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Fakten zu Nesselfieber nach Booster-Impfung

10. Februar 2022

Viele Gerüchte kursieren momentan zu Nesselfieber, in der Fachsprache Urtikaria genannt, nach der Booster Impfung. Einige Betroffene erzählen auch in Medienberichten, dass bei ihnen Nesselfieber auftrat. Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier, wissenschaftlicher Beirat von aha! Allergiezentrum Schweiz und Leiter der Allergiestation der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich, klärt auf.

Dieses Interview wurde vom Aha! Allergiezentrum Schweiz durchgeführt und veröffentlicht.

Herr Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier, es ist bekannt, dass Urtikaria nach der COVID-19-Impfung in seltenen Fällen auftreten kann. Tritt Nesselfieber häufiger nach dem Booster auf?
Tatsächlich stellen wir auf der Allergiestation am Universitätsspital Zürich fest, dass eine Urtikaria häufiger nach dem Booster auftritt als etwa bei der Erstimpfung – das ist aber grundsätzlich immer noch selten angesichts der Impfzahlen. Ähnliche Beobachtungen machen auch Apotheken sowie Ärztinnen und Ärzte. Genaue Zahlen, wie häufig dies der Fall ist, gibt es Stand heute, anfangs Februar 2022, aber noch nicht.

Wieso tritt Nesselfieber nach der Booster-Impfung auf?
Die Immunantwort ist nach dem Booster stärker als nach den ersten beiden Impfungen und daher sind auch unangenehme Nebenwirkungen möglicherweise verstärkt.

Wie lange dauert eine Urtikaria “normalerweise” an?
Sollte tatsächlich eine Urtikaria auftreten, ist das meist nach mehreren Stunden oder Tagen nach der Impfung der Fall. Sie gehört zu den seltenen Nebenwirkungen, ist unangenehm, jedoch meist unbedenklich. Die Einnahme von Antihistaminika kann Linderung verschaffen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, wenn Sie ausgeprägte Beschwerden haben.
Wenn bei Personen, die sich zum ersten Mal impfen lassen, innerhalb der ersten Stunde nach der ersten COVID-19-Impfung ein nesselfieberartiger Hautausschlag am ganzen Körper aufgetreten ist, sollte man sich vor der zweiten COVID-19-Impfung mit einer Allergologin, einem Allergologen absprechen, um die nötigen Vorsichtsmassnahmen zu treffen.

Sind auch lange Verläufe von Urtikaria nach einer COVID-Impfung bekannt? Einige Betroffene melden, dass die Symptome mehr als 6 bis 8 Wochen andauern.
Eine länger andauernde Urtikaria im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung und insbesondere der Booster-Impfung wird in einzelnen Fällen beobachtet. Sie kann ausnahmsweise auch länger als 6 bis 8 Wochen bestehen. Da gerade eine länger andauernde Urtikaria aber mannigfaltige Ursachen haben kann, ist ein Zusammenhang mit der Impfung nicht immer eindeutig und auch nicht zwingend. In diesem Fall wenden Sie sich an einen Arzt, eine Ärztin, der oder die eine meist rasch wirkende Therapie, die meist auf Antihistaminika basiert, einleiten kann. Und es können auch andere mögliche Ursachen evaluiert werden.

Was ist die Ursache für Urtikaria, die auch Tage nach der Impfung auftreten kann?
Unabhängig von der COVID-Impfung können Prozesse im Körper – wie Fieber, Infektionen, Allergien oder starke körperliche oder psychische Belastung – das Immunsystem aktivieren und so unter anderem eine Urtikaria hervorrufen. Durch die COVID-Impfung werden spezifische Bestandteile des Immunsystems angeregt, um einen Schutz gegen den Virus aufzubauen. Man geht davon aus, dass diese begleitenden oder überschiessenden immunologischen Prozesse eben Symptome wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Müdigkeit – und manchmal Urtikaria – hervorrufen können. Sie sind somit auch ein Zeichen, dass das Immunsystem auf den Wirkstoff reagiert.

Falls eine Urtikaria auftritt: Kann man davon ausgehen, dass sonst keine schwereren Symptome auftreten? Die Angst von Betroffenen ist häufig gross.
Bisher haben wir keine Fälle beobachtet, bei denen plötzlich andere schwere Symptome aufgetreten sind. Auch in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur sind keine genannt.

Was zeigt die Erfahrung: Tritt eine Urtikaria bei bestimmten Impfstoffen eher auf?
Bisher liegen keine ausreichend grossen Daten vor, die eindeutige Zuordnungen von vermehrter Urtikaria zu einem bestimmten Impfstoff ermöglichen. Einzelne Studien weisen Hauterscheinungen eher beim Impfstoff von Moderna als Nebenwirkung aus; diese Feststellung kann aber auch mit der Häufigkeit zusammenhängen, mit der der Impfstoff verwendet wird. Und natürlich können solche auch bei den Impfungen von BioNTech/Pfizer und Johnson&Johnson auftreten.

Nach welchem Zeitabstand kann das Auftreten der Urtikaria nicht mehr mit der COVID-Impfung bzw. dem Booster in Verbindung gebracht werden?
Je länger der zeitliche Abstand zur Impfung, desto unwahrscheinlicher ist der Zusammenhang. Ein Auftritt nach 10 bis 14 Tagen danach ist kaum mehr mit der Impfung in Verbindung zu bringen.

Falls eine Urtikaria auftrat: Ist es zu empfehlen, für die zweite oder die Booster-Impfung auf einen anderen Wirkstoff auszuweichen?
Für eine solche Empfehlung gibt es hierzu keine eindeutige Datenlage. Aber wenn die Möglichkeit zum Wechsel auf einen anderen Impfstoff besteht, ist ein solcher in Bezug auf die Verträglichkeit medizinisch durchaus sinnvoll.

Hier geht’s zur Originalpublikation.

Kontakt

Peter Schmid, Prof. Dr. med.

Leiter Allergiestation, Dermatologische Klinik
Leitender Arzt, Dermatologische Klinik

Spezialgebiete: Allergien aller Art inkl. Neurodermitis und Nesselfieber, Tropen-und Reisedermatologie, Mastozytose und Histamin-vermittelte Erkrankungen
Tel. +41 44 255 30 79

Verantwortlicher Fachbereich

Dermatologische Klinik

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