Smartwatches und Smartphones messen heute weit mehr als Schritte und Kalorien. Sie können Herzrhythmusstörungen erkennen, Hinweise auf erhöhte Risiken liefern und Nutzerinnen und Nutzer zu einem gesünderen Lebensstil motivieren. Doch wie verlässlich sind die Daten und wo liegen ihre Grenzen?
Moderne Wearables haben sich in wenigen Jahren von Fitness-Gadgets zu Gesundheitsbegleitern entwickelt. Sie überwachen den Puls rund um die Uhr, erstellen Herzfrequenzprofile und können bei vielen Modellen sogar ein EKG aufzeichnen. Besonders im Fokus steht das Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Studien zeigen, dass Smartwatches diese Erkrankung mit hoher Genauigkeit erkennen können, insbesondere wenn die Analyse von Pulsschwankungen mit einer EKG-Funktion kombiniert wird.
„Wearables können wertvolle Hinweise auf Herzrhythmusstörungen liefern. Die definitive Diagnose von Vorhofflimmern erfolgt jedoch immer im medizinischen Kontext und darf nicht allein auf einer Smartwatch-Messung beruhen.“
Trotz der guten Trefferquote gilt: Eine Warnmeldung auf der Uhr ist noch keine Diagnose. Bewegungen, technische Artefakte oder andere Herzrhythmusstörungen können ebenfalls auffällige Messwerte verursachen. Deshalb sollten entsprechende Hinweise immer ärztlich abgeklärt werden. Wearables können somit ein wertvolles Instrument zur Früherkennung sein, ersetzen aber keine medizinische Untersuchung oder ein professionelles EKG.
Mehr als Herzrhythmus: Potenzial für die Prävention
Die Entwicklung der Geräte schreitet rasant voran. Neben Herzrhythmus und Puls erfassen moderne Wearables heute zahlreiche weitere Gesundheitsdaten, darunter körperliche Aktivität, Schlafmuster und bei einigen Modellen sogar den Blutdruck. Damit können sie Menschen dazu motivieren, sich mehr zu bewegen, regelmässiger zu schlafen oder gesundheitliche Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.
„Die grosse Stärke von Wearables liegt darin, Menschen für ihre Gesundheit zu sensibilisieren. Wirklich wirksam werden die Daten aber erst dann, wenn sie in die persönliche medizinische Betreuung eingebunden werden“, so Brunckhorst.
Gerade diese Verhaltensänderungen könnten langfristig einen wichtigen Beitrag zur Herzgesundheit leisten. Gleichzeitig hoffen Forschende, dass Wearables helfen können, bislang unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen früher zu entdecken. Noch ist jedoch nicht abschliessend geklärt, ob ein breites Screening mit Smartwatches tatsächlich zu weniger Schlaganfällen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Fachgesellschaften betonen daher, dass auffällige Befunde stets in eine strukturierte ärztliche Betreuung eingebunden werden sollten. Entscheidend ist nicht allein das Sammeln von Daten, sondern ihre richtige Interpretation und Nutzung.
Wenn Gesundheitsdaten zum Stressfaktor werden
So nützlich digitale Gesundheitshelfer sein können, sie bergen auch Risiken. Manche Nutzerinnen und Nutzer kontrollieren ihre Werte mehrmals täglich und reagieren verunsichert auf kleinste Abweichungen. Aus dem Wunsch nach Kontrolle kann so zusätzlicher Stress entstehen.
„Gesundheitsdaten sollen Orientierung geben, nicht Angst machen. Wichtig ist, Messwerte im richtigen Kontext zu betrachten und sich nicht von einzelnen Ausschlägen verunsichern zu lassen“, betont Brunckhorst. Die Expertin warnt zudem vor sogenannten Überdiagnosen. Dabei werden Auffälligkeiten entdeckt, die möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätten oder keinen nachweisbaren gesundheitlichen Schaden bewirken. Die Folge können weitere Untersuchungen, unnötige Sorgen oder sogar Behandlungen sein, ohne dass ein klarer gesundheitlicher Nutzen entsteht.
Wearables sollten deshalb als Unterstützung verstanden werden, nicht als permanenter Gesundheitsmonitor, der jede Entscheidung bestimmt. Für die Herzgesundheit bleiben die klassischen Faktoren weiterhin entscheidend: regelmässige Bewegung, eine ausgewogene, gesunde Ernährung, Nichtrauchen, die Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung bekannter Risikofaktoren. Die Smartwatch kann dabei helfen, diese Ziele im Blick zu behalten, sie kann sie aber nicht ersetzen.
Unkomplizierter Zugang zur spezialisierten Diagnostik
Viele Menschen erleben plötzliches Herzstolpern, Herzrasen oder ein unangenehmes Gefühl von unregelmässigem Herzschlag. Diese Symptome können harmlos sein – sie können aber auch auf eine behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung hinweisen. Die Walk-in Klinik der Rhythmologie am Universitätsspital Zürich bietet Patientinnen und Patienten eine direkte und unkomplizierte Abklärung, ohne Terminvereinbarung.