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Ich wünsche mir einen offenen Austausch und gegenseitiges Verständnis

Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2023 Erstmals publiziert am 05. Oktober 2023

Malcolm Kohler erklärt im Interview, was ihm in der Zusammenarbeit mit den zuweisenden Ärztinnen und Ärzten wichtig ist.

Malcolm Kohler, seit gut einem Jahr sind Sie Ärztlicher Direktor des USZ. Was dürfen unsere zuweisenden Ärztinnen und Ärzte von Ihnen erwarten?

Was ich den Zuweisenden versichern kann: Ich verstehe ihre Bedürfnisse. Ich war während meiner Weiterbildung selbst in einer Hausarztpraxis tätig und weiss aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, die richtige Anlaufstelle für Auskünfte oder Zuweisungen im Spital zu kennen. Deshalb ist die Verbesserung der Interaktionen der Kliniken mit Zuweisenden sowie Patienten und Patientinnen eines meiner grossen Anliegen. 

Ein in der Vergangenheit oft genannter Kritikpunkt ist die mangelnde Erreichbarkeit der Kaderärzte am USZ.

Unsere Kaderärzte sind stark eingebunden und können deshalb nicht jederzeit ans Telefon. Umso wichtiger ist eine gut geplante und verlässliche Kommunikation. Wenn der Kollege oder die Kollegin weiss, dass ich innerhalb weniger Stunden zurückrufen werde, erübrigen sich mehrmalige Versuche eine zuständige Person zu erreichen. Hier gibt es bestimmt noch Verbesserungspotenzial. Umso wichtiger ist es aber auch, dass wir wissen, was aus Sicht der Zuweisenden gut läuft und was weniger. Daher bedanke ich mich bei allen, die an unserer Befragung bereits teilgenommen haben. Und ich würde mich freuen, wenn alle anderen dies noch tun.

 

Einige Kritikpunkte sind allerdings schon länger bekannt. Wieso soll das nun ändern?

Die Ärztliche Direktion und die ärztliche Führungslinie sind kürzlich neu aufgestellt worden. Als Ärztliche Direktion haben wir nun ganz andere Möglichkeiten, die Kliniken zu unterstützen, aber auch Anpassungen und Standardisierungen wo immer möglich und nötig einzufordern. Das beginnt langsam Früchte zu tragen. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Das USZ ist und bleibt ein grosses und auch komplexes Spital. Unsere Prozesse werden kaum je so schlank sein können, wie dies in einer Praxis oder einem kleinen Spital mit eingeschränktem Behandlungsspektrum möglich ist.

 

Was wünschen Sie sich umgekehrt von den Zuweisenden?

Unser gemeinsames Anliegen ist die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dazu gehört auch, dass wir klären, welche Behandlungen ein Universitätsspital übernimmt und was eher durch Partnerspitäler und die Nachsorgenden geschieht. Ich führe deshalb derzeit viele Gespräche und wir sind daran, unsere Leistungen im Rahmen der Medizinstrategie des USZ kritisch zu überprüfen. Was meine Erwartungen an die Zuweisenden anbelangt, sind es vor allem zwei Dinge: Ich wünsche mir einen offenen Austausch und gegenseitiges Verständnis. Das ist die Basis für eine vertrauensvolle, gute und nachhaltige Partnerschaft.

Malcolm Kohler, Prof. Dr. med.

Ärztlicher Direktor

Tel. +41 44 255 86 48
Spezialgebiete: Allgemeine Pneumologie (insbes. Chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), Asthma), Schlafassoziierte Atmungsstörungen und Beatmung, Atemgasanalystik