Ein Cochlea-Implantat macht Hören möglich, wenn alle anderen Mittel versagen. Am Universitätsspital Zürich wurde im Oktober das 2'000. Cochlea-Implantat eingesetzt. Die 55-jährige Corina Schleuniger kann damit nach ihrem völligen Hörverlust wieder hören.
Cochlea-Implantate (CI) sind vor allem als Hörhilfe für gehörlos geborene Kinder etabliert. Aber auch spätertaubte Menschen können mit einem Cochlea-Implantat ihre Hörfähigkeit wieder verbessern. Im spezialisierten Cochlea-Implantat-Zentrum am Universitätsspital Zürich erhielt die 55-jährige Corina Schleuniger Anfang Oktober das 2’000. am USZ implantierte CI.
Gut hören im Alter schützt vor Einsamkeit und geistigem Abbau
„Für die Teilnahme am sozialen Leben ist gutes Hören auch im Alter zentral“, so Alex Huber, Direktor der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie und Leiter des Cochlea-Implantat-Zentrums am USZ. „Wenn Gespräche, Radio hören und telefonieren nicht mehr möglich sind, droht die soziale Isolation. Der fehlende Austausch und die fehlende Anregung trüben jedoch nicht nur die Lebensfreude; sie können auch eine Demenz schneller voranschreiten lassen und dadurch zu einem verfrühten Verlust der Selbstständigkeit führen.“ Immer mehr ältere Frauen und Männer entscheiden sich deshalb für ein Cochlea-Implantat, wenn das Hörgerät nicht mehr ausreicht. «Für ein Cochlea-Implantat gibt es keine Altersbeschränkung», so Alex Huber. „Weil das Hören mit dem CI nicht direkt mit dem natürlichen Hören vergleichbar ist, müssen CI-Trägerinnen und -Träger jedoch das Hören damit lernen und immer wieder trainieren.“
Das Cochlea-Implantat als Chance nach Hörverlust
So ging es auch Corina Schleuniger. Die freischaffende Künstlerin lebt seit ihrer Geburt mit einer Hörbeeinträchtigung. Mit Hörgeräten und Lippenlesen erlebte sie jedoch kaum Einschränkungen im Alltag. Auf einem Ohr nahezu taub, war ihre Hörfähigkeit jedoch nach einem Hörsturz im Ohr mit dem noch besseren Hörvermögen schlagartig erloschen. „Ich bin gerne aktiv und unter Menschen. Aber ich zog mich immer mehr zurück. Gespräche waren nicht mehr möglich. Wenn im Zug alle aufsprangen, konnte ich nur vermuten, dass es eine wichtige Durchsage gab.“ Schon nach kurzer Zeit war für sie klar, dass sie die Chance, mit einem Cochlea-Implantat wieder hören zu können, nutzen wollte.
Es braucht Geduld beim wieder hören lernen
Vor einem halben Jahr wurde Corina Schleuniger am USZ das erste Implantat eingesetzt, das 2000. USZ-Implantat war nun ihr zweites. Beide Male war sie schon kurz nach dem Eingriff wieder mobil und konnte am dritten Tag das Spital verlassen. „Für das Hören lernen mit dem CI braucht schon etwas Geduld“, so Corina Schleuniger. Im Alltag kann sie mit dem früher erlernten Lippenlesen die Hörlücke überbrücken. „Im Hörtraining darf ich aber natürlich nicht Lippenlesen und dann ist es schon anstrengend. Ich musste aber vor allem meine Erwartungen an mich selbst und meine Ungeduld an meine Fortschritte anpassen.“ Geholfen hat ihr dabei, dass sie sich vor ihrem Entscheid für das Cochlea-Implantat mit CI-Trägerinnen und -Trägern über deren Erfahrungen austauschen konnte. Vermittelt wurden diese Kontakte über das CI-Zentrum des USZ und über die Patientenorganisation Pro Audito Schweiz.
Wieder Freude an Gästen und Gesprächen
„Ich war schon nach dem ersten Implantat trotz der Anstrengungen begeistert. Wegen meines Hörverlustes hatte ich kaum mehr am sozialen Leben teilgenommen. Bei Gesprächen am Tisch dabei und doch ausgeschlossen zu sein, war sehr belastend für mich. Jetzt lade ich gerne wieder Gäste ein, kann mich an Gesprächen beteiligen. Auch meinem Umfeld ist diese Veränderung positiv aufgefallen.“ Kann sie sich noch erinnern, welche Laute sie zuerst wieder zuordnen konnte? „Ja, natürlich. Und das war lustigerweise nichts Lautes. Es war Vogelgezwitscher. Und es war überwältigend.“