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Fachartikel

Impfsprechstunde für Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko

30. September 2022

Patientinnen und Patienten mit einem veränderten Immunsystem tragen bei Infektionskrankheiten ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Ein genau auf ihre Situation abgestimmter Infektionsschutz ist deshalb für sie besonders wichtig. Die Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am USZ bietet diesen Patientinnen und Patienten in einer Spezialsprechstunde dafür eine individuelle Beratung und Betreuung an.

Nadia Eberhard und Irene Abela, Sie sind Infektiologinnen und zuständig für die Impfsprechstunde der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene. Warum wurde diese spezielle Sprechstunde eingerichtet?

Für Patientinnen und Patienten, die wegen einer Grundkrankheit ein verändertes Immunsystem haben, ist das Risiko erhöht, bei einer Infektion einen schweren Verlauf zu erleiden. Es gibt zudem immer mehr sehr erfolgreiche immunmodulierende Therapien bei verschiedenen Krankheiten. Eine Nebenwirkung dieser Therapien kann jedoch auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektionskrankheit sein. Um all diese Patientinnen und Patienten spezifisch und individuell zu beraten, wie sie sich vor Infektionen und vor möglicherweise sehr gefährlichen Komplikationen schützen können, haben wir vor drei Jahren eine spezielle Sprechstunde eingerichtet.

Welche Personen sind das konkret?

Als besonders gefährdet diesbezüglich gelten Menschen mit einer medikamentösen Immunsuppression z.B. aufgrund einer chronischen Krankheit, Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Krankheiten, mit entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankungen, mit erfolgter Organtransplantation und mit angeborener oder erworbene Immunschwäche, wie bei HIV.

Das heisst, es geht in der Impfsprechstunde nicht nur um Impfungen?

Richtig, die Beratung ist sehr umfassend und umfasst auch andere Möglichkeiten der Prävention wie medikamentöse Prophylaxe gegen opportunistische Infektionen oder Reaktivierungen von latenten Infektionen und das Cocooning.

Cocooning?

Unter Cocooning versteht man die Immunisierung der Verwandten, Familie und Bekannten der Patienten, mit denen sie nahen Umgang haben, um den Schutz der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Das ist auch eine wichtige Möglichkeit, wenn der Patient selber z.B. nicht geimpft werden kann.

Wann kommen die Patientinnen und Patienten zu Ihnen in die Beratung?

Ideal ist es, wenn wir die Patientinnen und Patienten schon vor dem Beginn einer gezielten Immunsuppression sehen und die Prophylaxe mit ihnen besprechen und angezeigte Impfungen schon durchführen können, damit sie so gut wie möglich geschützt ihre Therapie beginnen können. Häufig sind die Patienten jedoch schon immunsupprimiert, dann kommt zur Abklärung auch die Wahl des optimalen Impfzeitpunkts hinzu, damit die Impfantwort möglichst gut ist. Dafür stimmen wir uns eng mit den zuweisenden Kliniken ab.

Krankheit, Zeitpunkt, Therapie: Da gilt es viele Faktoren zu beachten?

Ja, nahezu jeder Patient muss individuell abgeklärt werden, um das beste Ergebnis für ihn zu erreichen. Am USZ wird in den verschiedenen Kliniken eine grosse Zahl sehr unterschiedliche Patienten mit den neuesten Immunmodulatoren behandelt. In den drei Jahren seit Start der Impfsprechstunde hat unser Team deshalb schon viel weiteres spezialisiertes Wissen in diesem Bereich gesammelt. Der nahe und intensive Austausch mit den behandelnden Kliniken und Instituten macht das möglich und trägt täglich weiter dazu bei.

Die Patientinnen und Patienten melden sich also nicht selber zu der Sprechstunde an?

Am einfachsten ist die Zuweisung über den behandelnden Haus- oder Facharzt. An einer Beratung interessierte Personen sprechen deshalb an besten zuerst ihren Arzt oder ihre Ärztin darauf an, ob und wann eine Beratung bei uns angezeigt ist. Häufig erfolgt die spezielle Beratung und die erste Impfung bei uns und die Komplettierung der notwendigen Impfserien erfolgt dann durch die Hausärztinnen, Hausärzte oder die zweisenden Ärztinnen und Ärzte.

Dr. med. Nadia Eberhard-Kuhn war bis Ende September 2022 Oberärztin in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene und Dr. med. Dr.sc. Irene Abela wird die Verantwortung für die Sprechstunde ab Oktober 2022 übernehmen.

Irene Alma Abela, Dr. med. Dr. sc. nat.

Oberärztin, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene

Spezialgebiete: Virale Infektionen (insbesondere HIV, CMV, SARS-CoV-2) und experimentelle Virologie, Allgemeine klinische Infektiologie, Impfungen bei immunsupprimierten Personen
Tel. +41 44 255 33 22

Verantwortlicher Fachbereich

Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene