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Prostatakrebs: Die Kunst der schonendsten Therapie

18. November 2022

Noch vor 10 Jahren führten Behandlungen von Prostatakrebs häufig zu schwerem Blutverlust, Inkontinenz und Impotenz. Heute gelingt es der Urologie am USZ immer besser, unerwünschte Nebenwirkungen abzuwenden – dank präziserer Diagnosen und innovativer Therapien.

Die Familie leidet immer mit, wenn ein Mann an Prostatakrebs erkrankt», weiss Daniel Eberli. Der Direktor der Klinik für Urologie am USZ spricht aus Erfahrung. Er sieht regelmässig Patienten und kennt deren Sorgen und Anliegen. «Vielfach schwingt die Angst mit, dass der Betroffene impotent wird und die Kontrolle über das Wasserlassen verliert.» Diese Befürchtungen sind verständlich, bestand doch die Standardbehandlung gegen Prostatakrebs lange darin, die Prostata chirurgisch vollständig zu entfernen. Mangels Alternativen sahen sich die Ärztinnen und Ärzte noch vor zehn Jahren gezwungen, schwere Nebenwirkungen bei nahezu jedem zweiten Patienten in Kauf zu nehmen.

Grosse technologische Entwicklung

Dank des wissenschaftlichen Fortschritts und der rasanten Entwicklung der Technologie ist man heute bereits viele Schritte weiter. Moderne Bildgebungsverfahren können einen Tumor präziser lokalisieren. Neue pathologische Methoden bestimmen die Aggressivität des wuchernden Gewebes genauer. Die Therapien sind vielfältiger und differenzierter geworden. Bei weniger aggressiven Tumoren wählen die Ärzte deshalb weniger radikale Therapien als die vollständige Entfernung der Prostata. Die Folge: deutlich weniger Nebenwirkungen.

Vorteil für Universitätsspitäler

«Unser oberstes Ziel ist, die Lebensqualität der Patienten so weit wie möglich und so lange wie möglich aufrechtzuerhalten – also die schonendste Therapie zu wählen», sagt Daniel Eberli. «Als universitäres Spital haben wir in diesem Punkt einen riesigen Vorteil, weil wir jeweils zu den ersten gehören, die innovative Methoden in der Schweiz anwenden.» Ein Beispiel: 2014 behandelten Urologinnen und Urologen am USZ erstmals in der Schweiz einen Patienten mit der fokalen Therapie. Dabei werden Krebszellen mit hochintensivem Ultraschall punktgenau erhitzt und zerstört. Nebenwirkungen konnten stark reduziert werden.

Roboterassistierte Chirurgie

Auf dem Gebiet der Roboterchirurgie nimmt das USZ schweizweit eine Pionierrolle ein. Die Chirurgen operieren die Prostata in der Regel laparoskopisch, das heisst mithilfe der Schlüssellochtechnologie. Seit Jahren erfolgt dies ausschliesslich roboterassistiert. Über 2’000 Prostataoperationen wurden am USZ mit dem Da Vinci- Roboter durchgeführt. Die Roboterchirurgie bringt den Patienten Vorteile: weniger Blutverlust, geringere Schmerzen und eine raschere Genesung. Auch in der Strahlentherapie konnten Fort‑ VOR SORGE schritte erzielt werden. 2019 nahm das USZ den ersten MRI Linac der Schweiz in Betrieb – ein Gerät, das Strahlentherapie und Bildgebung in einem Gerät vereint und neue Möglichkeiten der Tumorbehandlung schafft.

Früherkennung empfohlen

Prostatakrebs ist auch heute der mit Abstand häufigste Krebs bei Männern. In der Schweiz erhalten über 6’000 Männer pro Jahr die Diagnose. 1’500 sterben an der Krankheit. Zum Glück wächst der Krebs oft relativ langsam und führt nicht zum Tod. Viele Patienten können erfolgreich behandelt werden, vor allem, wenn der Krebs früh erkannt wird und sich noch nicht verbreitet hat. Daniel Eberli empfiehlt deshalb Männern ab 50 regelmässige Vorsorgeuntersuchungen.

Vorsorge

Ab 50 Jahren sollte ein Mann zum Arzt gehen und die entsprechenden Tests durchführen lassen. Wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird, hat er noch wenig Schaden angerichtet und kann besser behandelt werden. Je nach Testresultat sollen die Tests im Abstand von einem bis fünf Jahren wiederholt werden. Neben regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen gibt es kaum Möglichkeiten, Prostatakrebs vorzubeugen.

Tel. +41 44 255 54 40

Verantwortlicher Fachbereich

Klinik für Urologie