Informationen rund um das Cochlea-Implantat

Ein Cochlea-Implantat (CI) ermöglicht Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit das Hören, wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichend helfen. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Funktionsweise des Cochlea-Implantats, zum Behandlungsablauf sowie zur Nachbetreuung.

Was ist ein Cochlea-Implantat (CI)?

Hören entsteht, indem Schall im Innenohr (Cochlea) in elektrische Signale umgewandelt und über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet wird. Sind die Haarzellen im Innenohr geschädigt, können diese Signale nicht mehr ausreichend übertragen werden.

Ein Cochlea-Implantat übernimmt die Funktion dieser geschädigten Haarzellen. Es stimuliert den Hörnerv direkt mit elektrischen Impulsen und ermöglicht so die Weiterleitung von Höreindrücken an das Gehirn.

Im Unterschied zu einem Hörgerät verstärkt ein Cochlea-Implantat den Schall nicht nur, sondern umgeht die geschädigten Strukturen im Innenohr.

Illustration eines Cochlea Implantats mit Beschriftungen

Das Cochlea-Implantat-System besteht aus zwei Teilen:

  • dem implantierten Teil mit einem Elektrodenstrang in der Hörschnecke
  • dem äusseren Soundprozessor, der hinter dem Ohr oder am Kopf getragen wird Der Soundprozessor nimmt Schall auf, verarbeitet ihn und überträgt die Informationen über eine Spule an das Implantat. Die Spule wird magnetisch am Kopf gehalten.

Verschiedene Implantate und Soundprozessoren

Ablauf einer Cochlea-Implantat-Versorgung

Zeitlicher Ablauf eienr Cochlea Implantat Versorgung

Die Grafik zeigt den zeitlichen Ablauf bei einer Cochlea-Implantat-Versorgung am Cochlea-Implantat-Zentrum Zürich. Abhängig vom Alter, Hör-Erfolg etc., sind Abweichungen möglich.

Vorabklärung Kinder

Pflegerin trifft Vorabklärung am Ohr.

Bei gehörlos oder mit hochgradiger Schwerhörigkeit geborenen Kindern wird eine Hörstörung häufig bereits durch das Neugeborenen-Hörscreening erkannt. Eine frühe Versorgung ermöglicht es, die wichtige Phase der Hör- und Sprachentwicklung optimal zu nutzen.

Zur Abklärung gehören:

  • verschiedene Höruntersuchungen, bei Bedarf in Narkose
  • eine Hörgeräteversorgung auf Probe
  • audiopädagogische Begleitung
  • medizinische und technische Beratung für die Eltern mit Fachpersonal
  • Beratung zur empfohlenen Impfung gegen Hirnhautentzündung (Informationsblatt Impfung gegen Hirnhautentzündung)
  • logopädische Abklärungen der Sprachentwicklung

Wird mit Hörgeräten kein ausreichender Hörerfolg erreicht, wird gemeinsam geprüft, ob ein Cochlea-Implantat sinnvoll ist. Anlaufstelle für Eltern ist die Erstberatungsstelle des Kantons Zürich für Familien mit einem hörbeeinträchtigten Kind.

Zur Erstberatung

Vorabklärung Erwachsene

Bei Erwachsenen werden spezielle Hör- Sprachtestuntersuchungen durchgeführt, um den Hörverlust und das Sprachverstehen mit und ohne Hörgerät zu beurteilen.

Weitere wichtige Untersuchungen sind:

  • Untersuchung der Gleichgewichtsorgane
  • MRI des Innenohrs und Hörnervs
  • Medizinische Beurteilung der Operationsfähigkeit
  • Beratung zur empfohlenen Impfung gegen Hirnhautentzündung (Informationsblatt Impfung gegen Hirnhautentzündung)
  • Medizinische und technische Beratungsgespräche mit Fachpersonen zu Chancen und
  • Grenzen einer CI-Versorgung
  • Klärung der Kostenübernahme durch IV, AHV oder Krankenkasse
  • Information zu Versicherungsmöglichkeiten für den Prozessor
  • Informationen zum Hörtraining nach der Operation (Hörtraining nach der Implantation – Pro Audito Schweiz)

Operation

Vor dem Eingriff

Vor der Operation erfolgt eine ausführliche Aufklärung über:

  • Diagnose und Behandlungsziele
  • Operationsablauf
  • mögliche Risiken
  • alternative Behandlungsmöglichkeiten
  • Narkoseaufklärung

Wichtig ist zudem:

  • aktuelle Medikamentenliste mitbringen
  • bekannte Allergien melden
  • vorhandene medizinische Unterlagen mitbringen
  • mehrere Stunden vor der Operation müssen Sie nüchtern bleiben (weder trinken noch essen).

Operation und Abläufe nach dem Eingriff

Chirurg führt Operation am Ohr durch

Die Operation erfolgt bei Kindern und Erwachsenen in Vollnarkose.

