Die Affenpocken sind eine seltene, jedoch ernstzunehmende Virusinfektion. In den letzten Jahren haben sich die Affenpocken zunehmend als Bedrohung für den Menschen herausgestellt, insbesondere in Gebieten ausserhalb Afrikas.
Ursprung und Übertragungswege
Affenpocken werden durch das Affenpockenvirus (Monkeypox Virus, Mpox Virus) ausgelöst, das zur Familie der Pockenviren gehört. Das Virus wurde ursprünglich bei Tieren, insbesondere Nagetieren und Affen, gefunden. Eine Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, oder durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch infizierter Tiere. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt in erster Linie über direkten Haut- und Schleimhautkontakt, sowie über Kontakt mit Flüssigkeit von Bläschen oder Läsionen auf der Haut oder Schleimhaut der infizierten Person, insbesondere bei sexuellen Kontakten.
Die verschiedenen Varianten von Mpox
Es gibt zwei Hauptvarianten des Mpox-Virus, die zu unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen führen können:
Zentralafrikanischer Stamm (Klade I)
Dieser Stamm ist virulenter und führt oft zu schwereren Krankheitsverläufen. Die Sterblichkeitsrate kann bei bis zu 10 % liegen. Es wird angenommen, dass dieser Stamm auch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Westafrikanischer Stamm (Klade II)
Dieser Stamm ist weniger virulent und verursacht in der Regel mildere Krankheitsverläufe. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 1 %, was im Vergleich zum zentralafrikanischen Stamm deutlich niedriger ist.
Internationale Notlage wegen Klade Ib
Die WHO hat im August 2024 eine weltweite Notlage wegen Mpox ausgerufen, weil sich in Afrika die Klade Ib schnell ausbreitet. Sie ist möglicherweise ansteckender sowie gefährlicher ist als bisher bekannte Varianten. Klade Ib wurde Ende 2023 im Osten der Demokratischen Republik Kongo entdeckt und breitet sich in weiteren afrikanischen Ländern aus.
Die Ausrufung der höchsten Alarmstufe („gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“) dient als Warnsignal für Behörden weltweit, sich auf mögliche Ausbrüche vorzubereiten und entsprechende Massnahmen zu treffen.
Symptome – Wie machen sich Affenpocken bemerkbar?
Die Symptome der Affenpocken ähneln jenen der menschlichen Pocken, sind jedoch in der Regel milder. Sie treten meist 5 bis 21 Tage nach der Infektion auf. Die Erkrankung beginnt oft mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Innerhalb weniger Tage entwickelt sich ein Hautausschlag, der typischerweise im Gesicht beginnt und sich dann auf andere Körperteile ausbreitet.
Der Ausschlag durchläuft mehrere Stadien:
- zuerst entstehen flache, rote Flecken auf der Haut
- danach werden aus den Flecken flüssigkeitsgefüllte Bläschen
- daraus entwickeln sich eitrige Pusteln
- nach einiger Zeit bilden sich Krusten, die von selbst abfallen, und die Haut verheilt
- Bei sexueller Übertragung kann sich die Erstmanifestation mit einem Geschwür (Ulcus) am Eintrittsort zeigen und dabei leicht mit anderen STI wie z.B. Syphilis verwechselt werden.
Der Ausschlag dauert rund zwei bis drei Wochen und kann sehr schmerzhaft sein.
Diagnostik und Behandlung von Affenpocken
Die Diagnose der Affenpocken erfolgt in der Regel durch den Nachweis des Virus in Hautläsionen oder durch Blutuntersuchungen. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist es wichtig, bei Verdacht auf Affenpocken eine spezialisierte medizinische Einrichtung aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten.
Behandlung
Eine zugelassene Behandlung der Affenpocken gibt es bisher nicht. Es gibt experimentelle Versuche mit Tecovirimat, dessen Einsatz man bei schweren klinischen Verläufen erwägen kann. Die Therapie konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung des Immunsystems. In schweren Fällen kann eine antivirale Therapie in Erwägung gezogen werden. Zudem gibt es mittlerweile Impfstoffe, die eine gewisse Schutzwirkung bieten können. Diese Impfstoffe werden in der Regel Personen empfohlen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, wie zum Beispiel Gesundheitspersonal oder Menschen, die engen Kontakt mit infizierten Personen haben.
