Was ist Syphilis?
Syphilis, auch Lues genannt, ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Dieser Erreger wird hauptsächlich durch ungeschützte Sexualkontakte (Oral- Anal-, Vaginalsex) über kleinste Verletzungen der Schleimhaut oder der Haut übertragen. Daher gilt Syphilis als sexuell übertragbare Krankheit beziehungsweise Geschlechtskrankheit.
Syphilis: Häufigkeit, Verbreitung und Risikogruppen
Die Syphilis ist weltweit verbreitet. Die Anzahl der Betroffenen hat in den letzten Jahren stark zugenommen – auch in Wohlfahrtsstaaten wie der Schweiz. Nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden im Jahr 2022 für die Schweiz 1078 Neudiagnosen gemeldet.
Die Mehrheit der Betroffenen sind Männer (88 Prozent), insbesondere homosexuelle Männer (MSM) oder Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern.
Ursachen und Risikofaktoren der Syphilis
Ursache der Syphilis (Lues) ist eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum. Dieser Erreger gehört zur Familie der Spirochäten und wird ausschliesslich von Mensch zu Mensch übertragen.
Die Übertragung der Syphilis erfolgt in den meisten Fällen durch ungeschützten sexuellen Kontakt – dazu zählen Vaginal-, Anal- und auch Oralverkehr. Zur Ansteckung kommt es über kleinste Verletzungen an Haut oder Schleimhäuten, durch die die Bakterien in den Körper eindringen. Auch intensives Küssen kann in Einzelfällen zur Infektion führen, wenn Läsionen im Mund vorhanden sind.
In seltenen Fällen können auch schwangere Frauen ihr ungeborenes Kind über den Mutterkuchen infizieren oder den Keim während der Geburt auf das Baby übertragen.
Auch eine Übertragung durch Bluttransfusionen ist theoretisch möglich. Allerdings ist dieses Risiko sehr gering, da inzwischen Blutkonserven genau untersucht werden.
Wie erkennt man eine Syphilis? Symptome nach Stadien
Eine Syphilis-Infektion kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen – je nach Stadium und Schweregrad der Erkrankung. Häufig beginnt sie unbemerkt oder mit sehr milden Beschwerden. In über der Hälfte der Fälle verläuft Syphilis im Anfangsstadium sogar symptomlos oder symptomarm, was die Diagnose erschwert. Daher ist ein Syphilis-Test auch ohne Symptome sinnvoll, wenn ein erhöhtes Ansteckungsrisiko bestand – etwa durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, wechselnde Partner oder Infektionsverdacht beim Sexualpartner.
Symptome der Frühsyphilis
Eine Syphilis in der Anfangsphase wird als Frühsyphilis bezeichnet und verläuft in zwei Stadien:
Primärstadium
Direkt nach der Ansteckung treten oft keine Beschwerden auf. Die Inkubationszeit der Syphilis – also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – beträgt in der Regel meist 21 Tage, kann sich aber bis auf 90 Tage erstrecken. An der Stelle, an der die Erreger in den Körper eingedrungen sind, bildet sich zunächst ein schmerzloses, hartes Knötchen. Da die Syphilis-Übertragung meist beim Geschlechtsverkehr erfolgt, tritt diese Hautveränderung häufig am Penis, an den Schamlippen, an der Vagina, im Anus oder im Mund auf.
Im weiteren Verlauf verhärtet sich das Knötchen und entwickelt sich zu einem Geschwür mit geschwollenem, eingerolltem Rand und eingesunkener Mitte – dem sogenannten harten Schanker (Ulcus durum). Innerhalb einer Woche schwellen oft auch die benachbarten Lymphknoten an. Das Geschwür bereitet meistens keine Schmerzen und heilt nach vier bis sechs Wochen in der Regel von allein ab. Dadurch bleibt die Syphilis in diesem Stadium oft unbemerkt und unbehandelt.
