Zentrum für Interdisziplinäre craniofaciale Chirurgie

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Kieferorthopädische Behandlung bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

​Die Kieferorthopädie ist ein wichtiger Partner bei der interdisziplinären Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und begleitet Sie von der Geburt bis etwa zum 20. Lebensjahr.

Primärbehandlung (Kieferorthopädische Therapie direkt nach der Geburt)

Die interdisziplinäre Behandlung beginnt bei Patientinnen und Patienten mit Lippen-Kiefer- Gaumenspalten mit dem Eingliedern einer Gaumenplatte durch den Kieferorthopäden oder die Kieferorthopädin.

Diese Platte dient als Saug- und Trinkhilfe sowie zur Steuerung des Wachstums. Für die Herstellung der Platte wird vom Oberkiefer der Neugeborenen innerhalb der ersten Lebenstage eine Abformung genommen und ein Kiefermodell aus Gips hergestellt. Die Gaumenplatte wird aus klarem, harten Kunststoff angefertigt und dient hauptsächlich der Trennung von Mund- und Nasenhöhle.

Die Zunge wird dabei abgehalten, sich in die Nase einzulagern und wird in der Mundhöhle gehalten. Das Schlucken, die Nasenatmung und die Nahrungsaufnahme werden dadurch erleichtert. Insbesondere kann mit der Gaumenplatte das Wachstum des Oberkiefers zur Harmonisierung seiner Form gesteuert werden und seitliche Muskelzüge werden abgehalten.  Die unmittelbar nach der Geburt eingesetzte Gaumenplatte wird vom Kind zumeist schnell akzeptiert. Sie muss stets feucht eingesetzt werden und hält im Mund des Säuglings über Adhäsion, weshalb die Verwendung von Haftmitteln möglichst entfallen sollte.

Die Reinigung der Platte sollte nach den Mahlzeiten mit einer Zahnbürste unter fliessendem lauwarmen Wasser erfolgen. Die Gaumenplatte wird regelmässig in der Region der Spaltbildung in den Bereichen ausgeschliffen, in denen das Wachstum erfolgen soll. Da im ersten Lebensjahr das grösste Wachstum stattfindet und damit der beste Effekt erzielt werden kann, muss die Platte regelmässig angepasst werden. Die Gaumenplatte wird zunächst von der Geburt bis zur Operation der Lippe getragen. Dadurch wird eine deutliche Harmonisierung der Form des Oberkiefers erreicht. Nach dem Verschluss der Lippe wird bis zum Verschluss des Gaumens erneut eine Gaumenplatte angefertigt und getragen.

Sekundärbehandlung (Kieferorthopädische Sekundärtherapie im Milchgebiss und während der frühen Wechselgebissperiode)

Bei nicht ausreichendem Kieferwachstum, besonders des Oberkiefers, können bereits im Gebiss der ersten Dentition (Milchgebiss) Fehlstellungen der Zähne auftreten. Dazu gehört beispielsweise der Kreuzbiss im Bereich der Seitenzähne, wobei die oberen Zähne weiter innen als die unteren stehen.

Weiterhin ist häufig ein umgekehrter Überbiss im Bereich der Frontzähne zu finden. Selten sind hier Korrekturen notwendig und der weitere Zahnwechsel wird lediglich überwacht. Bei den meisten Patientinnen und Patienten erwächst ein erneuter Behandlungsbedarf zu Beginn des Wechsels von den Zähnen der ersten Dentition (Milchzähne) zu den Zähnen der zweiten Dentition (bleibende Zähne). Aufgrund des verminderten Knochenangebotes in unmittelbarer Umgebung der Spalte kann es zu ausgeprägten Zahnfehlstellungen kommen, die aber sehr gut korrigiert werden können. Die kieferorthopädische Hauptbehandlung fällt etwa in das Alter zwischen neun und 14 Jahren. Der genaue Behandlungszeitpunkt ist hierbei je nach Art der Fehlstellung unterschiedlich und durch den Kieferorthopäden festzulegen.

Zähne im Spaltbereich sind häufig noch gedreht oder brechen erschwert durch. Weiterhin bestehen häufig Kreuzbisse und umgekehrte Überbisse. Diese Fehlstellungen sind bei regelrechter Behandlung gut mit herausnehmbaren oder mit festsitzenden Apparaturen zu beheben. Die kieferorthopädische Behandlung in dieser Phase erstreckt sich insgesamt über mehrere Jahre. Vor Durchbruch der spaltbenachbarten seitlichen Schneidezähne und Eckzähne (ca. zwischen dem siebten und zwöflten Lebensjahr) wird zumeist die Einlagerung von Knochen in den Spaltbereich, eine sogenannte Kieferspaltosteoplastik, erforderlich.

Tertiärbehandlung (Kieferorthopädie im bleibenden Gebiss)

Häufig erstreckt sich eine kieferorthopädische Behandlung über das sogenannte Wechselgebiss hinaus bis zum vollständigen Gebiss der zweiten Dentition.

Die Weisheitszähne brechen später und unregelmässig durch. Damit nicht nur die Gebissentwicklung harmonisch ablaufen kann, sondern auch das Kieferwachstum, sollten Kinder mit Spaltbildungen auf jeden Fall bis zum Abschluss des Wachstums kieferorthopädisch überwacht oder gegebenenfalls behandelt werden. Bei stärkeren Abweichungen der Kiefer, die allein kieferorthopädisch nicht zu beeinflussen sind, kann nach Abschluss des Wachstums (ca. 16. bis 18. Lebensjahr) eine operative Korrektur notwendig werden.

Verantwortlicher Kaderarzt

Harald Essig, Prof. Dr. med. Dr. med. dent.

Klinikdirektor a.i., Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Zentrumsleitung ICFC, Zentrum für Interdisziplinäre craniofaciale Chirurgie

Tel. +41 44 255 50 31

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