Dialyseshunt

Für die lebensnotwendige Hämodialyse (Blutwäsche) wird ein leistungsfähiger Gefässzugang benötigt. In der Dialysezugangs-Chirurgie wird dafür ein Dialyseshunt angelegt, der den erforderlichen hohen Blutfluss für die Blutwäsche ermöglicht.

Was ist ein Dialyseshunt?

Ein Dialyseshunt ist eine operativ geschaffene Verbindung zwischen einer Schlagader (Arterie) und einer Vene. Über diese Verbindung fliesst ausreichend Blut, um die Hämodialyse durchführen zu können. Bei den operativ angelegten Dialyseshunts unterscheidet man zwei Arten: Die direkte Verbindung zwischen Arterie und Vene (nativer Shunt) und die Verbindung über eine Kunststoff-Prothese (siehe Abbildung).

Eine neu angelegte AV-Fistel benötigt Zeit, um zu reifen, in der Regel mindestens 4-6 Wochen; ein Prothesenshunt muss zunächst einheilen (mindestens 14 Tage). Je nach Art des Zugangs und der individuellen Situation sollte die Operation deshalb frühzeitig geplant und möglichst mehrere Monate vor dem voraussichtlichen Beginn der Dialyse durchgeführt werden. Den geeigneten Operationszeitpunkt legt das Behandlungsteam abhängig von der Zugangsart, den Gefässverhältnissen und der individuellen Situation fest.

Illustration von einem nativen und Prothese-Shunt

AV-Fistel (nativer Shunt): Dialyseshunt aus körpereigenen Gefässen

Die AV Fistel (Arteriovenöse Fistel) ist eine chirurgisch geschaffene Kurzschlussverbindung zwischen Arterie und Vene. Dabei wird kein künstliches Gefässmaterial eingesetzt. Nach der Operation passt sich die Vene an den erhöhten Blutfluss und -Druck an: Sie wird weiter und ihre Gefässwand

Prothesenshunt: Dialyseshunt mit Kunststoffprothese

Bei ungünstigen und nicht geeigneten Venenverhältnissen setzt man eine Kunststoff-Prothese als Verbindung zwischen Arterie und Vene ein. Sie bildet ein künstliches Gefässstück unter der Haut, das bei der Hämodialyse punktiert werden kann. Ein Prothesenshunt kann in der Regel früher als eine AV-Fistel genutzt werden, häufig nach etwa zwei Wochen. Der genaue Zeitpunkt hängt von der verwendeten Prothese, der Wundheilung und der ärztlichen Beurteilung ab.

Dialyseshunt oder Dialysekatheter: Was ist der Unterschied?

Ein Dialyseshunt ist ein operativ angelegter Gefässzugang, der für eine längerfristige Hämodialyse vorgesehen ist. Ein Dialysekatheter wird dagegen in eine grosse Vene, meist am Hals, eingeführt und kann in der Regel sofort genutzt werden. Er kommt insbesondere zum Einsatz, wenn die Dialyse dringend beginnen muss, der Dialyseshunt noch nicht ausgereift ist oder keine geeigneten Gefässe für eine Shuntanlage vorhanden sind. Da Dialysekatheter ein höheres Infektions- und Thromboserisiko aufweisen, wird für die langfristige Behandlung nach Möglichkeit ein Dialyseshunt angestrebt.

Dialyseshunt anlegen: Ablauf der Operation

Vorbereitung auf die Shuntanlage

Wenn Ihre Nephrologin oder Ihr Nephrologe festgestellt hat, dass eine Hämodialyse notwendig werden könnte, werden Ihre Gefässe in einem ambulanten Erstgespräch sorgfältig untersucht. Neben der klinischen Untersuchung kommt in der Regel eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz, mit der sich die Arterien und Venen beurteilen lassen. Anschliessend wird gemeinsam mit Ihnen festgelegt, welcher Dialysezugang für Ihre individuelle Situation am besten geeignet ist.

Sobald die Gefässe für die geplante Shuntanlage bestimmt wurden, sollten an diesem Arm keine Blutentnahmen und venösen Zugänge mehr erfolgen. Dadurch werden Verletzungen der Gefässwand vermieden und die Gefässe für die Operation geschützt.

Bereits circa zwölf Wochen vor der Operation sollte nach Anleitung des Behandlungsteams das Dialyseshunt-Training beginnen. Dabei werden beispielsweise durch wiederholtes Zusammendrücken eines weichen Balls die Gefässe und die Durchblutung des Arms trainiert. Nach der Operation kann das Training die Reifung des Dialyseshunts unterstützen. Wann und in welcher Form die Übungen durchgeführt werden sollen, legt das Behandlungsteam individuell fest.

