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Newsletter der Klinik für Radio-Onkologie: Einführung der MRI-gestützten adaptiven Brachytherapie

News aus dem Fachbereich

01. Juni 2021

Brachytherapie, «Bestrahlung auf kurze Distanz», ist eine radioonkologische Behandlungsmethode, bei der Katheter im Tumor platziert werden, um diesen dann «von innen» zu bestrahlen.

Bei ausgewählten Tumorerkrankungen wie z.B. beim Prostatakarzinom können mit der Brachytherapie exzellente Ergebnisse erzielt werden. In Kombination mit Radio-Chemotherapie stellt die Brachytherapie eine wesentliche Behandlungskomponente des lokal fortgeschrittenen Zervixkarzinom dar (1), und ist eine Alternative zur Operation im Frühstadium (2, 3). Brachytherapie stellt aber höchste Anforderungen an die technologische Ausstattung sowie der Erfahrung des ärztlichen Teams.

Petric P
Assoz. Prof. (DK) Dr. med. Primoz Petric, Oberarzt meV, ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der gynäkologischen Strahlentherapie. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung mit MRI-basierte Brachytherapie. Er ist Autor oder Mitautor von wissenschaftlichen Artikeln, Richtlinien und Buchkapiteln zu diesem Thema. Er ist Lehrer und Dozent an internationalen Kursen und Kongressen.

Einführung der MRI-gestützten adaptiven Brachytherapie

In der Klinik für Radio-Onkologie des USZ wurde die Technik der interstitiellen MRI-basierten Brachytherapie erfolgreich implementiert. Zwischen November 2020 und April 2021 wurde ein neuer Behandlungsraum eingerichtet, der mit einem Bestrahlungsgerät der aktuellsten Generation ausgestattet ist. Unter Teilnahme von nationalen und internationalen Experten wurde ein Workshop durchgeführt, um das multiprofessionelle Team zu schulen. Der Fokus wird im ersten Jahr auf die Behandlung von gynäkologischen Tumoren, insbesondere Zervixkarzinomen, liegen. Ab Mitte 2022 soll das Behandlungsspektrum dann schrittweise erweitert werden.

Evidenzbasierte Motivation für die Einführung der neuen Technik

Konventionelle Brachytherapie beim Zervixkarzinom wird mit utero-vaginalen Applikatoren durchgeführt. Sie erlaubt eine eingeschränkte Anpassung der Bestrahlungsdosis an den individuellen Tumor. Publizierte lokale Kontrollraten liegen zwischen 75 – 95 % für Stadium I-II und 45 – 75 % für Stadium III-IV (4). Versuche, die Ergebnisse dieser Methode durch eine Intensivierung der Bestrahlung zu verbessern, führten leider zu einer Steigerung der Nebenwirkungen (4).
MRI-basierte Brachytherapie verbessert die Präzision in mehreren Aspekten: (a) eine Kombination aus intrakavitären und interstitiellen Applikatoren wird benutzt, um optimierte Dosisverteilungen auch für grosse oder komplex geformte Tumore zu erreichen (5). (b) Nach der Platzierung des Applikators wird ein MRI durchgeführt, um den Tumor und die Risikoorgane präzise zu lokalisieren (6). (c) Durch eine computergestützte Optimierung kann eine Dosisverteilung erreicht werden, die den Tumor mit der gewünschten Dosis abdeckt und das Normalgewebe optimal schont (7).
Im Vergleich zur konventionellen Brachytherapie wurde mit der MRI-basierten Brachytherapie eine erhebliche Verbesserung der Ergebnisse gezeigt. In der EMBRACE I Studie wurde eine MRI-basierte Dosisoptimierung bei 1317 Zervixkarzinom-Patientinnen durchgeführt. Die lokale 5-Jahres Kontrollrate lag für alle Stadien bei 92 % und reichte von 98 % für Stadium IB1 bis hervorragenden 90 % für Stadium IV. Die Gesamtüberlebensrate reichte von 83 % für Stadium IB1 bis zu 61 % für Stadium IV. Die 5-Jahres Morbidität (G3-5) war mit 3-9 % sehr niedrig (1). Weiterhin scheint die MRI-basierte Brachytherapie für Stadium I-II, gleichwertig zu einer modernen Operation zu sein (2, 3). In einer Studie an 123 Patienten mit FIGO2009 Stadium IB, war die lokale Kontrollrate bei 98 %, die pelvine Kontrollrate bei 96 %, das krebsspezifische Überleben bei 90 % und das Gesamtüberleben bei 83 %. Es traten keine isolierten Lokalrezidive auf. Die Grad 3-4 Nebenwirkungsrate lag bei 0-8 % (2).

Auswirkung der Implementierung

MRI-basierte Brachytherapie wird die Heilungschance und Lebensqualität unserer Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren verbessern. Die bildgeführte Brachytherapie wird in Zukunft auf andere Tumorentitäten erweitert werden. Weltweit bleibt die MRI-basierte Brachytherapie begrenzt auf wenige Zentren, da entsprechendes Fachwissen und die komplexe Technologie vorhanden sein müssen. Wir fühlen uns verpflichtet, klinische Studien in Zusammenarbeit mit anderen Zentren weltweit voranzutreiben, um diese Methode weiterzuentwickeln und ihre weltweite Implementierung zu fördern.

Konventionelle intrakavitäre Brachytherapie
Links: Konventionelle intrakavitäre Brachytherapie des Zervixkarzinoms ohne Optimierung. Der Applikator im Zervix ist mit “Ap” gekennzeichnet. Große Teile des Tumors (hellblau) sind nicht mit der 100%-Brachytherapie-Dosis (rot) bedeckt. Rechts: MRI-basierte intrakavitäre + interstitielle Brachytherapie. Die interstitiellen Applikatoren im Tumor sind als dunkle Punkte sichtbar. Der Tumor ist vollständig mit einer 100% igen Dosis bedeckt. Die Blase und das Rektum sind geschont.
Der Brachytherapie-Raum in der Klinik für Radio-Onkologie, USZ, wurde renoviert und für bildgesteuerte intrakavitäre und interstitielle Brachytherapie ausgestattet.
Der Brachytherapie-Raum in der Klinik für Radio-Onkologie, USZ, wurde renoviert und für bildgesteuerte intrakavitäre und interstitielle Brachytherapie ausgestattet.

Primoz Petric Ph.D., Prof. Dr. med.

Oberarzt meV, Klinik für Radio-Onkologie

Spezialgebiete: Radiotherapy of gynecological and breast cancers., Brachytherapy of various tumor types, using MRI and/or CT for personalized irradiation., Intracavitary and interstitial brachytherapy with real-time Ultrasound guidance.
Tel. +41 44 255 26 73

Verantwortliche Fachbereiche

Klinik für Radio-Onkologie

Adipositas Zentrum Zürich