Medikamentöse Therapie von Übergewicht & Adipositas

Bei der Behandlung von Adipositas und starkem Übergewicht kommen – in Kombination mit dem Basisprogramm (Ernährungstherapie, Bewegungstherapie, Verhaltenstherapie) – auch gewichtsreduzierende Medikamente infrage.

Lipasehemmer zum Schlucken

Zur Therapie von Adipositas ist das Mittel Orlistat zugelassen. Der Wirkstoff in Kapselform gehört zu den Lipasehemmern, eine Gruppe von Wirkstoffen, die das Enzym Lipase im Darm hemmt. Dieses Enzym ist für die Spaltung bestimmter Fette (Triglyceride) verantwortlich. Ohne das Enzym kann der Körper keine Triglyceride aufnehmen und verwerten. Orlistat bewirkt eine Reduzierung der Fettaufnahme um etwa 30 Prozent, was die Kalorienaufnahme reduziert und somit beim Abnehmen unterstütz. Betroffene können ihr Gewicht mit Orlistat zusätzlich um etwa drei bis vier Kilogramm senken.

Die "Abnehmspritzen" - Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid

In der Schweiz sind derzeit drei Produkte als sogenannte „Abnehmspritzen“ zugelassen: Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid. Ursprünglich wurden die Wirkstoffe für die Behandlung von Diabetes entwickelt, sind heute aber auch zur Therapie der Adipositas zugelassen und werden von den Krankenkassen bezahlt. Liraglutid (bekannt unter den Handelsnamen Vitoza®, Saxenda®), Semaglutid (bekannt unter den Handelsnamen Ozempic®, Rybelsus®, Wegovy®) und Tirzepatid (bekannt unter dem Handelsnamen Mounjaro®) gleichen einem natürlichen Sättigungshormon. Der Magen leert sich nach Mahlzeiten weniger schnell, und erneuter Hunger tritt weniger rasch wieder auf. Betroffene können ihr Gewicht mit Liraglutid um etwa sieben bis zehn Prozent senken, bei Semaglutid beträgt der Gewichtsverlust etwa 15% und bei Tirzepatid rund 20%. Der Effekt tritt in erster Linie ein, weil der Mensch schlichtweg weniger isst.

Wie oft muss die Spritze wiederholt werden?

Saxenda® wird täglich, Wegovy® und Mounjaro® einmal pro Woche mit einem Pen unter die Haut gespritzt. Für eine gute Angewöhnung wird die Dosis in Schritten gesteigert. Nach einem Monat haben die meisten bereits rund zwei bis drei Kilogramm verloren. Da Adipositas eine chronische Erkrankung ist, ist die Therapie ebenfalls langfristig ausgelegt. Die Produkte werden mindestens über mehrere Monate verwendet. Die Dauer der Therapie wird individuell an die Patientin oder den Patienten angepasst und ist dadurch sehr variabel: Einige stabilisieren ihr Gewicht ohne Medikamente nach 1-2 Jahren, andere benötigen eine lebenslange Therapie.

Medikamentöse Adipositasbehandlung immer in enger medizinischer Begleitung

Alle genannten Medikamente sind rezeptpflichtig und werden durch einen Arzt oder eine Ärztin verschrieben. Während der ganzen Anwendungsdauer werden Patientinnen und Patienten am Adipositas Zentrum Zürich eng begleitet, um mögliche unerwünschte Nebenwirkungen rasch zu entdecken und zu behandeln. Ausserdem helfen wir Patientinnen und Patienten immer auch dabei, gleichzeitig zur Medikamenteneinahme die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten umzustellen, damit der Gewichtsverlust langfristig und auch nach Absetzen der Medikamente gewährleistet werden kann.

Mehr über das Adipositas Zentrum

Häufig gestellte Fragen rund um die Abnehmspritze

Die Abnehmspritze ist für Menschen gedacht, bei denen eine signifikante Gewichtsreduktion medizinisch notwendig ist. In der Regel sind die Personen mit einem Body-Mass-Inbex (BMI) von 30 oder höher. Auch für Personen mit einem BMI ab 27, die zusätzlich an Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder anderen gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen leiden, kann die medikamentöse Gewichtsreduktion infrage kommen. Die Einnahme sollte immer unter medizinischer Aufsicht und in Kombination mit einer Lifestyle-Umstellung geschehen.

