Frau hält sich linke Hand auf Brustbereich

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6 Fragen an Prof. Carolin Lerchenmüller zur Frauen Herzsprechstunde

Immer mehr Studien zeigen: Frauen und Männer werden anders krank. Und sie sprechen anders auf Behandlungen an. In der Frauen-Herzsprechstunde am USZ geht Prof. Carolin Lerchenmüller diesen Unterschieden nach – und macht sie für Patientinnen und Patienten nutzbar.

Was meinen Sie mit Gendermedizin – und wozu braucht es sie?

Gendermedizin schaut genau hin: Sie bezieht das biologische Geschlecht (sex) und das soziokulturelle Geschlecht (gender) in die Medizin ein. Beide beeinflussen Gesundheit und Krankheit, beide prägen die Symptome und den Erfolg von Therapien massgeblich.

Im Zusammenhang mit der Behandlung wollen wir alle als Individuum persönlich und individuell betreut werden. Das Geschlecht spielt dabei eine wichtige Rolle. Es bringt uns einen Schritt näher an die präzise Medizin.

Bei welchen Herzerkrankungen spielt das Geschlecht eine Rolle?

In der Kardiologie sehen wir bei vielen Krankheitsbildern Unterschiede, beispielsweise bei Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Erkrankungen der Herzkrankgefässe. Ein sehr anschauliches Beispiel ist der Herzinfarkt: Viele verbinden einen Herzinfarkt mit einem starken Druck oder Schmerz in der Brust, der in den linken Arm ausstrahlt. Dieses Bild stimmt – wir sehen es bei Männern ebenso wie bei Frauen. Aber es steckt eben mehr dahinter.

Wie unterscheiden sich Herzinfarktsymptome bei Frauen und Männern?

Bei Frauen treten häufiger zusätzliche Beschwerden auf. Dazu gehören Schmerzen im Oberbauch, im Kiefer oder im Nacken, aber auch Übelkeit, starke Müdigkeit oder eine ungewöhnliche Erschöpfung. Diese Zeichen wirken weniger eindeutig. Betroffene – und manchmal auch Fachpersonen – ordnen sie deshalb falsch ein. So geht Zeit verloren, die gerade bei Herzerkrankungen sehr wertvoll sein kann.

Gibt es Unterschiede in der Therapie?

Ja. Das hat auch einen einfachen Grund: Bis vor wenigen Jahren wurden Herz-Studien vor allem mit männlichen Teilnehmern durchgeführt. Es ist nicht erstaunlich, dass viele Medikamente sich daher an den „durchschnittlichen“ Mann richteten.

Wir sehen aber, dass einige Herzmedikamente bei Frauen anders wirken. Ein Beispiel sind Blutdrucksenker. Frauen sprechen oft schon bei einer geringeren Dosis gut darauf an. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die volle „Standarddosis“ bei Frauen mehr Nebenwirkungen auslösen kann. In der Frauen-Herzsprechstunde achten wir daher genau auf Dosierung, Wirkung und Verträglichkeit der Medikamente und Therapien.

Welchen Vorteil haben Patientinnen in der Frauen-Herzsprechstunde am USZ?

Frauen sind in der Herzmedizin bis heute weniger gut erforscht. Mit der Frauen-Herzsprechstunde und dem Frauenherzgesundheitsprogramm wollen wir diese Lücke schliessen.

Wir nehmen uns Zeit für eine sorgfältige Anamnese. Wir sprechen über Beschwerden, Risikofaktoren und Lebensumstände. Wir berücksichtigen das Geschlecht bei der Diagnostik und der Therapie. So bieten wir Frauen eine Betreuung, die ihre spezifischen Bedürfnisse ernst nimmt – und ihr Herz langfristig schützt.

Wie erhalte ich als Patientin Zugang zu den speziellen Angeboten?

Wer sich für die Spezialsprechstunde interessiert, kann sich direkt über die USZ-Website dafür anmelden. Ansonsten auch indirekt als Zuweisung über die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.

Zur Sprechstunde

Verantwortliche Fachpersonen

Carolin Lerchenmüller, Prof. Dr. med.

Oberärztin, Klinik für Kardiologie

Tel. +41 43 253 27 82
Spezialgebiete: Gendermedizin, Präventive Kardiologie, Herzinsuffizienz

Corinna Isabel Beatrice Brunckhorst, Prof. Dr. med.

Leitende Ärztin, Klinik für Kardiologie

Tel. +41 44 255 20 99
Spezialgebiete: Elektrophysiologie, Katheterablation, Device Therapie

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