alles wieder lernen musste.
Als ehemals aktiver Mensch fehlt mir der Sport sehr. Ich probiere deshalb, täglich Bewegungseinheiten in meinen Alltag zu integrieren: Ich gehe spazieren und seit kurzem liegen sogar kleinere Mountainbiketouren drin. Ausserdem arbeite ich wieder in einem Minipensum. Mein Leben wurde komplett auf den Kopf gestellt! Nun von Neuem daran teilzunehmen, hilft beim Genesen enorm – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.