Eine Lungentransplantation kann für Patientinnen und Patienten mit einer schweren Lungenerkrankung zur letzten Hoffnung werden. Im USZ erhielten bereits über 700 Patientinnen und Patienten eine Spenderlunge. Isabelle Schmitt-Opitz ist Klinikdirektorin der Thoraxchirurgie am USZ und eine der Fachpersonen, die Lungentransplantationen durchführt. Im Interview beantwortet sie die häufigsten Fragen:
Wie viele Lungentransplantationen führt das USZ jährlich durch?
Im Jahr 2024 waren es 37 Patientinnen und Patienten – das ist die höchste Zahl, welche in einem Schweizer Zentrum erreicht werden konnte.
Verglichen mit anderen Organtransplantationen: Wie komplex ist die Transplantation einer Lunge?
Bei uns und in anderen erfahrenen Zentren ist diese Operationstechnik etabliert. Sehr speziell dabei ist, dass das verpflanzte Organ in offener Verbindung zur Umwelt verbleibt. Das heisst, es ist nicht wie beispielsweise ein Herz im Innern des Körpers eingeschlossen, sondern durch die Atemwege mit der «Aussenwelt» verbunden.
Wie lange dauert es, bis eine passende Spenderlunge gefunden wird und wie viel Zeit bleibt den Patientinnen und Patienten in der Regel, wenn sie auf der Warteliste stehen?
Die mittlere Wartezeit auf eine Spenderlunge beträgt im USZ 142 Tage. In der Regel verlangt der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten innerhalb einiger Monate eine Transplantation, in Situationen mit besonderer medizinischer Dringlichkeit muss die Operation bereits innerhalb ein paar Wochen stattfinden.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass rechtzeitig ein passendes Organ gefunden und transplantiert werden kann?
In der Regel geht das gut. Die sogenannte «Wartelistesterblichkeit» lag in den letzten Jahren unter fünf Prozent.
Was folgt nach der Operation? Wie lange muss man in Spitalpflege bleiben?
Im Regelfall sind es drei Tage auf der Intensivstation und weitere zwei Wochen auf der Normalabteilung. Im Anschluss erfolgt die Rehabilitation.
Welches sind die grössten Risiken für Transplantierte?
Im ersten Jahr sind es die Infektionen, im späteren Verlauf die chronische Abstossung des Organes. In beiden Fällen ist für eine effektive Behandlung die Früherkennung wichtig, genau deswegen sollten Transplantierte lebenslang an ein erfahrenes Transplantationszentrum angebunden bleiben.
Es kann nach einer Transplantation auch zu einer Lungenembolie kommen, warum kann das passieren?
Es ist eine seltene, aber gefürchtete Komplikation, weil besonders in der frühen Phase nach der Transplantation die neue Lunge dadurch massiv geschädigt werden kann. In vielen Fällen finden sich die bekannten Risikofaktoren für eine erhöhte Blutgerinnung dahinter.
Welche Einschränkungen haben Patientinnen und Patienten mit einer transplantierten Lunge, was empfehlen Sie?
Die Einschränkungen nach einer Lungentransplantation sind überschaubar und dienen dazu, das Infektionsrisiko zu verringern. So ist es beispielsweise ratsam, in der Grippesaison ein überfülltes Tram zu meiden. Abgesehen davon gilt: Fast alles ist möglich – 2017 schafften es sogar neun Lungentransplantierte, den Kilimanjaro zu besteigen.
Wie hoch ist die Lebenserwartung nach einer Transplantation?
Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt in der Regel bei über 60 Prozent, in spezialisierten Zentren sogar bei mehr als 80 Prozent. Besonders eindrucksvoll ist das Beispiel einer unserer Patientinnen, die auch über 30 Jahre nach ihrer Lungentransplantation noch lebt.
Führen Sie auch Transplantationen mit Lebendspenden durch?
Theoretisch ist das in bestimmten Fällen möglich, die Anzahl dieser Eingriffe hat sich in den letzten 20 Jahren aber weltweit drastisch vermindert, weil durch neue Verfahren mehr Spenderlungen zur Verfügung stehen.