Die Übungen:

Das Shunt-Training sollte in der Regel zweimal täglich (morgens und abends) durchgeführt werden, die Übungsdauer beträgt insgesamt ca.10 Minuten:

  • 10-mal wird der Gummiball bzw. Schaumstoffball in der Hand zusammengedrückt und wieder losgelassen (1 bis 2 Sekunden pro Faustschluss),
  • 1 Minute Pause (Stauung belassen),
  • 10-mal Faustschluss mit Gummiball bzw. Schaumstoffball,
  • 1 Minute Pause (Stauung belassen),
  • 10-mal Faustschluss mit Gummiball bzw. Schaumstoffball,
  • 2 Minuten Pause (Stauung belassen),
  • Den Übungssatz ein weiteres Mal wiederholen.

Dialyseshunt-Operation

Dabei verbindet die Gefässchirurgin oder der Gefässchirurg eine Arterie direkt mit einer Vene oder setzt bei ungeeigneten körpereigenen Gefässen eine Kunststoffprothese als Verbindung ein. Anschliessend wird klinisch sowie sonographisch kontrolliert, ob der Dialyseshunt ausreichend durchblutet ist.

Je nach Art und Lage des Dialyseshunts, der Komplexität des Eingriffs und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand kann die Operation ambulant oder mit einem kurzen stationären Aufenthalt erfolgen. In den meisten Fällen genügt eine örtliche oder regionale Betäubung, beispielsweise eine Plexusanästhesie des Arms. Ob eine andere Form der Anästhesie notwendig ist, wird individuell beurteilt. Auch die Dauer der Operation richtet sich nach der Art und Lage des geplanten Dialysezugangs.

Nachsorge und Pflege des Dialyseshunts

Nach der Operation folgen Nachsorgetermine. Dabei werden die Wundheilung, die Durchblutung der Hand und die Funktion des Dialyseshunts kontrolliert. Bei Bedarf erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung. Ihre Nephrologin oder Ihr Nephrologe und das Behandlungsteam unterstützen Sie bei der Weiterführung des Dialyseshunt-Trainings und zeigen Ihnen, wie Sie den Dialysezugang im Alltag schützen und kontrollieren können.

Ein gut funktionierender Dialyseshunt ist meist an einem tastbaren Schwirren unter der Haut erkennbar. Dieses sogenannte Shunt-Schwirren sollten Sie täglich kontrollieren. Wenn es deutlich schwächer wird oder nicht mehr tastbar ist, sollten Sie umgehend das Behandlungsteam kontaktieren. Dies gilt auch bei zunehmenden Schmerzen, Rötungen, Überwärmung, Schwellungen oder Fieber sowie bei einer kalten, blassen, bläulichen oder gefühllosen Hand.

Am Shuntarm sollten keine Blutentnahmen, Infusionen oder Blutdruckmessungen durchgeführt werden. Halten Sie den Shuntarm sauber und schützen Sie ihn vor Stössen, Schnitten und anderen Verletzungen. Vermeiden Sie zudem enge Kleidung, Schmuck und länger anhaltenden Druck auf den Dialyseshunt. Nach abgeschlossener Wundheilung kann der Arm im Alltag in der Regel normal bewegt werden. Schwere körperliche Belastungen und Krafttraining sollten Sie mit dem Behandlungsteam abstimmen.

Drücken Sie nach dem Entfernen der Dialysenadeln mit einer sauberen Kompresse auf die Punktionsstelle, bis die Blutung aufgehört hat. Bei einer starken oder anhaltenden Blutung benötigen Sie unverzüglich medizinische Hilfe. Wann der Dialyseshunt erstmals für die Hämodialyse genutzt werden kann, entscheidet das Behandlungsteam anhand der Shuntreifung und der individuellen Heilung.

Wann muss ich bei Shuntproblemen ärztliche Hilfe suchen?

Bei fehlendem oder deutlich verändertem Schwirren, zunehmenden Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber sollte das Behandlungsteam rasch kontaktiert werden. Eine kalte, blasse oder bläuliche Hand, Gefühlsstörungen, Kraftverlust oder eine nicht stillbare Blutung müssen sofort ärztlich beurteilt werden.

Weitere Leistungen rund um Dialysezugänge

  • Anlage von Dialysekathetern
  • Kontrolle von Dialyseshunts bei Problemen
  • Operative Korrekturen bei Fehlfunktionen
  • Gefässdarstellung unter Verwendung von CO2 als Kontrastmittel, das heisst ohne Nieren-belastende herkömmliche Kontrastmittel

Wann ist eine Shuntrevision notwendig?

