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HPV-Impfung: Krebs wirksam vorbeugen

Die Mehrheit der sexuell aktiven Männer und Frauen infiziert sich mit den Humanen Papillomaviren. HPV – so die Kurzform – sind verantwortlich für die Entstehung verschiedener Krebsarten, insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Eine Impfung sorgt für Schutz.

Das menschliche Warzenvirus (Humanes Papilloma Virus, abgekürzt HPV) gehört zu den Viren, die beim Menschen Krebs verursachen können. Die allermeisten der 200 von der Wissenschaft bis heute identifizierten HPV-Typen sind für den Menschen gelegentlich lästig, darüber hinaus aber nicht wirklich gefährlich. Sie verantworten beispielsweise Warzen an Händen oder Füssen. Einige wenige HP-Viren indes, vorab die «Hochrisiko-Typen» 16 und 18 sowie gut zehn weitere, können zu Gebärmutterhals-, Scheiden und Schamlippenkrebs oder aber zu After-, Mund-Rachen- und Peniskrebs führen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich 70 bis 80 Prozent der sexuell aktiven Männer und Frauen im Laufe ihres Lebens mit Humanen Papillomaviren (HPV) infizieren.

Auch für Männer ein Thema

Gerade Letzteres zeigt, dass HPV nicht ausschliesslich ein «Frauenthema» ist, wie landläufig angenommen wird. Und dennoch: Ist der Begriff HPV den meisten Frauen spätestens nach dem ersten Besuch bei der Frauenärztin geläufig, so ist sich die Männerwelt der Problematik mehrheitlich nicht bewusst. Zu Unrecht, wie Gian- Piero Ghisu, Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie, erörtert: «Männer erkranken zwar seltener schwer an HPV-bedingtem Genitalkrebs, sie sind grundsätzlich aber genauso betroffen wie Frauen – und sie sind nicht zuletzt die direkten Überträger des Virus.»

Weil dieses nur selten deutlich wahrnehmbare Symptome entwickelt, wird es in den meisten Fällen auch unbewusst weitergegeben. Dies hauptsächlich über die Schleimhäute bei vaginalem, oralem und analem Geschlechtsverkehr. Da das hochansteckende HP-Virus bereits beim Petting übertragen werden kann, ist es insbesondere für junge, sexuell unerfahrene Frauen und Männer gefährlich. «Das Ansteckungsrisiko erhöht sich mit steigender Anzahl Geschlechtspartnerinnen und Geschlechtspartner. Deshalb ist heute gerade die Altersgruppe der 16–25-Jährigen am stärksten vom HP-Virus betroffen», so Gian-Piero Ghisu.

Früherkennung ist das A und O

HPV selbst ist nicht heilbar. In den allermeisten Fällen (+/–70 Prozent) verschwindet das Virus allerdings innerhalb eines Jahres nach der Infektion wieder, in 90 Prozent binnen zweier Jahre. Trotz alledem sehen sich in der Schweiz gemäss Bundesamt für Gesundheit jährlich mehr als 5000 Frauen mit der Diagnose einer Krebsvorstufe am Gebärmutterhals konfrontiert, ausgelöst durch HP-Viren. Im selben Zeitraum sterben etwa 80 Frauen an einem Zervixkarzinom. Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren die fünfthäufigste Krebsart. Umso wichtiger ist die Früherkennung. «Dass wir gemessen an der generellen Verbreitung des Virus eigentlich recht wenige schwere Verläufe haben, ist genau dieser Vorsorge zu verdanken», sagt Gian-Piero Ghisu. «Dank der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs weist die Schweiz im weltweiten Vergleich eine der tiefsten Raten an Neuerkrankungen auf.»

Die grösste Bedeutung im Umgang mit den HP-Viren kommt der Prophylaxe zu. Eine strikte Einhaltung von Safer-Sex-Regeln wie etwa die Benutzung eines Kondoms oder eines Femidoms mindert zwar das Risiko einer Ansteckung, sie kann eine solche aber nicht gänzlich unterbinden. Weit effektiver wirkt sich dahingehend eine Impfung gegen HPV aus. Eine solche ist in der Schweiz seit 2006 möglich, die zugelassenen Impfstoffe wirken sowohl gegen tumorerzeugende HPV-Typen wie gegen solche, die zu Genitalwarzen führen. «Die Impfung veranlasst das Immunsystem zu einer Abwehrreaktion, die weit stärker ausfällt, als wenn man mit dem Virus direkt Kontakt gehabt hätte», erklärt Gian-Piero Ghisu. Die Impfung schützt unter anderem vor den sieben am häufigsten für die Entstehung von Krebs verantwortlichen HP-Viren.

