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Migräne und Hormone

Publiziert am 22. Januar 2024

Etwa 10 bis 14 Prozent aller Frauen leiden unter einer menstruationsassoziierten Migräne. Eine spezielle Sprechstunde für hormonelle Migräne am USZ bietet ihnen Behandlungsmöglichkeiten an.

Kopfschmerzen und insbesondere Migräne treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Aber nicht, weil Frauen wehleidiger wären. Bis zur Pubertät tritt Migräne unter Mädchen und Jungen gleich verteilt auf, erst danach verschiebt sich die Häufigkeit, und Frauen sind dreimal öfter betroffen als Männer. Nach den Wechseljahren ändert das Verhältnis erneut; es leiden dann weniger, aber immer noch etwa doppelt so viele Frauen an Migräne als Männer.

Frauen sind anfälliger für Migräne

Die Gynäkologin Gabriele Merki hat sich in ihrer klinischen Tätigkeit und in der Forschung intensiv mit dem Thema hormonelle Migräne auseinandergesetzt. Sie ist Migränespezialistin und leitet die Sprechstunde für hormonabhängige Migräne an der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am USZ. «Bei den menstruellen Migränen spielt der Abfall der Östrogene, also der weiblichen Geschlechtshormone, vor der Regelblutung eine wichtige Rolle», erklärt sie. «Aber östrogenhaltige Verhütungsmittel können bei dafür anfälligen Frauen auch eine Migräne auslösen oder verschlimmern.» Während einer Schwangerschaft und nach der Menopause findet kein Östrogenabfall mehr statt; die Migräneattacken treten dann bei vielen Frauen seltener auf oder die Migräne verschwindet ganz.

Migräne und Begleiterkrankungen richtig erkennen

«Es ist nicht immer leicht, Migränen von normalem Kopfschmerz zu unterscheiden», sagt Gabriele Merki. «Für eine wirksame Therapie ist die sorgfältige Abklärung aber Grundlage.» Dafür ist es erforderlich, dass die Patientinnen mindestens zwei Monate lang ein speziell dafür entwickeltes, detailliertes Tagebuch führen, in dem sie unter anderem festhalten, wann und bei welcher Aktivität Kopfschmerzen aufgetreten sind, wie lange diese anhalten, welche Schmerzintensität sie empfunden haben und ob und welche Begleitsymptome mit den Kopfschmerzen verbunden waren. 10 bis 20 Prozent der Migränepatientinnen leiden zusätzlich zur Migräne an Depressionen oder einer Endometriose. «Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, diese zusätzlichen Krankheiten zu erkennen und die Therapie auch darauf abzustimmen», erklärt Gabriele Merki.

Individuell zugeschnittene Therapie

Nach der Abklärung bespricht Gabriele Merki mit ihren Patientinnen die Behandlungsmöglichkeiten. «Gerade die menstruelle Migräne spricht auf die üblichen Migränemedikamente nicht an», erläutert sie. Anderseits kann sich durch spezielle Hormone auch die Anzahl der nichtmenstruellen Migräneattacken reduzieren. Menstruelle Migränen können häufig mit bestimmten Gelbkörperhormonpräparaten behandelt werden oder indem man den Hormonabfall am Zyklusende verhindert. Wichtig ist es, vor der Therapie mögliche Risiken abzuklären und durch die passende Behandlung zu minimieren. So haben Migränepatientinnen und -patienten ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, vor allem jene, die unter Migräneanfällen mit einer Aura leiden, also Anfällen, die mit Wahrnehmungs- oder Sensibilitätsstörungen verbunden sind. Für die Diagnose und um die für die Patientinnen optimale Therapie festzulegen, arbeitet Gabriele Merki deshalb eng mit den Spezialistinnen und Spezialisten der interdisziplinären Kopfwehsprechstunde und der Klinik für Neurologie am USZ zusammen.

Migräne ganzheitlich angehen

Migräne kann bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Die Krankheit, auch die damit verbundene psychische Belastung kann die Lebensqualität enorm einschränken. Gabriele Merki setzt auf eine ganzheitliche Behandlung. Neben der bewährten medikamentösen Therapie können auch Entspannungstechniken und Bewegung hilfreiche Ergänzungen sein. Am USZ steht dafür ein auf Kopfschmerzen und Migräne spezialisiertes Team der Physiotherapie bereit.

Gabriele Merki, Prof. Dr. med.

Oberärztin, Klinik für Reproduktions-Endokrinologie

Tel. +41 44 255 50 07
Spezialgebiete: Familienplanung, Migräne