Verbrennungen

Verbrühungen, Verbrennungstrauma, Combustio

Eine Verbrennung oder Verbrühung ist schnell passiert – zum Beispiel, wenn man ein heisses Backblech anfasst oder beim Bügeln nicht aufpasst. Bei kleinen Verbrennungen handelt es sich meist nur um eine oberflächliche Verletzung, die von selbst heilt. Eine schwerere Verbrennung erfordert jedoch ärztliche Hilfe.

Überblick: Was sind Verbrennungen?

Verbrennungen sind thermische Verletzungen, die das Gewebe durch übermässige direkte Hitzeeinwirkung schädigen. Bei Hitzeschäden, die durch heisse Flüssigkeiten oder heissen Dampf entstehen, spricht man von Verbrühungen.

Verbrennungen – Häufigkeit und Alter

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) müssen in der Schweiz jährlich rund 7’800 Personen wegen Verbrennungen medizinisch behandelt werden. Bis zu 370 davon erleiden schwere Verletzungen und benötigen eine Behandlung in einem spezialisierten Brandverletztenzentrum.

Verbrennungen: Ursachen und Risikofaktoren

Bei einer Verbrennung oder Verbrühung kommen verschiedene Ursachen infrage. Hierzu zählen beispielsweise:

  • offenes Feuer und Flammen (Kerze, Kleiderbrand, sonstige Brände)
  • heisses Wasser, Wasserdampf, Öl und andere heisse Flüssigkeiten
  • Explosionen durch Gas oder Sprengstoff
  • heisse Metalle (z. B. Bügeleisen, Backofen, Maschinen)
  • Strom (z. B. an Hochspannungsleitungen, stromführenden Fahrzeugen oder Maschinen)
  • UV-Strahlung (Sonnenbrand)

Bereits ab Temperaturen von 45 Grad Celsius können die Zellen geschädigt werden, wenn Hitze auf Haut beziehungsweise Gewebe einwirkt. Ob und wie stark die Haut beziehungsweise das Gewebe Schaden nimmt, hängt von der jeweiligen Temperatur ab, aber auch, wie lange man dieser ausgesetzt war.

Verbrennungsgrade & Symptome bei Verbrennungen

Die Anzeichen einer Verbrennung oder Verbrühung zeigen sich nicht immer sofort. Manche Symptome machen sich erst mehrere Stunden nach der Verletzung bemerkbar. Die Art und das Ausmass der Symptome hängen vor allem vom Schweregrad der Verbrennung oder Verbrühung ab.

Wichtig zu wissen: Der Schweregrad kann sich innerhalb von mehreren Tagen nach der Verletzung noch erhöhen, wenn die Verbrennung oder Verbrühung im Gewebe weiter voranschreitet. In diesem Fall spricht man auch von „Nachbrennen“.

  • Verbrennung 1. Grades: Bei einer Verbrennung ersten Grades ist die oberste Hautschicht (Epidermis) geschädigt. Es entsteht eine schmerzende Hautrötung. Zusätzlich kann die Haut im betroffenen Hautabschnitt anschwellen. Typisch ist auch, dass die Rötung vorübergehend verschwindet, wenn wir die betroffene Hautstelle vorsichtig mit einem sterilen Glasspatel herunterdrücken.
  • Verbrennung 2. Grades: Charakteristisch sind ein weisslicher Untergrund, leicht raue Wundränder und eine Rötung, die auf Druck kaum verblasst. Die Wundfläche glänzt weniger und die Schmerzintensität ist geringer. Bei Verbrennungen des Grades 2b bleiben meist Narben zurück.

Abhängig von der Dauer und Intensität der Hitzeeinwirkung unterscheiden Fachleute bei Verbrennungen 2. Grades zwischen Verbrennungen der Grade 2a und 2b:

