Mit grosser Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Steffen Gay, der am 16. Juli 2025 im Kreise seiner Familie verstorben ist.
Steffen hat die Forschung unserer Klinik, wie sie sich bis heute entwickelt hat, entscheidend geprägt. Nach dem Medizin-Studium in Leipzig und einer abenteuerlichen Flucht nach Westdeutschland hat Steffen 20 Jahre seiner Forschungstätigkeit in den USA in Birmingham, Alabama, verbracht. Im Jahr 1996 folgte er einem Ruf der Universität Zürich und baute an der Rheumaklinik des USZ das Zentrum für Experimentelle Rheumatologie auf.
Zusammen mit seiner Frau Renate ist es Steffen gelungen, in dieser Zeit die Forschung der Rheumaklinik zu Weltruf zu führen. Seine besondere Befähigung war es, wissenschaftliche Trends frühzeitig zu erkennen und entscheidend voranzutreiben. In den frühen Zeiten handelte es sich um die Kollagenforschung, gefolgt von der Rolle der Zytokine in entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Später erkannte er als einer der ersten, dass Fibroblasten wichtige Zellen in der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis sind, deren Rolle über reine Bindegewebsproduzenten weit hinaus geht. Schliesslich etablierte er die epigenetische Forschung in der Rheumatologie. Das Zentrum für Rheumatologie am USZ/UZH wurde zu einem EULAR Center of Excellence.
Vermutlich am beeindruckendsten war aber seine Befähigung, junge Wissenschaftler zu motivieren, zu begeistern und zu fördern. Zürich wurde zum Herzensziel der jungen Rheumatologen mit Forschungsinteresse. Hier trafen sich und lernten junge Forschende aus aller Welt. Mit oder ohne Forschungsvorerfahrung – hier wurde man mit offenen Armen aufgenommen und Ideen konnten verwirklicht werden. Es herrschte eine Atmosphäre des Möglich-Machens, statt der Limitationen und Bedenken. Viele heute führende Rheumatologen in Europa, aber auch Asien und den USA, haben in Zürich ihre wissenschaftliche Weiterbildung oder ihr Mentoring bekommen.
Es ist schwierig, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir verlieren nicht nur einen bedeutenden Wissenschaftler und früheren Leiter der Experimentellen Rheumatologie, sondern auch einen wertvollen Menschen, Mentor, Berater und Freund. Steffen war in den letzten Jahren sehr stolz, wie sich die Klinik und Forschung weiterentwickelt hat. Wir werden alles daransetzen, das Erbe würdevoll und in seinem Sinne weiterzuführen. Mit offenen Armen, wie wir es lernen durften. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Renate, den Kindern und Enkelkindern.
Ruhe in Frieden, Steffen.
Oliver Distler und Caroline Ospelt, im Namen der Klinikleitung