Abnehmspritzen wie Wegovy werden in der Schweiz seit Frühjahr 2024 unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen. Anspruch auf eine Kostenübernahme haben Erwachsene ab 18 Jahren, die entweder an Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35 leiden oder stark übergewichtig sind (BMI über 28) und zusätzlich eine Begleiterkrankung wie Prädiabetes oder Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie oder Dyslipidämie. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass die Behandlung von einer Fachärztin oder einem Adipositas-Zentrum verordnet wird – eine Verschreibung durch die Hausärztin allein reicht nicht aus.

Zusätzlich müssen Betroffene im Rahmen der Therapie eine Ernährungsumstellung, regelmässige ärztliche Kontrollen sowie eine Steigerung der körperlichen Aktivität nachweisen. Auch das Erreichen individuell festgelegter Gewichtsziele ist für die fortlaufende Kostenübernahme entscheidend. Die Behandlung ist aktuell befristet: Die Kostenübernahme durch die Grundversicherung ist zunächst für drei Jahre vorgesehen, danach müssen Patientinnen und Patienten die Ausgaben selbst tragen. Wer bereits eine bariatrische Operation hatte oder diese plant, hat keinen Anspruch auf die Erstattung durch die Krankenkasse.

Das, was nach jeder Diät passiert, wenn Ernährung und Lebensweise nicht umgestellt wurden: Der Appetit steigt und man nimmt wieder zu. Gerade bei Adipositas-Betroffenen bietet aber eine erste deutliche Gewichtsabnahme die Chance, dass Bewegung und Sport überhaupt wieder möglich werden. Durch zusätzliche Bewegung kann sich ein dauerhafter Effekt einstellen.

Die hohe Nachfrage der sogenannten „Abnehm-Spritze“, auch durch den Hype in den sozialen Medien und durch Prominente ausgelöst, hat dazu geführt, dass die Hersteller die Produktion nicht schnell genug erhöhen können, um die Nachfrage zu decken. Dies führt immer wieder zu Lieferverzögerungen und -engpässen. Zwar fahren die Hersteller die Produktion nun hoch, aber die Verfügbarkeit wird sicherlich noch eine gewisse Zeit schwierig bleiben. Wichtig ist, dass die für Menschen mit Diabetes entwickelten Produkte in diesem Anwendungsbereich verfügbar bleiben.

Am USZ setzen wir die Spritzen ganz klar nicht als Lifestyle-Diäthilfen ein. Aus medizinischer Sicht aber ist bei stark Übergewichtigen eine derartige Förderung der Gewichtsabnahme begrüssenswert. Damit können wir das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Probleme reduzieren. Auch aus Kostensicht ist es letztendlich günstiger, Herz-Kreislauf-Probleme zu vermeiden, als die Rehabilitation nach einem Herzinfarkt zu finanzieren.

Abnehm-Medikamente sind verschreibungspflichtig und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder an ein spezialisiertes Zentrum, um eine ganzheitliche und individuelle Behandlung für Ihr Gewichtsproblem zu erhalten.

Beziehen Sie Medikamente nur bei seriösen Anbietern – wegen des grossen Hypes um diese Medikamente werden auch Fälschungen verkauft.

Für Patientinnen und Patienten

In der Adipositassprechstunde besprechen wir individuelle Ernährungs- und Bewegungsmassnahmen und evaluieren medikamentöse sowie chirurgische Therapien. Aufgrund sehr vieler Anfragen sind zur Zeit nur Zuweisungen durch Ihren Arzt oder Ihre Ärztin möglich.

Tel. +41 43 254 04 44
Mail azz@usz.ch
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Für Zuweisende

Auf dem Gebiet der Adipositas führende Expertinnen und Experten verschiedenster Fachrichtungen arbeiten eng zusammen, um für Ihre Patientinnen und Patienten einen eigenen angepassten Behandlungspfad zu definieren. Wir freuen uns auf Ihre Zuweisung.

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Verantwortliche Fachperson

Philipp Gerber, Prof. Dr. med.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung

Tel. +41 44 255 36 20
Spezialgebiete: Übergewicht und Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Klinische Ernährung