Die Klinik für Urologie des Universitätsspitals Zürich (USZ) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, wonach es im Zusammenhang mit einer Prüfungsanmeldung für den Schwerpunkt Operative Urologie zu Unregelmässigkeiten gekommen sein soll. Um den Sachverhalt objektiv aufzuklären, hat die Spitaldirektion eine administrative Überprüfung in Auftrag gegeben.
Auslöser war ein offener Brief mehrerer Ärztinnen und Ärzte an die Schweizerische Gesellschaft für Urologie (SGU). Diese ist zuständig für die Weiter- und Fortbildung im Fachgebiet Urologie – unter anderem für die Zulassung zur Prüfung des Schwerpunktes operative Urologie. Im Zentrum der Kritik stand die Frage, ob ein Kandidat aus dem USZ bei der Prüfungsanmeldung falsche Operationszahlen angegeben hat.
Nach Bekanntwerden des Vorwurfes wurde die Prüfungsanmeldung zurückgezogen. Der Vorstand der SGU hat den Vorwurf in einer ausserordentlichen Sitzung besprochen. Da der betreffende Facharzt nicht in allen Kategorien die notwendige Anzahl an Operationen durchgeführt hat, wurde Prof. Daniel Eberli, Direktor der Klinik für Urologie, von Seiten der SGU wegen mangelnder Sorgfalt bei der Prüfungsanmeldung gerügt. Der Kandidat darf sich zudem erst nach Erreichen der geforderten Operationszahlen in allen Kategorien und unter Beilage der Operationsberichte erneut zur Prüfung anmelden.
Um den Sachverhalt vollständig und objektiv aufzuklären, hat die Spitalleitung eine externe administrative Überprüfung in Auftrag gegeben. Ziel ist eine transparente Klärung, ob organisatorische oder individuelle Fehler vorlagen.
Prof. Eberli hat in diesem Zusammenhang darum gebeten, ihn bis zum Abschluss der Untersuchung zu beurlauben. Die Spitalleitung begrüsst diesen Schritt ausdrücklich und wird dem Wunsch entsprechen.
Für das USZ sind Integrität, Transparenz und ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld entscheidend. Die laufende Überprüfung ist wichtig, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden und die notwendigen Schlüsse für künftiges Handeln zu ziehen. «Als Universitätsspital dürfen wir keine Zweifel aufkommen lassen, dass sich die Menschen auf unser korrektes Verhalten verlassen können», sagt Monika Jänicke.
Update 1. Juli 2025: Abklärungsphase (Befragungen, Aktensichtung etc.) abgeschlossen
Die mit der administrativen Überprüfung beauftragte Kanzlei Nater Dallafior Rechtsanwälte hat die Abklärungsphase (Befragungen, Aktensichtung etc.) in der Klinik für Urologie abgeschlossen. Nach ersten Erkenntnissen wurde kein strafrechtliches Fehlverhalten festgestellt. Gleichzeitig fanden in den letzten Wochen verschiedene Gespräche statt. Alle Beteiligten sind auf die Relevanz korrekter administrativer Abläufe sensibilisiert.
Mit dem Abschluss der Abklärungsphase endet die Beurlaubung von Prof. Dr. med. Daniel Eberli. Er übernimmt am 1. Juli 2025 wieder die Leitung der Klinik für Urologie am USZ. Prof. Eberli hatte darum gebeten, während der Untersuchung von seinen Aufgaben entbunden zu werden, um die Unabhängigkeit der Abklärungen zu gewährleisten. Die Spitaldirektion dankt ihm für seine konstruktive Mitwirkung im Interesse der Klinik für Urologie und die Wiederaufnahme seiner Leitungsfunktion.
In den kommenden Wochen werten die externen Fachleute den Sachverhalt detailliert aus, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Sobald die objektiven Erkenntnisse und Empfehlungen vorliegen, wird die Spitaldirektion entscheiden, welche Konsequenzen angemessen sind und welche Lehren das USZ, im Interesse der Qualitätssicherung, daraus zieht.