Wenn bei Ihnen eine Infektion mit Mpox nachgewiesen wurde, befolgen Sie unbedingt die Anweisungen Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihres behandelnden Arztes oder der kantonalen Behörden, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Es wird empfohlen, sich zu isolieren, bis die Krusten abgefallen sind.
„Die Pockenimpfung wird nicht für die gesamte Bevölkerung empfohlen, sondern nur für bestimmte Risikogruppen, abhängig von der Anzahl der verfügbaren Dosen.“
Vorbeugen - Wie können sich Reisende schützen?
Reisenden in die betroffenen Gebiete Afrikas empfehlen wir, wenn möglich direkten Körperkontakt mit anderen Personen zu vermeiden, insbesondere wenn das Gegenüber Hautauschläge oder Läsionen aufweist.
Die aktuelle Lage hat die Indikation zur Impfung nicht geändert, die weiterhin wie folgt ist:
- Die Pockenimpfung wird nicht für die gesamte Bevölkerung empfohlen, sondern nur für bestimmte Risikogruppen, abhängig von der Anzahl der verfügbaren Dosen.
- Vorrangig als Postexpositionsmassnahme für Personen, die ungeschützten Kontakt mit einer infizierten Person hatten (z. B. familiärer Kontakt).
- Präventiv für Männer und Transgender-Personen, die Geschlechtsverkehr mit mehreren männlichen Partnern haben.
- Als Präventivmassnahme für Personen, die dem Virus beruflich ausgesetzt sind (medizinisches Personal oder Personal in Speziallaboren).
- Für Personen, die Kontakt mit erkrankten Personen hatten, mit dem Ziel, die Übertragungsketten zu unterbrechen und Risikopersonen zu schützen.
Häufig gestellte Fragen
„Ja, sporadisch Klade II, und es gab einen Fall von Klade I – ein Reiserückkehrer, der schnell isoliert werden konnte“, erklärt Dr. med. Johannes Nemeth, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des USZ.
Die Pockenimpfung wird nicht für die gesamte Bevölkerung empfohlen, sondern nur für bestimmte Risikogruppen, abhängig von der Anzahl der verfügbaren Dosen.
Für gesunde Kinder ohne Risikofaktoren ist eine Mpox-Impfung laut Schweizer Impfplan 2025 nicht vorgesehen.
Falls Sie unsicher sind, ob Ihr Kind zu einer Risikogruppe gehört (z. B. bei bestimmten Vorerkrankungen oder engem Kontakt zu Mpox-Erkrankten), sprechen Sie am besten mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
„Das Risiko einer weltweiten Ausbreitung von Mpox Klade I ist derzeit niedrig, aber nicht auszuschliessen“, sagt Dr. med. Johannes Nemeth. „Bislang sind globale Ausbrüche ausgeblieben, weil die meisten Fälle schnell erkannt und eingedämmt wurden.“
Einzelne Fälle ausserhalb Afrikas zeigen, dass eine weltweite Ausbreitung möglich ist, wenn keine wirksamen Massnahmen getroffen werden. Entscheidend sind deshalb eine gute Überwachung, schnelle Reaktion auf Ausbrüche und gezielte Impfmassnahmen in betroffenen Regionen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Wenn Sie glauben, selbst an Mpox erkrankt zu sein, suchen Sie deshalb möglichst rasch ärztlichen Rat und meiden Sie bis zur gesicherten Diagnose engen Kontakt mit anderen Menschen oder Tieren.
Seit Ende 2022 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Begriff „Mpox“ statt „Affenpocken“ zu verwenden. Hintergrund dieser Umbenennung ist, dass die Bezeichnung „Affenpocken“ bzw. „Monkeypox“ als rassistisch und stigmatisierend empfunden werden kann, insbesondere weil sie mit bestimmten Regionen oder Bevölkerungsgruppen in Verbindung gebracht wurde. Die Krankheit erhielt ihren ursprünglichen Namen lediglich deshalb, weil das Virus 1958 erstmals bei Affen entdeckt wurde – die eigentlichen natürlichen Wirte sind jedoch Nagetiere. Mit der neuen Bezeichnung „Mpox“ soll einer Stigmatisierung entgegengewirkt und eine neutrale, sachliche Kommunikation über die Infektionskrankheit gefördert werden.