Aufarbeitung der Vorkommnisse an der Klinik für Herzchirurgie

Administrativuntersuchung zu den Vorkommnissen an der Klinik für Herzchirurgie im Zeitraum von 2016 – 2020 weist schwerwiegende Mängel nach.

Informationsstelle Herz

Wurden Sie, eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen zwischen 2015 und 2020 in der Klinik für Herzchirurgie des USZ behandelt? Und haben Sie Fragen zu dieser Behandlung oder ein Anliegen dazu? Dann wenden Sie sich an unsere Informationsstelle Herz.

Tel. +41 44 255 70 70

Die Infostelle ist von Montag bis Freitag bedient von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

Hinweis: Wir nehmen uns für jeden Anrufenden und jede Anrufende ausreichend Zeit und bitten um Verständnis, wenn es dadurch zu Wartezeiten für Sie kommen könnte.

Hinweise auf die in den Jahren 2016 – 2020 auffällig überhöhte Mortalitätsrate an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) haben im August 2024 den Spitalrat veranlasst, eine Administrativuntersuchung durch eine unabhängige Untersuchungskommission einzuleiten. Nun liegen die Ergebnisse dieser Untersuchung vor. Der Spitalrat hat entschieden, vollständige Transparenz zu den Ursachen der Verfehlungen zu schaffen und dazu den gesamten Untersuchungsbericht offenzulegen.

Die nach drei unabhängigen Berechnungsmethoden überprüfte Mortalität an der Klinik für Herzchirurgie unter der damaligen Leitung (Oktober 2014 – Mai 2020) ergab auf der Basis von 4’500 Operationen eine statistisch ausgewiesene Übermortalität von 68 – 74 Todesfällen. Bei individuell nach medizinisch-wissenschaftlichen Kriterien überprüften 307 Todesfällen wurden 11 als «nicht erwartbar» eingestuft. Beim überprüften Einsatz von innovativen Medizinprodukten (insbesondere Cardiobänder) wurde in 13 Fällen der Einsatz eines solchen Produktes als unangemessen beurteilt.

Spitalrat und Spitaldirektion sind tief betroffen von den Ergebnissen der Untersuchungen, welche ein inakzeptables Verhalten der seinerzeitigen Verantwortlichen zeigen. Sie bitten die Betroffenen und Angehörigen um Entschuldigung für das Leid, das sie durch die nun festgestellten Verfehlungen erfahren haben. Für ihre Unterstützung hat das USZ eine Informationsstelle eingerichtet, die Nummer ist weiter unten aufgeführt.

Die Ursachen für diese Vorfälle liegen im Wesentlichen in der überhasteten Ernennung des damaligen Leiters der Klinik für Herzchirurgie im Jahr 2015, an dessen fehlenden Führungskompetenzen und bestehenden Interessenskonflikten, aber auch an der ungenügenden Führung der Klinik für Herzchirurgie. Seitens der damaligen Spitaldirektion fehlte es an Führung und Aufsicht und der damalige Spitalrat unterschätzte die Tragweite und verfolgte die festgestellten Verfehlungen ungenügend.

Zur strafrechtlichen Beurteilung der festgestellten Verfehlungen und der entsprechenden Verantwortlichkeiten hat der Spitalrat entschieden, die 11 nicht erwartbaren Todesfälle sowie die 13 unangemessenen Einsätze von Medizinprodukten der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich anzuzeigen bzw. zu melden.

Die Aufarbeitung der Missstände, soweit sie schon durch frühere externe Untersuchungen erkannt worden sind, hat bereits 2020 begonnen. Seit des Führungswechsels an der Klinik für Herzchirurgie vor über 4 Jahren, entspricht deren Qualitätsniveau gemessen an der Mortalitätsrate wieder höchsten Ansprüchen, wie die Zahlen und Fakten zeigen.

Das USZ unter der heutigen Führung treibt nach der Aufarbeitung der Vergangenheit die zukunftsgerichtete Ausrichtung des Unternehmens mit einem durchgreifenden Transformationsprozess entschlossen voran. Der damit verbundene und bereits spürbare Kulturwandel spielt in der Neuausrichtung des Universitätsspitals eine zentrale Rolle.