 

„Dank der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs weist die Schweiz im weltweiten Vergleich eine der tiefsten Raten an Neuerkrankungen auf.“

Gian- Piero Ghisu, Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie

Idealerweise wird die Impfung durchgeführt, noch bevor es zur Aufnahme sexueller Kontakte kommt. Das optimale Alter für die HPV-Impfung liegt zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr. Da der Impfstoff erst seit ein paar Jahren verfügbar ist, wird eine Nachimpfung bei jungen Erwachsenen bis 26 empfohlen. Bei Jugendlichen bis 15 sind zwei HPV-Impfungen im Abstand von sechs Monaten notwendig, nach dem 15. Geburtstag braucht es deren drei. Für Erwachsene gilt: Die Wahrscheinlichkeit, von der Impfung zu profitieren, nimmt mit der Anzahl wechselnder respektive früherer Sexualpartnerinnen und -partner ab, da eventuell bereits eine Ansteckung stattgefunden hat.

Werden die Kosten für die Impfung von den Krankenkassen übernommen?

Im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ist die Impfung für 11- bis 26- jährige Mädchen und Jungen sowie junge Frauen und Männer gemäss oben genannten Empfehlungen kostenlos. Ab dem 27. Lebensjahr deckt die Krankenkasse gelegentlich einen Teil oder die gesamten Kosten ab, die sich auf rund CHF 800 belaufen. Krankenkassen und Arzt oder Ärztin können hierzu Auskunft geben.

Positive Erfahrungen mit Impfung

Am USZ seien die Erfahrungen mit der HPV-Impfung durchwegs positiv, erklärt Gian-Piero Ghisu; auch zeichne sich der verwendete Impfstoff Gardasil 9 durch eine grosse Verträglichkeit aus. Geimpfte würden auch nach zehn Jahren einen anhaltenden Schutz gegenüber den HP-Viren aufweisen. «Das lässt auf eine langfristige Wirkung schliessen», so Ghisu. «Ob irgendwann eine Auffrischung notwendig sein wird, ist im Moment nicht klar.» Internationale Studien bescheinigen der Impfung ihrerseits eine Reduktion der Ansteckungsrate hinsichtlich der humanen Papillomaviren, aber auch der weniger gefährlichen Warzen. In der Schweiz gehen die Fachleute davon aus, dass dank der HPV-Impfung jedes Jahr 80 bis 180 neue Krebsfälle bei Männern und 300 Krebsfälle bei Frauen vermieden werden können. «Eine Impfung ist also durchaus sinnvoll», betont Gian-Piero Ghisu. «Man tut damit nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern auch der Partnerin oder dem Partner und nicht zuletzt der Gesellschaft.»

Häufige Fragen zur HPV-Impfung

Der konsequente Gebrauch von Kondomen schützt zwar sehr wirksam vor einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und vor HIV, jedoch weniger gut vor einer Infektion mit HPV. Den nachhaltigsten und wirksamsten Schutz vor einer Ansteckung bietet seit 2007 die HPV-Impfung. Der Impfstoff Gardasil9® richtet sich gegen die krebsauslösenden Typen 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 sowie gegen die Genitalwarzen auslösen den Typen 6 und 11. Der Impfstoff schützt zusätzlich teilweise gegen weitere, verwandte krebsverursachende HPV-Typen.

Die HPV-Impfung schützt vor humanen Papillomaviren, die zu verschiedenen Krebsarten (z. B. Gebärmutterhals-, Anal- oder Rachenkrebs) sowie zu Genitalwarzen führen können. Eine frühzeitige Impfung – idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt – senkt das Risiko für HPV-Infektionen und damit verbundene Erkrankungen deutlich.

Die Impfung hat einen vorbeugenden, keinen heilenden Effekt. Da die Impfung gegen 7 gefährliche HPV-Typen schützt und man sich kaum mit all diesen HPV-Typen infiziert hat, nützt die Impfung gegen die Virustypen, mit denen man bisher keinen Kontakt hatte. Die Impfung bietet aber auch nach bereits stattgefundener HPV-Infektion einem Teil der Betroffenen einen zusätzlichen Schutz vor einer erneuten Infektion. Nach der Behandlung von Krebsvorstufen vermag sie zudem deren Risiko des Wiederauftretens zu senken.

