Symbolbild Adipositas

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Gesundheit statt Gewichtsverlust: Neue Schweizer Leitlinien für Adipositas

Lange galt Gewichtsverlust als wichtigstes Ziel der Adipositas-Behandlung. Die neuen Schweizer Leitlinien setzen nun andere Prioritäten: Im Mittelpunkt stehen Gesundheit, Lebensqualität und die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen. Die Empfehlungen für die Behandlung von Adipositas und Übergewicht wurden massgeblich durch Fachleute des Universitätsspitals Zürich mitentwickelt.

Rund 43 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen. In den neuen Schweizer Leitlinien wird Adipositas als chronische, komplexe Erkrankung anerkannt und nicht als Folge mangelnder Disziplin oder falscher Lebensstilentscheidungen. „Die Richtlinien fordern explizit einen empathischen, nicht-stigmatisierenden Ansatz“, betont Erstautor Prof. Dr. Philipp Gerber aus der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung. Dieser sei wichtig für den Therapieerfolg, ergänzt Dr. Patrick Pasi, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, der ebenfalls an den neuen Empfehlungen mitgearbeitet hat: „Der Abbau von Vorurteilen gegenüber übergewichtigen Menschen ist essenziell, um das Vertrauen in die Behandlung zu stärken und die Versorgungsqualität zu verbessern.“

Individuelle Beurteilung statt ausschliesslich BMI 

Für die Diagnose bleibt der Body-Mass-Index (BMI) wichtig. Die Leitlinien empfehlen jedoch, zusätzlich den Taillenumfang und die Körperzusammensetzung zu berücksichtigen, da der BMI allein das Gesundheitsrisiko nicht ausreichend widerspiegelt. Auch Begleiterkrankungen, die psychische Gesundheit, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität sollen systematisch erfasst werden. Der reine Gewichtsverlust ist nicht mehr zentral. Der Fokus liegt in der Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsparameter und der Reduktion von Begleiterkrankungen. Betroffene sollen im Alltag wieder leistungsfähiger und beweglicher werden. Die Leitlinien betonen zudem die Notwendigkeit einer individualisierten Betreuung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise ältere Erwachsene, Kinder oder Schwangere. 

Früherkennung und richtige Behandlung 

Hausärztinnen und Hausärzte spielen eine wichtige Rolle bei der Früherkennung, Behandlung und langfristigen Begleitung von Menschen mit Adipositas. Bei schwerer Form wird eine Überweisung an spezialisierte Adipositas-Zentren empfohlen. Grundlage jeder Therapie sind Lebensstilveränderungen: eine ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, genug Schlaf sowie verhaltenstherapeutische Unterstützung. Reichen diese Massnahmen nicht aus, können moderne Medikamente (Bsp. „Abnehmspritze“) eingesetzt werden. Bei therapieresistenter Adipositas kommen zudem Eingriffe wie Magenbypass oder Schlauchmagen-Operationen infrage. 

Zu den Leitlinien für Adipositas

Verantwortliche Fachpersonen

Philipp Gerber, Prof. Dr. med.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung

Tel. +41 44 255 36 20
Spezialgebiete: Übergewicht und Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Klinische Ernährung

Patrick Pasi, Dr. med.

Leitender Oberarzt, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Tel. +41 44 255 52 80
Spezialgebiete: Ernährungspsychiatrie und -psychotherapie (Essstörungen und Adipositas, inkl. Bariatrie): stationär, ambulant, konsiliarisch (interdisziplinär), inkl. Forschung

Kontakt

Philipp Gerber