Sekundärstadium
Meist zwei bis drei Monate nach der Infektion geht die Syphilis in das Sekundärstadium über. Hierbei gelangen die Erreger über die Lymphbahnen und das Blut in den gesamten Körper. Neben einer Schwellung der Lymphknoten können bei der sekundären Syphilis grippeähnliche Symptome auftreten wie Fieber, Appetitlosigkeit, Rachenentzündung, Gewichtsverlust oder Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Typisch sind auch rotflfleckige, teils tastbare Haut- und Schleimhautveränderungen. Mitunter kommt es zu Haarausfall. Zudem kann die Syphilis Organe befallen und Entzündungen der Leber, Augen oder Nieren auslösen. Die Symptome in diesem Stadium können jahrelang bestehen bleiben oder immer wieder aufflammen. Bei jeder dritten betroffenen Person heilt die Syphilis im Sekundärstadium spontan aus. Bleiben die Betroffenen jahrelang symptomfrei, spricht man von einer latenten Syphilis. Im latenten Stadium sind die Betroffenen nur noch wenig oder gar nicht mehr ansteckend für andere.
Symptome der Spätsyphilis
Etwa ein Viertel der unbehandelten Syphilis-Erkrankungen geht Jahre nach der Ansteckung in das Tertiärstadium über – auch Spätsyphilis oder tertiäre Syphilis genannt. In diesem Stadium kommt es zu einer chronischen Entzündung, die unterschiedlichste Körpersysteme betrifft.
Typisch sind Schädigungen der inneren Organe, Blutgefässe, des Herz-Kreislauf-Systems, Knochen, Muskeln und der Haut. Auch das Nervensystem kann angegriffen werden, was sich durch Empfindungsstörungen, Demenz oder Lähmungen bemerkbar machen kann. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Spätsyphilis sind sogenannte Gummen – gummiartige Knoten in der Haut oder in Organen, die sich über Jahre hinweg vergrössern können und erhebliche Gewebeschäden verursachen.
Symptome der Neurosyphilis
Dringen die Bakterien ins zentrale Nervensystem, sprechen Fachleute von einer Neurosyphilis (von neuro = die Nerven betreffend). Dies kann im ersten Jahr der Infektion während der Frühsyphilis oder später während der Spätsyphilis geschehen. Bei etwa jeder zweiten erkrankten Person treten keine erkennbaren Symptome auf. Typischerweise sind bei der frühen Neurosyphilis die Augen (Sehverminderung), die Ohren (Taubheit) oder die Hirnhäute betroffen. Bei einer unbehandelten späten Neurosyphilis kann sich nach Jahren die sogenannte parenchymatöse Form der Syphilis entwickeln, die das Hirngewebe angreift. Mögliche Symptome sind unter anderem
- Gedächtnisverlust,
- Kopfschmerzen,
- Schlaflosigkeit,
- Ausfälle der Gesichts-Muskulatur,
- Lähmungserscheinungen,
- Wahrnehmungsstörungen oder
Nach 25 bis 30 Jahren kann sich eine sogenannte Tabes dorsalis entwickeln. In diesem Endstadium werden Nervenscheiden, Nervenwurzeln und Nervenknoten zerstört, was sich unter anderem durch ein gestörtes Schmerz- und Temperaturempfinden sowie gestörtem Gangbild bemerkbar macht. Als Komplikation kann ein Geschwür an Druckstellen des Fusses (Malum perforans pedis) auftreten.
Symptome der angeborenen Syphilis
Im Stadium der Frühsyphilis können infizierte Frauen den Erreger während einer Schwangerschaft oder bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Es ist deshalb wichtig, Frauen die schwanger werden wollen auf Syphilis zu testen. Bei dieser konnatalen Syphilis steigt das Risiko einer Früh- oder Totgeburt deutlich an. Das Risiko, dass das Neugeborene tot zur Welt kommt, liegt ohne Behandlung bei 30 bis 40 Prozent. Bei vielen infizierten Neugeborenen treten zunächst keine Symptome auf. Nur in seltenen Fällen kommt es unmittelbar nach der Geburt zu Beschwerden wie Atemproblemen oder Wassereinlagerungen (Ödemen). In den ersten zwei Lebensjahren können weitere Symptome dazukommen. Hierzu zählen beispielsweise Fieber, Schnupfen, verminderte Trinkleistung, Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen, Vergrösserung von Leber und Milz oder Darmentzündungen. Wird eine kindliche Syphilis nicht behandelt, kann dies verschiedene Körperbereiche wie das zentrale Nervensystem, die Augen, Ohren, Haut- und Schleimhäute, Knochen, Zähne oder die Schienbeine schädigen.