  • Verbrennung Grad 2a: Hier zeigen sich häufig geschlossene Brandblasen. Reissen diese ein, wird ein nässender Wundgrund sichtbar, der gerötet und schmerzempfindlich ist. Die Wundfläche ist feucht und glänzend. Verbrennungen des Grades 2a heilen normalerweise ohne Narben ab.
  • Verbrennung Grad 2b: In diesem Fall sind die Brandblasen aufgerissen. Charakteristisch sind ein weisslicher Untergrund, leicht raue Wundränder und eine Rötung, die auf Druck kaum verblasst. Die Wundfläche glänzt weniger und die Schmerzintensität ist geringer. Bei Verbrennungen des Grades 2b bleiben meist Narben zurück.
  • Verbrennung 3. Grades: Bei einer Verbrennung dritten Grades sind Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis / Corium) vollständig zerstört. Dadurch ist die Haut trocken, lederartig verdickt und kann weisslich bis bräunlich verfärbt sein. Auch die Schmerzsensoren in der Haut sind zerstört, wodurch Berührungen nicht als schmerzhaft empfunden werden.
  • Verbrennung 4. Grades: Bei dem höchsten Schweregrad sind nicht nur die tiefen Hautschichten, sondern auch darunterliegende Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke geschädigt. Das Gewebe ist meist verkohlt und schwarz verfärbt. Betroffene mit Verbrennungen vierten Grades empfinden lokal meist keinen Schmerz, da die Nervenfasern in der Haut geschädigt sind.
Illustration Verbrennungsgrade 1-3 auf der Haut

Verbrennungen ersten, zweiten und dritten Grades

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Eine schnelle und richtige Erste Hilfe kann den Verlauf einer Verbrennung oder Verbrühung positiv beeinflussen und dazu beitragen, Folgeschäden zu vermeiden. Ziel der ersten Massnahmen ist es, die weitere Einwirkung von Hitze zu stoppen, bei klein flächigen Verletzungen die betroffene Haut lokal zu kühlen und die Wunde stets vor Infektionen zu schützen.

Hitzeeinwirkung beenden

Zunächst sollte die Hitzequelle entfernt werden. Betroffene sollten sich aus dem Gefahrenbereich begeben. Heisse Kleidung, Schmuck oder andere Gegenstände sollten vorsichtig entfernt werden, sofern diese nicht mit der Haut verklebt sind. Fest haftende Materialien dürfen nicht gewaltsam entfernt werden, da dies zu zusätzlichen Gewebeschäden führen kann.

Brandwunde kühlen

Sofern nur eine klein flächige Verletzung vorliegt, kann die betroffene Hautstelle möglichst rasch mit lauwarmem Leitungswasser (etwa 15 bis 20 °C) für ungefähr 10 bis 20 Minuten gekühlt werden. Das Kühlen kann dazu beitragen, Schmerzen zu lindern und ein Fortschreiten der Gewebeschädigung zu begrenzen.

Dabei ist zu beachten, dass kein kaltes Wasser oder Eis verwendet wird, da dies die Haut zusätzlich schädigen kann. Zudem sollte nur die betroffene Körperstelle gekühlt werden, um eine Unterkühlung zu vermeiden. Dies gilt insbesondere bei Kindern.

Wunde abdecken

Nach dem Kühlen sollte die Verbrennung mit einer sterilen, nicht haftenden Wundauflage oder einem sauberen Tuch abgedeckt werden. Dadurch wird die Wunde vor äusseren Einflüssen und Infektionen geschützt.

Brandblasen sollten nicht selbst geöffnet werden, sondern fachmännisch unter sterilen Kautelen, um das Risiko einer Infektion nicht zu erhöhen.

Wichtig: Hausmittel wie Öle, Salben, Mehl oder Zahnpasta sollten nicht auf die Wunde aufgetragen werden, da sie die Haut zusätzlich schädigen und das Infektionsrisiko erhöhen können.

Wann eine sofortige medizinische Hilfe erforderlich ist

In bestimmten Fällen ist eine rasche medizinische Versorgung erforderlich. Dies gilt insbesondere, wenn:

  • grössere Hautflächen betroffen sind
  • Gesicht, Hände, Füsse oder der Genitalbereich verletzt sind
  • die betroffene Person bewusstlos ist oder Atembeschwerden auftreten
  • der Verdacht besteht, dass heisser Rauch oder Dampf eingeatmet wurde
  • die Verbrennung durch Strom oder chemische Substanzen verursacht wurde

In diesen Situationen sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Diagnose bei Verbrennungen

Bei einer Verbrennung oder Verbrühung werden wir zunächst die Brandwunde begutachten, um Umfang und Schweregrad der Verletzung zu ermessen.

