Bild von einer Frau, die Bauchschmerzen hat und Weizen in der Hand hält

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Darmkrebsrisiko: Wichtige Ernährungstipps aus der Praxis

Eine ausgewogene Ernährung kann das Risiko für Darmkrebs deutlich senken. Die Ernährungstherapeutin Claudia Vogt erklärt, welche Zusammenhänge wissenschaftlich belegt sind und wie man mit kleinen Veränderungen viel bewirken kann.

Frau Vogt, welche Nahrungsmittel erhöhen nachweislich das Krebsrisiko und lassen sich bezüglich des Risikos für Darmkrebs spezifische Aussagen machen?

Ja, für Darmkrebs gibt es einige gut belegte Zusammenhänge. Besonders klar ist die Evidenz für verarbeitetes Fleisch, also zum Beispiel Wurstwaren, Speck, Schinken oder Salami. Zudem erhöht Alkohol das Risiko. Auch ein hoher Konsum von rotem Fleisch ist ungünstig. Wichtig ist aber: Nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidet über das Risiko, sondern das gesamte Ernährungs- und Lebensstilmuster über die Jahre.

Sinnvoll ist deshalb eine Ernährung mit mehr Vollkornprodukten, Gemüse, Früchten, Hülsenfrüchten und anderen ballaststoffreichen Lebensmitteln sowie möglichst wenig verarbeitetem Fleisch. Es geht nicht um absolute Verbote, sondern um einen langfristig gesunden Speiseplan.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich öfters Verdauungsprobleme habe und könnte dies langfristig mein Krebsrisiko erhöhen?

Verdauungsbeschwerden treten häufig auf und bedeuten nicht automatisch, dass etwas Ernstes dahintersteckt. Viele Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder wechselnder Stuhlgang haben funktionelle Ursachen und sind nicht direkt ein Hinweis auf Krebs.

Trotzdem sollte man anhaltende oder neue Beschwerden ernst nehmen. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, eine neu aufgetretene anhaltende Veränderung des Stuhlgangs oder eine Blutarmut sollten ärztlich abgeklärt werden.

Eine gesunde Ernährung ist eine Vorsorgemassnahme für vielerlei Krankheiten. Was sind Ihre Empfehlungen für eine gesunde Ernährung?

Meine Empfehlungen sind bewusst nicht spektakulär, sondern alltagstauglich und gut belegt: viel Pflanzliches, genügend Nahrungsfasern, regelmässig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Früchte, dazu möglichst wenig verarbeitetes Fleisch, zurückhaltend rotes Fleisch, möglichst wenig Alkohol, regelmässige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht. Genau dieses Gesamtpaket ist entscheidend.

Für die praktische Umsetzung kann man sich gut an den offiziellen Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung orientieren. Hilfreich ist zum Beispiel ein ausgewogener Teller mit Gemüse oder Früchten, einer ballaststoffreichen Beilage und einer passenden Proteinquelle. Dabei lohnt es sich, über die Woche zwischen verschiedenen Proteinquellen abzuwechseln und regelmässig Hülsenfrüchte einzuplanen. Will man gesund essen, ist insbesondere ein zurückhaltender Konsum von verarbeitetem Fleisch sinnvoll.

Sogenannte Superfoods und Spezialdiäten sind in aller Munde. Sehen Sie hier einen möglichen Ansatz, mit der Ernährung Krebsrisiken zu mindern?

Ein sogenanntes Superfood im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Kein einzelnes Lebensmittel kann Darmkrebs verhindern. Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Pulver, eine exotische Beere oder ein Trendprodukt, sondern das gesamte Ernährungsverhalten über längere Zeit. Sinnvoll für die Prävention ist eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und passend gewählten Proteinquellen.

Gleichzeitig kursieren im Internet viele Halbwahrheiten und extreme Diätformen, die angeblich Krebs vorbeugen oder behandeln sollen. Dafür gibt es jedoch keine seriöse wissenschaftliche Evidenz. Restriktive Ernährungsformen können sogar schaden, weil sie das Risiko für Mangelernährung erhöhen, die Muskelkraft schwächen und den Körper zusätzlich belasten. Empfehlenswert sind deshalb keine radikalen Spezialdiäten, sondern ein langfristig gesunder Ernährungs- und Lebensstil.

Frau Vogt, Sie sind im USZ als Ernährungsberaterin, resp. als Ernährungstherapeutin tätig und unterstützen Patientinnen und Patienten während ihrer Genesungszeit. Was prägt Ihren beruflichen Alltag?

Mein beruflicher Alltag ist geprägt von der Frage, wie wir Patientinnen und Patienten mit einer individuell passenden, evidenzbasierten Ernährungstherapie bestmöglich unterstützen können. In der klinischen Ernährung geht es nicht um Trends, sondern um sehr konkrete Fragen: Ist die Ernährung ausreichend? Droht eine Mangelernährung? Welche Beschwerden, Therapien oder Erkrankungen beeinflussen die Nahrungsaufnahme? Und wie kann die Ernährung so angepasst werden, dass sie Behandlung und Genesung sinnvoll unterstützt?

Mir begegnen immer wieder erkrankte Menschen, die stark verunsichert sind, weil sie widersprüchliche Informationen gehört oder gelesen haben. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist deshalb, Orientierung zu geben, Mythen einzuordnen und alltagstaugliche Lösungen zu finden.

Claudia Vogt

Ernährungsberaterin APD, Ernährungsberatung / Ernährungstherapie

Tel. +41 44 255 37 33