Abgeschlossene Studie

FICUS Studie

Lay summary

Nurse-Led Family Support Intervention for Families of Critically Ill Patients – The FICUS Cluster Randomized Clinical Trial

Naef et al., JAMA Internal Medicine. 2025;185(9):1138-1149. doi:10.1001/jamainternmed.2025.3406. Published online July 28, 2025.

Warum war diese Studie notwendig?
Angehörige von schwer erkrankten Menschen, die auf einer Intensivstation behandelt werden, fühlen sich häufig überfordert und verängstigt. In dieser belastenden Situation erhalten Familien oft nicht ausreichend klare Informationen oder emotionale Unterstützung durch Fachpersonen. Diese hohe Belastung kann die Fähigkeit der Familie beeinträchtigen, ihr erkranktes Mitglied zu unterstützen. Gleichzeitig kann sich die Situation auch negativ auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirken. Bisher gibt es nur wenige qualitativ hochwertige Pflegestudien, die untersuchen, ob gezielte Unterstützungsangebote für Familien zu messbaren Verbesserungen in der Betreuung von Familien auf Intensivstationen führen.

Worum geht es in der Studie?
Forschende des Universitätsspitals Zürich und der Universität Zürich haben ein neues, von Pflegefachpersonen geleitetes Unterstützungsprogramm für Familien auf Intensivstationen entwickelt und geprüft. In diesem Programm wurde die neue Rolle einer Familienpflegefachperson geschaffen, die Teil des Behandlungsteams ist. Sie arbeitet eng mit den Familien zusammen, koordiniert ihre Betreuung, und führt regelmässige Gespräche. Dabei vermittelt sie Informationen, gibt Orientierung und Tipps zur Selbstfürsorge und bietet emotionale Unterstützung im Umgang mit dieser schwierigen Situation. Zudem sorgt sie für eine klare und verlässliche Kommunikation zwischen dem Behandlungsteam und der Familie. Diese spezialisierte Betreuung beginnt direkt nach der Aufnahme der Patientin oder des Patienten auf der Intensivstation und wird auch nach der Entlassung aus der der Intensivbetreuung fortgesetzt. An der Umsetzung sind Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte beteiligt, die gemeinsam daran arbeiteten, die Betreuung von Familien kritisch kranker Patienten und Patientinnen zu verbessern.

Wie sah die Studie aus?

Diese pflegewissenschaftliche Studie fand auf 16 Intensivstationen für Erwachsene in der Schweiz statt. Die Hälfte dieser Intensivstationen setzte zusätzlich zur bestehenden Betreuung das Unterstützungsangebot um. Die andere Hälfte führte die übliche Betreuung für Familien weiter fort und diente als Vergleichsgruppe. Insgesamt nahmen 885 Angehörige teil und beantworteten nach Abschluss der Intensivbehandlung Fragebögen zur Qualität der erhaltenen Betreuung und zur Zufriedenheit.

Was hat die Studie ergeben?
Die Ergebnisse zeigten, dass Familien, die am Unterstützungsprogramm teilnahmen, im Durchschnitt zufriedener mit der Betreuung waren als jene aus der Vergleichsgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei der Beteiligung an Entscheidungen, der Qualität der Kommunikation und bei der emotionalen Unterstützung durch Pflegefachpersonen. Familien profitierten am meisten, wenn Familienpflegefachpersonen das Programm frühzeitig und konsequent anwendeten.

Was bedeuten die Ergebnisse?
Die Studie zeigt, dass dieses familienfokussierte Unterstützungsprogramm in der Erwachsenen-Intensivmedizin funktioniert: Es verbessert die Kommunikation und die Unterstützung der Familien und steigert deren Zufriedenheit mit der Betreuung, auch wenn die Verbesserungen insgesamt eher klein waren. Ob dieser neue Versorgungsansatz langfristig auch positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Angehörigen hat, wird derzeit weiter untersucht. Zukünftige Forschung soll klären, wie das Programm am besten in der Routineversorgung umgesetzt werden kann.

Wo kann ich mehr erfahren?

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Original-Studienbeschreibung

Angehörige von Patienten und Patientinnen auf der Intensivstation sind durch die Ereignisse, Hoffnungen und Ängste stark betroffen und entsprechend belastet. Sie müssen oft stellvertretend Entscheidungen für Patient*innen treffen. In dieser Studie wird ein pflegegeleitetes Unterstützungsprogramm für Angehörige und Familien von schwererkrankten Patienten und Patientinnen auf der Intensivstation umgesetzt und auf dessen Wirksamkeit getestet.

Ziel der Studie

Die Studie möchte herauszufinden, ob eine aktive Unterstützung von Angehörigen durch eine zuständige Familien-Pflegefachperson in enger Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam die Beteiligung, Kommunikation und Betreuung von Familien verbessert. Auch wird untersucht, ob diese pflegerische Unterstützung und Begleitung Familien hilft, mit der kritischen Erkrankung besser umzugehen und ob es ihre psychische Belastung mindert. Dazu wird auf acht Intensivstationen in der Deutschschweiz ein pflegegeleitetes Unterstützungsprogramm eingeführt. Als Vergleich führen acht weitere Intensivstation die bisherige Betreuung weiter. Angehörige werden regelmässig schriftlich über ihre Erfahrungen und Gesundheit befragt. Die Ergebnisse werden verglichen.

Wer kann teilnehmen?

Angehörige von Patienten und Patientinnen auf der Intensivstation

Ablauf

Angehörige von kritisch kranken Personen im Interventionsarm erhalten die familienunterstützende Pflegeintervention zusätzlich zur üblichen Versorgung. Die Intervention besteht aus (1) Unterstützung für Angehörige durch Familienpflegepersonen zu bestimmten Zeitpunkten im Verlauf des Intensivaufenthalts der Patientin / des Patienten sowie im Anschluss daran im Rahmen der Nachsorge (pflegerische Familieninterventionen), und (2) Koordination und Liaison der interprofessionellen Betreuung und strukturierten Kommunikation mit Familien. Die Intervention basiert auf einem familiensystemischen Ansatz und leitlinienbasierten Empfehlungen für die Familienbeteiligung und -unterstützung auf der Intensivstation. Zum Vergleich wird die bisher übliche Versorgung für Angehörige von Patientinnen und Patienten in den Intensivstationen des Kontrollarms weitergeführt. Übliche Versorgung ist definiert als ein nicht protokollierter Ansatz für die Familienpflege, der vor Beginn der Studie ein etablierter Bestandteil der Pflege auf der betreffenden Intensivstation war.

Entschädigung

Keine

Original Studienname

A multicenter, cluster-randomized superiority trial of a guideline-based family support intervention in intensive care units

BASEC-Nummer

2021-02300

Sponsoren

Schweizerischer Nationalfond (Gesuchs-Nummer 33IC30_198778)

Kontakt

Tel. +41 44 634 37 59