Um herauszufinden, welche Art der Verbrennung vorliegt, werden wir Sie nach dem Hergang der Verletzung befragen. Wichtige Anhaltspunkte für die Diagnose liefern Ihr Befinden sowie Ihre Bewusstseinslage, Atmung und Herz-Kreislauf-Funktion.

Verbrannte Körperoberfläche beurteilen: Neuner Regel

Das Ausmass der Verbrennung schätzen wir anhand der Grösse der betroffenen Fläche. Dieser Wert wird in Prozent der gesamten Körperoberfläche angegeben. Für eine schnelle Einschätzung des Verbrennungsausmasses hat sich die sogenannte Neuner-Regel bewährt. Hierbei wird der Körper in Bereiche eingeteilt, die jeweils etwa neun Prozent (oder ein Vielfaches davon) der gesamten Körperoberfläche ausmachen.

  • Kopf und Hals: 9 %
  • Arm: 9 %
  • Bein: 18 %
  • Brust und Bauch: 18 %
  • Rücken: 18 %
  • Genitalregion: 1 %

Eine Verbrennung bei Kindern schätzen wir anhand einer anderen Formel. Bei ihnen ist der Kopf im Verhältnis zum Körper grösser als bei Erwachsenen, aber die Arme und Beine verhältnismässig kurz.

Bildgebende Verfahren bei Inhalationstrauma

Je nach Art der Verbrennung oder Verbrühung können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Besteht der Verdacht, dass die betroffene Person heissen Dampf oder Rauch eingeatmet hat, erfolgt eine Laboruntersuchung und allenfalls eine Endoskopie der oberen Atemwege, um ein sogenanntes Inhalationstrauma festzustellen. Dabei untersuchen wir die Luftwege des Patienten oder der Patientin mit Hilfe eines Endoskops auf mögliche Schädigungen. Bei Verbrennungen im Gesicht wird häufig eine Augenärztin oder ein Augenarzt, oder eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder ein HNO-Arzt hinzugezogen.

Verbrennungen: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Verbrennungen oder Verbrühungen können Sie in vielen Fällen vermeiden, indem Sie sich umsichtig und vorausschauend verhalten.

Seien Sie bei Kleinkindern aufmerksam. Das gilt insbesondere, wenn sie laufen lernen und sich dabei an anderen Dingen festhalten oder aus Neugierde Dinge erkunden. Dabei kann das Kind leicht heisse Getränke umstossen oder Kochtöpfe herunterreissen. Vorsicht auch vor heissen Ofentüren. Verringern können Sie das Risiko von Verbrühungen und Verbrennungen, indem Sie mögliche Gefahrenquellen beseitigen oder durch Schutzgitter abschirmen.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten neben Verbrühungen durch heisse Flüssigkeiten oder Verbrennungen beim Kochen oder Backen im Ofen häufig Verbrennungen durch Grillunfälle auf. Achten Sie daher auf einen sachgemässen Umgang mit Grillgeräten und verzichten Sie auf flüssige Brandbeschleuniger wie Spiritus.

Ältere Menschen erleiden dagegen häufiger bei Wohnungsbränden Verbrennungen. Seien Sie daher vorsichtig mit möglichen Feuerquellen wie Kerzen oder Zigaretten. Eine unterschätzte Gefahrenquelle für Verbrühungen ist zu heisses Wasser in der Badewanne, wenn man nicht rasch genug wieder aus der Wanne steigen kann. Daher sollten Sie vor einem Bad stets die Temperatur überprüfen.

Verlauf und Heilungsdauer von Verbrennungen

Der Verlauf einer Verbrennung oder Verbrühung hängt davon ab, wie schwer das Gewebe geschädigt ist und wieviel Haut betroffen ist. Auch das Alter und eventuelle Vorerkrankungen der betroffenen Person spielen eine Rolle. So kann beispielsweise eine Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) die Wundheilung erschweren.

Bei kleinflächigen Verbrennungen und oberflächlichen Verletzungen ist die Prognose in der Regel gut. Diese heilen oft ohne Komplikationen und ohne bleibende Schäden ab. Dagegen kann eine schwere Verbrennung die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Das gilt besonders dann, wenn sichtbare Narben entstehen, die Beweglichkeit eingeschränkt ist oder dauerhafte Schmerzen bestehen. Wichtig für die Prognose ist bei schweren Verbrennungen daher nicht nur die medizinische Behandlung der Brandwunden und eventuell eine Physiotherapie, sondern auch eine psychologische Betreuung.