Daher wird schwangeren Frauen empfohlen, frühzeitig einen Syphilis-Test im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.
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Diagnose von Syphilis
Die Syphilis-Diagnostik wird am USZ seit vielen Jahren durchgeführt. Rund jeder zehnte Fall in der Schweiz wird im akkreditierten Labor der Dermatologischen Klinik nachgewiesen. Besteht der Verdacht auf eine Syphilis, können wir den Erreger direkt nachweisen. Dazu entnehmen wir eine Probe von einer nässenden Hautveränderung. Aus dem Sekret wird anschliessend mit einem bei uns entwickelten molekularbiologischen Test die DNA der Bakterien nachgewiesen. Eine weitere Diagnose-Möglichkeit liefert ein Bluttest (Serologie), der bei uns sehr häufig durchgeführt wird. Lassen sich Antikörper gegen den Erreger nachweisen, ist dies ein Hinweis auf eine Infektion. Nach einer Ansteckung mit Syphilis kann es im Extremfall bis zu drei Monate dauern, bis die Serologie im Blut positiv wird. Bei anhaltendem klinischen Verdacht muss deshalb die Serologie nach circa einem Monat wiederholt werden, wenn diese zunächst negativ ausgefallen ist.
Besteht der Verdacht, dass die Bakterien bereits das zentrale Nervensystem befallen haben (Neurosyphilis), können wir eine Liquorpunktion vornehmen. Hierbei wird eine kleine Menge Hirnwasser aus dem Rückenmark entnommen und anschliessend untersucht.
Syphilis: Schutz und Früherkennung
Eine Impfung, mit der Sie einer Syphilis vorbeugen können, besteht derzeit nicht. Allerdings können Sie das Risiko einer Infektion für sich und andere deutlich minimieren. Die wichtigste Maßnahme lautet: „Safer Sex“. Kondome bieten einen gewissen, aber auch nicht vollumfänglichen Schutz, insbesondere beim Vaginal- oder Analverkehr mit häufig wechselnden Sexualpartnern.
Auch ohne Geschlechtsverkehr kann Syphilis übertragen werden – etwa von einer infizierten Mutter auf das ungeborene Kind. Eine rechtzeitige Syphilis-Diagnose in der Schwangerschaft ist deshalb entscheidend. Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge werden entsprechende Syphilis-Tests (Screening-Untersuchungen) empfohlen. Lässt sich eine Syphilis-Infektion nachweisen, sollten Sie umgehend mit einem Antibiotikum behandelt werden, um das Risiko der Übertragung auf Ihr Kind zu minimieren.
Verlauf und Prognose bei Syphilis
Der Krankheitsverlauf hängt stark vom Erkrankungsstadium ab. In frühen Stadien wie der Primär- oder Sekundärsyphilis kann die Infektion auch ohne Therapie in Einzelfällen ausheilen. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, lässt sich Syphilis hervorragend behandeln.
Allerdings kann die Erkrankung mitunter auch nach jahrelanger Beschwerde Freiheit (latente Syphilis) erneut auftreten. Mögliche Folgen sind schwere Nervenstörungen, Herz- und Knochenveränderungen sowie ein Befall innerer Organe.
Wird die Syphilis erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt und behandelt, wirkt sich dies negativ auf die Prognose aus. Durch etwaige Spätschäden wie Lähmungen können Betroffene lebenslang pflegebedürftig werden.
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist Syphilis jedoch heilbar – und Verlauf und Prognose als gut einzuschätzen.
Behandlung von Syphilis
Bei Syphilis ist eine Behandlung mit dem Antibiotikum Penicillin (Benzathin-Benzylpenicillin) das Mittel der Wahl, welches in der Regel als Injektion in den Gesässmuskel verabreicht wird. Die Dauer der Therapie hängt dabei vom Stadium der Erkrankung und eventuellen Begleiterkrankungen ab. Bei Beteiligung des Nervensystems, der Augen oder Ohren erfolgt die Verabreichung von Penicillin als Infusion.