Das Viruserbgut (DNA) ist in der Natur in eine Eiweisshülle gepackt. Für den Impfstoff werden diese Hülleneiweisse künstlich hergestellt. Sie lösen im Körper eine hervorragende Abwehrreaktion aus, welche ausgezeichnet vor HPV-Infektionen schützt. Da im Impfstoff das HPV-Erbgut fehlt, kann man durch die Impfung nicht krank werden. Der Impfstoff enthält auch keine bedenklichen Hilfsstoffe, wie z.B. Quecksilber oder Allergien auslösende Hühnereiweisse.

Eine HPV-Impfung schützt am besten, wenn sie vor einer HPV-Infektion durchgeführt wurde, idealerweise also vor Aufnahme der sexuellen Aktivität. Da Männer ebenso häufig wie Frauen an Genitalwarzen und selten an Krebs erkranken können, wird die HPV-Impfung auch Jungen und jungen Männern empfohlen. Indirekt schützen diese auch ihren Partner, ihre Partnerin, da sie die von der Impfung abgedeckten Viren nicht mehr übertragen. Das optimale Alter für die Impfung liegt zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr. Bis zum abgeschlossenen 26. Lebensjahr wird zur Nachholimpfung geraten, welche im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ebenfalls vergütet wird. Der Nutzen der Nachholimpfung ist aber geringer, da sich Erwachsene mit steigen der Anzahl früherer Geschlechtspartner eventuell schon angesteckt haben.

Die Impfung besteht aus drei Spritzen in den Muskel des Oberarms. Die erste und zweite Spritze werden im Abstand von einem bzw. zwei Monaten verabreicht, gefolgt von einer abschliessenden dritten Spritze sechs Monate nach der ersten. Für Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr sind 2 Impfungen im Abstand von 6 Monaten ausreichend.

Wie bei jeder Impfung kann es an der Einstichstelle kurzzeitig zu leichten Schmerzen, Rötung und Schwellung kommen. Es sind jedoch keine gesicherten schwerwiegenden oder dauerhaften Nebenwirkungen bekannt.

Da der Impfstoff seit etwas mehr als 10 Jahre auf dem Markt ist, ist die Dauer des Impfschutzes noch unklar. Man geht davon aus, dass der Schutz mindestens 10–20 Jahre anhält. Sollte sich in den nächsten Jahren eine Abnahme des Schutzes zeigen, könnte es sein, dass im Verlauf eine Auffrischimpfung empfohlen wird.

In der Schweiz sind 40,9 % der jungen Frauen, aber nur 7,8 % der jungen Männer geimpft. Gründe dafür sind Wissenslücken, fehlende Aufklärung, die späte Aufnahme in die Impfempfehlung und das hartnäckige Image der HPV-Impfung als „Frauenimpfung“. Viele Männer wissen zudem nicht, dass die Impfung auch für sie Nutzen bringt.

Möchten Sie sich impfen lassen oder haben Sie Fragen?

Die Klinik für Gynäkologie am USZ bietet regelmässig Spezialsprechstunden an, die bei Verdacht auf eine Infektion oder eine Dysplasie (Krebsvorstufe, oberflächliche Zellveränderung am Gebärmutterhals) an, die regulären Krebsvorsorgeuntersuchungen anknüpfen. Die Überweisung erfolgt in der Regel durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt. Ebenfalls Gegenstand der Dysplasie-Sprechstunde ist die grundsätzliche Prävention hinsichtlich einer HPV-Infektion oder die Risikominderung des Wiederauftretens einer Krebsvorstufe.

Des Weiteren führt das USZ Impfungen gegen die sieben häufigsten potenziell krebserregenden und die zwei häufigsten für Feigwarzen ursächlichen HPV-Typen durch. Wir bieten Ihnen gerne einen Impftermin in einer unserer Polikliniken oder Privatsprechstunden am USZ an. Alternativ können Sie sich auch bei der Hausärztin, beim Hausarzt, Kinderarzt oder beim lokalen Impfzentrum impfen lassen.

Tel. +41 44 255 50 36
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