Über einen ca. 6 cm langen Hautschnitt hinter dem Ohr wird der Zugang zum runden Fenster der Cochlea über das Mittelohr freigelegt und der Elektrodenträger langsam und atraumatisch eingeführt. Dies erfolgt teilweise bereits mit Einsatz von Robotern. Anschliessend wird das Implantat am Knochen unter der Haut befestigt.

Die Funktion des Implantats sowie die Reaktion des Hörnervs werden bereits während der Operation überprüft.

Nach der Operation erfolgt zunächst die Überwachung im Aufwachraum.

Während des stationären Aufenthalts:

  • wird die Wundheilung kontrolliert
  • steht eine Schmerzbehandlung bei Bedarf zur Verfügung
  • können meist bereits am Operationstag leichte Mahlzeiten eingenommen werden und können sich bei komplikationslosem Eingriff bereits frei bewegen.

Nach dem Austritt sollten für etwa zwei Wochen starke körperliche Belastungen vermieden werden. Die weiteren Nachkontrollen sowie die Dauer einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit werden individuell festgelegt.

Risiken

Medizinische Eingriffe, Untersuchungen oder Operationen am menschlichen Körper beinhalten immer, trotz der Einhaltung aller vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen und der medizinischen Kompetenz, ein gewisses Komplikationsrisiko. Diese werden vor der Operation ausführlich besprochen.

Frühkomplikationen

  • Wundinfektion
  • Nachblutung
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Geschmacksstörungen
  • vorübergehende Gefühlsstörungen im Operationsgebiet
  • Wundheilungsstörungen oder verstärkte Narbenbildung

Spätkomplikationen

Zu den Spätrisiken gehören technischer Implantatdefekt und Infektion, welche äusserst selten auftreten (die Wahrscheinlichkeit eines technischen Ausfalls eines Implantats liegt weltweit unter 1 %)

Schwerwiegende Komplikationen (selten)

Aufgrund der heutigen Operationstechniken und der Sicherheitsmassnahmen ist eine Gesichtsnervenlähmung äusserst unwahrscheinlich, ebenso das Risiko für Hirnwasserfluss (Liquorroe) aus der Wunde oder aus der Nase. Aufgrund einer fortschreitenden Infektion entlang des Implantates könnte eine Hirnhautentzündung auftreten. Durch eine Infektion, ein Unfall oder eine Wundheilungsstörung kann es zu einer Implantatabstossung kommen.

Anpassung, Hör- und Sprachtraining

Der Erfolg einer Cochlea-Implantat-Versorgung hängt nicht nur von der Operation ab. Entscheidend sind ebenso die Anpassung des Soundprozessors sowie das regelmässige Hör- und Sprachtraining.

Nach der Erstanpassung erfolgen wiederholte Kontrollen im CI-Zentrum Zürich, um die Einstellungen des Prozessors individuell zu optimieren und um die Akzeptanz an das neue Hören zu ermöglichen, da das Hören mit einem CI zu Beginn nicht mit dem normalen Gehör zu vergleichen ist und erlernt werden muss.

Bei Kindern ist eine enge Zusammenarbeit zwischen:

  • Eltern
  • Audiopädagoginnen und Audiopädagogen
  • Therapeutinnen und Therapeuten
  • Lehrpersonen
  • behandelnden Fachpersonen

besonders wichtig:

Durch gezielte Förderung entwickeln Kinder ihre Hör-, Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten und können verschiedene Bildungswege einschlagen, welche abhängig vom Hörerfolg und zusätzlichen Begleiterkrankungen bzw. Syndromen sind.

Erwachsene benötigen häufig eine individuelle Eingewöhnungsphase, bis Sprache wieder gut verstanden werden kann.

Ein regelmässiges Hörtraining unterstützt:

  • das Sprachverstehen
  • die Wahrnehmung von Geräuschen und Klängen
  • die Kommunikation im Alltag
  • das Telefonieren
  • die Nutzung technischer Hilfsmittel

Das Hörtraining wird in der Regel bei spezialisierten Audioagoginnen oder Audioagogen wohnortnah durchgeführt. Das Hörtraining wird zusammen mit dem CI-Prozessor beim Kostenträger (IV/Versicherung) beantragt. Aufgrund der direkten Bluetooth-Anbindung des Prozessors an ein Mobiltelefon/Tablet/PC ist auch zuhause ein Hörtraining durch Rehabilitations-Apps möglich.

Für Patientinnen und Patienten

Sie können sich als Patientin oder Patient nicht direkt zu einer Konsultation anmelden. Bitte lassen Sie sich durch Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin, Ihren Spezialisten oder Ihre Spezialistin überweisen. Für Fragen nutzen Sie unser Kontaktformular.

Kontaktformular

Für Zuweisende

Universitätsspital Zürich
CI-Zentrum
Klinik für ORL
Frauenklinikstrasse 24
8091 Zürich

Tel. +41 44 255 58 15
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