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Neue Schweizer Leitlinien für Adipositas: Gesundheit statt nur Gewichtsverlust

Die kürzlich publizierten "Swiss Obesity Clinical Practice Guidelines" schaffen einen strukturierten, multidisziplinären Rahmen für medizinische Fachpersonen. Sie bilden das neue Fundament für die Behandlung von Adipositas. Geprägt wurden die neuen Richtlinien massgeblich durch das USZ.

„Ein zentraler Nutzen der Richtlinien ist der explizit geforderte empathische, nicht-stigmatisierende Ansatz“, erklärt Erstautor Prof. Dr. Philipp Gerber aus der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung. Zusammen mit nationalen Fachgesellschaften und Dr. Patrick Pasi, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, sowie weiteren Autoren, hat Gerber die Leitlinien ausgearbeitet. Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen steht nicht mehr der reine Gewichtsverlust im Zentrum, sondern die Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsparameter, die Reduktion von Begleiterkrankungen sowie der funktionelle Zugewinn für die Betroffenen. „Der Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen mit Übergewicht ist essenziell, um das Vertrauen in die Behandlung zu stärken und die Versorgungsqualität zu verbessern“, begründen die Autoren die Anpassung. Die Leitlinien betonen die Notwendigkeit einer individualisierten Betreuung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise ältere Erwachsene, bei denen der Erhalt von Muskelmasse und Knochengesundheit priorisiert wird.

Stufenmodell und moderne Therapien

Die Leitlinien empfehlen ein abgestuftes Versorgungsmodell: Hausärztinnen und Hausärzte spielen beim Screening und im Rahmen der Basisversorgung eine zentrale Rolle, während Patientinnen und Patienten mit einem BMI ab 35 kg/m² oder schweren Komplikationen an spezialisierte Zentren überwiesen werden sollten. Für eine genauere Risikostratifizierung wird anstelle einer reinen BMI-Fokussierung ausserdem die Integration von Taillenumfang und Körperzusammensetzungsanalysen empfohlen.
Die Basis jeder Behandlung bilden eine multimodale Lebensstilintervention, die Nährstoffdichte (z. B. mediterrane Ernährung), Bewegung (150–300 Minuten pro Woche) und verhaltenstherapeutische Ansätze. Reichen diese Massnahmen nicht aus, kommen moderne medikamentöse Therapien zum Einsatz, zum Beispiel inkretinbasierte GLP-1- respektive duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten oder bariatrisch-metabolische Eingriffe.

Zu den Leitlinien für Adipositas

Verantwortliche Fachpersonen

Philipp Gerber, Prof. Dr. med.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung

Tel. +41 44 255 36 20
Spezialgebiete: Übergewicht und Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Klinische Ernährung

Patrick Pasi, Dr. med.

Leitender Oberarzt, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Tel. +41 44 255 52 80
Spezialgebiete: Ernährungspsychiatrie und -psychotherapie (Essstörungen und Adipositas, inkl. Bariatrie): stationär, ambulant, konsiliarisch (interdisziplinär), inkl. Forschung

Kontakt

Philipp Gerber