Eine Shuntrevision kann notwendig werden, wenn der Dialyseshunt nicht ausreichend ausreift, der Blutfluss abnimmt oder der Zugang durch eine Verengung oder ein Blutgerinnsel teilweise oder vollständig verschlossen ist. Weitere Gründe können eine Erweiterung der Shuntvene, eine Infektion oder eine Minderdurchblutung der Hand sein. Je nach Ursache wird der Dialyseshunt mit einem Katheterverfahren, beispielsweise einer Ballondilatation oder der Entfernung eines Blutgerinnsels, oder durch eine operative Korrektur behandelt. Lässt sich der bestehende Zugang nicht erhalten, kann die Anlage eines neuen Dialyseshunts erforderlich sein.

Risiken und mögliche Komplikationen einer Shuntoperation

Eine Shuntoperation verläuft in den meisten Fällen ohne schwerwiegende Komplikationen. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen jedoch gewisse Risiken. Diese hängen unter anderem von der Art des Dialyseshunts, den Gefässverhältnissen und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Mögliche Komplikationen sind:

  • Blutungen und Blutergüsse: Nach dem Eingriff können Nachblutungen oder Schwellungen im Operationsgebiet auftreten.
  • Wundheilungsstörungen und Infektionen: Die Operationswunde oder der Dialysezugang können sich entzünden. Bei einem Prothesenshunt kann auch die Kunststoffprothese von einer Infektion betroffen sein.
  • Shunt-Thrombose (Verschluss des Shunts durch einen Blutgerinnsel): Ein Blutgerinnsel kann den Dialyseshunt teilweise oder vollständig verschliessen.
  • Unzureichende Shuntreifung: Eine AV-Fistel entwickelt sich möglicherweise nicht ausreichend und kann dann nicht wie geplant für die Hämodialyse verwendet werden.
  • Shuntstenose (Einengung der Shuntvene): Durch eine Gefässverengung kann der Blutfluss im Dialyseshunt abnehmen.
  • Minderdurchblutung der Hand: In seltenen Fällen fliesst zu viel Blut über den Dialyseshunt ab. Dieses sogenannte Steal-Syndrom kann sich durch Schmerzen, Kältegefühl, Blässe, Taubheitsgefühl oder Kraftverlust in der Hand bemerkbar machen.
  • Erweiterung der Shuntvene: Im Laufe der Zeit können sich Aussackungen der Gefässwand, sogenannte Aneurysmen, bilden.
  • Nervenreizungen: Vorübergehend können Gefühlsstörungen oder Schmerzen im operierten Arm auftreten.
  • Belastung des Herzens: Ein sehr hoher Blutfluss durch den Dialyseshunt kann das Herz zusätzlich belasten. Diese Komplikation ist selten.
  • Erneuter Eingriff: Wenn der Dialyseshunt nicht ausreichend funktioniert oder sich später verändert, kann eine Korrektur, Wiedereröffnung oder Neuanlage erforderlich sein.

Welche Risiken in Ihrer persönlichen Situation bestehen, bespricht das Behandlungsteam vor der Operation ausführlich mit Ihnen.

Informationen für Patienten, Patientinnen und Zuweisende

FAQ zum Thema Dialyseshunts

Ein Dialyseshunt wird meistens am Unterarm oberhalb des Handgelenkes oder in der Ellenbeuge am Oberarm angelegt. Welche Stelle geeignet ist, hängt insbesondere von der Beschaffenheit und Durchblutung der vorhandenen Arterien und Venen ab.

Die Anlage eines Dialyseshunts dauert in der Regel etwa ein bis zwei Stunden. Die genaue Operationsdauer hängt von der Art des Shunts, den Gefässverhältnissen und dem individuellen Operationsverfahren ab.

Die Funktionsdauer ist individuell und lässt sich nicht genau vorhersagen. Eine gut funktionierende AV-Fistel kann viele Jahre genutzt werden und hält häufig länger als ein Prothesenshunt, benötigt jedoch ebenfalls regelmässige Kontrollen und gelegentlich weitere Behandlungen.

Für die Hämodialyse muss in kurzer Zeit eine grosse Blutmenge durch das Dialysegerät geleitet werden. Ein Dialyseshunt ermöglicht den dafür erforderlichen Blutfluss und bietet einen Gefässzugang, der regelmässig punktiert werden kann. Bei einer AV-Fistel wird die körpereigene Vene durch den erhöhten Blutfluss weiter und kräftiger.

Über einem funktionierenden Dialyseshunt ist normalerweise ein gleichmässiges Schwirren oder Vibrieren zu spüren. Patientinnen und Patienten sollten dieses sogenannte Shunt-Schwirren täglich vorsichtig mit den Fingerspitzen kontrollieren.

Beratung und Anmeldung

Peteris Ligers

Oberarzt, Klinik für Gefässchirurgie

Tel. +41 44 255 20 39
Spezialgebiete: Dialyse-Shuntchirurgie, Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

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