Das Hirntumorzentrum des Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ) verfolgt das Ziel, durch innovative Forschung die Therapiemöglichkeiten für Patienten und Patientinnen mit primären Tumoren und Metastasen des Zentralnervensystems zu verbessern.
Am CCCZ Hirntumorzentrum werden innovative Medizin und Forschung vereint. Sowohl an der Diagnostik – Neuropathologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin – als auch an der Behandlung – Neurochirurgie, Radio-Onkologie, Neurologie, Medizinische Onkologie – von Hirntumorerkrankungen sind zahlreiche Fachdisziplinen des CCCZ beteiligt. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine Behandlung aus einer Hand mit dem Anspruch, die bestmögliche, fortschrittliche Therapie individuell für jede Patientin und jeden Patienten anzubieten.
Welche Ansätze verfolgt das CCCZ bei der Erforschung von primären Hirntumoren?
Prof. Dr. med. Michael Weller: Unser Zentrum beteiligt sich aktiv an grossen internationalen Studien, vor allen Dingen der „European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC)“, und übernimmt dort oft eine koordinierende Rolle. Patienten und Patientinnen erhalten so Zugang zu neuen, innovativen Therapien.
Im Rahmen der US-amerikanischen AGILE-Studie werden mehrere in der Erprobung befindliche Behandlungen für neu diagnostizierte oder rezidivierte Hirntumoren (Glioblastome) geprüft. Ziel ist es zu klären, ob eines dieser Prüfpräparate das Gesamtüberleben im Vergleich zu den Standardtherapien verbessert.
In Kooperation mit der ETH haben wir eine Methode (genannt Pharmakoskopie) für die direkte Testung verschiedener Medikamente in operativ gewonnenem Hirntumorgewebe entwickelt. Mittels dieser Technik haben wir eine Gruppe von Antidepressiva entdeckt, die möglicherweise das Wachstum von Glioblastomen hemmen kann. Der vielversprechendste Kandidat, Vortioxetin, wird jetzt in der klinischen Studie ReVoGlio auf Wirksamkeit an Patienten und Patientinnen getestet. Eine weitere Studie, EViDENCE BT, untersucht direkt, ob es gelingt, mit Medikamenten, die basierend auf der Pharmakoskopie ausgewählt werden, sonst nicht behandelbare Tumoren individualisiert zu behandeln (Koordination: Prof. Dr. M. Weller, Neurologie).
Grosses Potenzial besteht auch in einer schnelleren und präziseren Diagnostik. Kürzlich wurde in der Klinik für Neurologie am USZ, ebenfalls in Kooperation mit der ETH, eine innovative Methode entwickelt, um mithilfe von Blutproben und extrazellulären Vesikeln Gehirntumoren frühzeitig zu erkennen und besser zu überwachen.
Das CCCZ Leuchtturmprojekt IMMUNO-CAR ZURICH (Koordination: Prof. Dr. Chiara Magnani, Medizinische Onkologie und Hämatologie) entwickelt innovative Technologieplattformen für die Herstellung von Chimeric Antigen Receptor (CAR)-Immunzellen. Dabei handelt es sich um Zellen des körpereigenen Immunsystems, die so modifiziert werden, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und zerstören können. Diese sollen im Rahmen einer Phase-1-Studie bei Patienten und Patientinnen mit therapieresistentem Glioblastom getestet werden (Koordination: PD Dr. Tobias Weiss, Neurologie).
Metastasen – wenn sich der Krebs im Körper ausbreitet
Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen und sich in anderen Organen oder Körperregionen ausbreiten. Dies geschieht über das Blut- oder Lymphsystem. Dort können sie neue Tumoren bilden, die oft schwerer zu behandeln sind als der Primärtumor. Besonders häufig betroffen von Metastasen sind Lunge, Leber, Knochen und das Gehirn. Etwa 3 von 10 Patienten und Patientinnen, deren Krebs zu Metastasen führt, sind von Metastasen des Nervensystems betroffen. Diese treten vor allem bei Lungenkrebs, Brustkrebs und Melanom auf.
Die Behandlung von Hirnmetastasen stellt eine grosse Herausforderung dar. Oft ist die Strahlentherapie die wichtigste Therapieoption, weil sie Tumorgewebe gezielt zerstören kann. Der beste Zeitpunkt für die Bestrahlung bleibt jedoch umstritten.
STRIKE-Studie – der beste Zeitpunkt für die Bestrahlung von Hirnmetastasen
Um diese Wissenslücken zu schliessen, erforscht ein interdisziplinäres Team im Rahmen der am CCCZ gemeinsam mit der Studiengruppe ETOP entwickelten STRIKE-Studie, wann der beste Zeitpunkt für eine Bestrahlung von Hirnmetastasen ist. Untersucht wird, ob bei Patienten und Patientinnen mit Melanom oder Lungenkrebs eine frühzeitige Bestrahlung (in Kombination mit einer medikamentösen Therapie) langfristig zu einer besseren Kontrolle der Hirnmetastasen führt als eine Bestrahlung erst dann, wenn die medikamentöse Therapie versagt. Die Studie untersucht auch, zu welchem Zeitpunkt stärkere Nebenwirkungen der Bestrahlung auftreten.
Mehr Infos und Anmeldemöglichkeiten zur STRIKE-StudieEin Leuchtturmprojekt des CCCZ setzt sich zum Ziel, neue Behandlungskonzepte für Patienten und Patientinnen mit Hirnmetastasen zu entwickeln. Im Projekt PROMIS (Präzisionsonkologie zur Verbesserung der Überlebenschancen von Krebspatienten und -patientinnen mit ZNS-Metastasen, Koordination: PD Dr. Emilie Le Rhun, Medizinische Onkologie und Hämatologie) werden mithilfe modernster molekularer Analysen Schwachstellen von Hirnmetastasen aufgedeckt und die Wechselwirkung mit dem Gehirngewebe genauer untersucht.
Im Jahr 2024 wurde eine wichtige klinische Phase-1-Studie, IT-IO, abgeschlossen, in der bei Patienten und Patientinnen mit diffuser Ausbreitung von Tumorzellen im Zentralnervensystem eine kombinierte Immuntherapie direkt in den das Nervensystem umgebenden Flüssigkeitsraum verabreicht wurde.
Auch bei Patienten und Patientinnen mit Hirnmetastasen wird in einer Zusammenarbeit mehrerer Kliniken des USZ die Pharmakoskopie als Methode der Therapieauswahl geprüft: EViDENCE BM.
Hirntumorzentrum
Das Hirntumorzentrum ist eines von 17 Organzentren des Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ), in denen sich zahlreiche Kliniken und Fachbereiche zusammenschliessen und interdisziplinär arbeiten. So wird das Wissen aller Expertinnen und Experten für die verschiedenen soliden und hämatologischen Krebserkrankungen gebündelt. Dies ermöglicht eine ganzheitliche medizinische Betreuung aus einer Hand, die auf die individuellen Bedürfnisse von an Krebs erkrankten Menschen zugeschnitten ist.