Ursache und Symptome
Fehlstellungen am Unterarm oder am Handgelenk entstehen meist als Folge eines Knochenbruchs,der nicht in der ursprünglichen Achse verheilt ist. Seltener sind sie angeboren oder Folge einer Wachstumsstörung. Betroffene bemerken häufig eine eingeschränkte Drehbewegung des Unterarms, Schmerzen bei Belastung, eine sichtbare Achsenabweichung oder eine nachlassende Kraft und Beweglichkeit des Handgelenks. Bleibt eine solche Fehlstellung unbehandelt, kann sie im Verlauf zu einer vorzeitigen Abnützung der angrenzenden Gelenke führen. Der Unterarm besteht aus zwei Knochen, der Speiche und der Elle, die sich beim Drehen der Hand – etwa beim Umdrehen eines Schlüssels oder beim Tragen einer Tasse – umeinander drehen und dabei eng aufeinander abgestimmt bleiben müssen. Weil dieses Zusammenspiel so fein abgestimmt ist, können bereits kleine, auf den ersten Blick unscheinbare Fehlstellungen einer der beiden Knochen die Drehbewegung des Unterarms empfindlich stören und zu Bewegungseinschränkungen sowie zu Instabilitäten im Hand- oder Ellbogengelenk führen. Solche Fehlstellungen sind deshalb in diesem Bereich häufig komplex. Eine herkömmliche Röntgenaufnahme zeigt zwar den Bruch oder eine grobe Achsenabweichung, reicht jedoch oft nicht aus, um das genaue Ausmass einer dreidimensionalen Verdrehung zu erfassen. Solche Rotationsfehler lassen sich in vielen Fällen erst
mithilfe einer dreidimensionalen Analyse zuverlässig nachweisen und vermessen.
Ablauf
Am Anfang der Behandlung steht deshalb eine moderne, computergestützte 3D-Analyse: Mittels Computertomographie wird ein präzises dreidimensionales Knochenmodell des betroffenen Arms erstellt und am Computer direkt dem Modell der gesunden Gegenseite gegenübergestellt. Da sich die beiden Arme eines Menschen in der Regel sehr ähnlich sind, dienen die gesunden Knochen als individuelle Vorlage für die anatomisch richtige Form. Erst durch diesen digitalen Seitenvergleich lassen sich komplexe, insbesondere rotatorische Fehlstellungen von Speiche und Elle zuverlässig erkennen, die auf zweidimensionalen Röntgenbildern häufig unentdeckt bleiben. Auf Basis dieser 3D-Analyse wird die Korrektur am virtuellen Knochenmodell computergestützt geplant: Ort, Winkel und Ausmass der notwendigen Knochendurchtrennung sowie die anzustrebende Korrekturstellung werden exakt festgelegt, orientiert an der gesunden Gegenseite. Die eigentliche Stärke dieser modernen Technik zeigt sich anschliessend in der Umsetzung: Aus der computergestützten Planung fertigen wir im 3D-Drucker passgenaue Schablonen, welche die am Bildschirm geplante Korrektur eins zu eins in den Operationssaal übertragen. Diese Instrumente passen ausschliesslich auf die Knochenoberfläche der jeweiligen Patientin oder des jeweiligen Patienten und übertragen die zuvor geplante Korrektur während der Operation direkt und
millimetergenau auf den Knochen, sodass die Achse zuverlässig und ohne Schätzung wiederhergestellt werden kann und anschliessend mit einer Platte fixiert werden kann.
Für Patientinnen und Patienten bringt dieses Vorgehen mehrere Vorteile mit sich: Die Korrektur wird nicht während der Operation abgeschätzt, sondern vorgängig exakt geplant und entsprechend umgesetzt, was die Genauigkeit erhöht und gleichzeitig die Operationszeit verkürzt. Weil die Navigationsschablonen den geplanten Korrekturschritt direkt vorgeben, sind während des Eingriffs auch weniger Röntgenkontrollen notwendig. Eine präzise wiederhergestellte Achse verringert zudem das Risiko einer späteren, vorzeitigen Gelenkabnützung und trägt zu einem besseren funktionellen Ergebnis bei.
Nachsorge
Nach der Operation wird der Arm für einige Wochen ruhiggestellt, üblicherweise mittels Schiene. Der genaue Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Beweglichkeit und für den Beginn der Handtherapie richtet sich nach der individuellen Operationstechnik und wird mit den Patientinnen und Patienten besprochen. Regelmässige klinische und radiologische Kontrollen stellen sicher, dass die Heilung planmässig verläuft und die erzielte Korrektur erhalten bleib.