Kann die persönliche Lieblingsmusik Schmerzen lindern? Forschende des Universitätsspitals Zürich sind dieser Frage nachgegangen und haben untersucht, welchen Einfluss Musik auf das Schmerzempfinden bei einer Venenpunktion hat. Die Ergebnisse deuten darauf hin: Wer während des Eingriffs seine Lieblingsmusik hört, empfindet den Schmerz signifikant geringer.
An der Studie nahmen 204 Personen teil. Während ihnen im Rahmen einer MRT-Untersuchung der Venenzugang gelegt wurde, hörten sie entweder keine Musik (Kontrolle), Entspannungsmusik, ein klassisches Stück von Mozart (KV 448) oder eine eigens ausgewählte Lieblingsmusik.
Lieblingsmusik zeigte den stärksten Effekt
Der stärkste schmerzlindernde Effekt zeigte sich beim Hören von Lieblingsmusik, dies unabhängig vom Genre. Ob Pop, Rock oder Klassik – offenbar war die persönliche Verbindung zur Musik wichtiger als eine vorgegebene Musikrichtung. Auch Mozart ging mit einem signifikanten geringeren Schmerzempfinden einher, jedoch nur bei Patienten und Patientinnen, die bereits vor dem Einstich Schmerzen angegeben hatten. Dagegen wies Entspannungsmusik keinen schmerzlindernden Effekt auf.
Einfache Massnahme mit Potenzial für die Praxis
Die Ergebnisse legen nahe, dass Musikhören eine einfache Massnahme sein könnte, generell bei unangenehmen Untersuchungen therapeutisch eingesetzt zu werden, auch in Situationen, die nicht mit Schmerzen verbunden sind.
„Ich würde Patientinnen und Patienten das Musikhören empfehlen, insbesondere jenen, die Musik generell mögen“, sagt PD Dr. Meritxell Garcia Alzamora, Leitende Oberärztin an der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsspitals Zürich und Seniorautorin der Studie.
Diese Erkenntnisse sollen auch für den klinischen Alltag geprüft werden. Musik könnte bei Venenpunktionen im Rahmen radiologischer Untersuchungen gezielter und öfter eingesetzt werden – insbesondere bei Menschen mit erhöhter Anspannung, Ängstlichkeit oder Klaustrophobie.
Weitere Forschung notwendig
Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Die Studie untersuchte einen kurzen, meist leichten Schmerzreiz. Ob Musik auch bei stärkeren oder länger anhaltenden Schmerzen helfen kann, müssen weitere Studien zeigen.
Die Resultate machen zugleich deutlich, dass individuelle Faktoren für das Schmerzempfinden eine Rolle spielen können. Lieblingsmusik könnte künftig dazu beitragen, den Spitalaufenthalt für manche Patientinnen und Patienten deutlich angenehmer zu gestalten.
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