Behandlung der Verbrennung je nach Ausmass und Schweregrad

Die Behandlung einer Verbrennung oder Verbrühung richtet sich zum einen danach, ob diese gerade passiert ist oder bereits vor einiger Zeit. So ist bei einer akuten Verbrennung oder Verbrühung eine schnelle und richtige Erste Hilfe wichtig.

Zum anderen spielen das Ausmass und der Schweregrad der Verbrennung eine wichtige Rolle. Bei stärkeren Verbrennungen können eine Behandlung im Spital und eine längere Nachbehandlung erforderlich sein.

Häufige Fragen zum Thema Verbrennung & Brandverletzung

Bei einer Verbrennung zweiten Grades sollten Sie die Wunde sofort mit lauwarmem Wasser kühlen (sofern kleinflächig, da ansonsten ein zu starkes Auskühlen des Körpers droht) und steril abdecken. Öffnen Sie Brandblasen nicht selbst. Da tiefere Hautschichten betroffen sind und ein Infektionsrisiko besteht, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Die wirksamste Sofortmassnahme ist das Kühlen der betroffenen Haut mit lauwarmem Wasser für 10 bis 20 Minuten. Dadurch wird die Hitze aus dem Gewebe abgeleitet und die Ausbreitung der Verletzung begrenzt.

Hausmittel wie Öl, Mehl oder Zahnpasta sollten nicht verwendet werden, da sie die Wunde zusätzlich schädigen können.

Der Schweregrad lässt sich anhand typischer Merkmale erkennen:

  • Grad 1: Rötung, Schmerzen, keine Blasen
  • Grad 2: Blasenbildung, starke Schmerzen
  • Grad 3: weissliche oder verkohlte Haut, oft keine Schmerzen
  • Grad 4: tiefgehende Zerstörung bis zu Muskeln oder Knochen

Eine genaue Beurteilung sollte durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn:

  • Blasen entstehen
  • grosse Hautflächen betroffen sind
  • empfindliche Bereiche betroffen sind (Gesicht, Hände)
  • Anzeichen einer Infektion auftreten
  • die Schmerzen stark sind oder nicht nachlassen

Verbrennungen werden dann gefährlich, wenn tiefere Hautschichten betroffen sind, grosse Körperflächen verbrannt sind oder lebenswichtige Funktionen beeinträchtigt werden. Besonders gefährlich sind Verbrennungen mit Inhalationstrauma oder Infektionen.

Unbehandelte Verbrennungen können sich infizieren, schlechter heilen und dauerhafte Narben verursachen. In schweren Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einer Blutvergiftung oder Kreislaufversagen kommen.

Ja. Da die Haut als Schutzbarriere beschädigt ist, können Bakterien in den Körper eindringen und eine Infektion verursachen. In schweren Fällen kann sich daraus eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordert.

Das Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen hängt nicht nur vom Anteil der verbrannten Haut ab, sondern auch vom Alter der betroffenen Person, dem Schweregrad der Verbrennung und möglichen Begleitverletzungen.

Bei Erwachsenen gelten Verbrennungen ab etwa 20 Prozent der Körperoberfläche als potenziell lebensbedrohlich. Bei Kindern, älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen kann bereits ein geringerer Anteil kritisch sein.

Entscheidend ist neben der betroffenen Fläche auch die Tiefe der Verbrennung sowie mögliche Schäden der Atemwege.

Schwere Verbrennungen können mehrere lebenswichtige Funktionen des Körpers beeinträchtigen. Eine wesentliche Ursache ist der Verlust der Haut als natürliche Schutzbarriere. Dadurch kann es zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust sowie zu Infektionen kommen.

Zusätzlich können Verbrennungen Entzündungsreaktionen im gesamten Körper auslösen, die den Kreislauf und die Organfunktion beeinträchtigen. Werden heisser Rauch oder Dampf eingeatmet, können auch die Atemwege geschädigt werden, was die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt.

Dank moderner medizinischer Versorgung können heute auch schwere Verbrennungen oft erfolgreich behandelt werden, insbesondere wenn frühzeitig eine spezialisierte Therapie erfolgt.