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Mit Robotertechnik in die Zukunft

Zuletzt aktualisiert am 24. Mai 2022 Erstmals publiziert am 14. Januar 2022

Die Klinik für Urologie operiert häufig roboterassistiert. Daniel Eberli prägte die Einführung der innovativen Operationstechnik am USZ mit und will als Klinikdirektor das robotische Know-how im Team laufend weiterentwickeln.

Einer riesigen Spinne gleich winden sich die vier Arme des Operationsroboters um Daniel Eberli. Aber nur für das Foto. Bei Eingriffen steht der Klinikdirektor am Bedienterminal und dirigiert die Roboterarme, an denen filigranes Feinwerkzeug steckt. «Wir operieren roboterassistiert punktgenauer, als meine Hand es je könnte.» Die Schere beispielsweise verfügt über Klingen, die nicht mal die Grösse des kleinsten Victorinox-Taschenmessers haben. Zehn Jahre Praxiserfahrung, 450 Eingriffe per Roboter und Zertifizierungen für spezielle Robotikmethoden zeichnen den neuen Mann an der Spitze der Klinik für Urologie aus.
Seine Begeisterung für roboterassistierte Operationstechnik kommt nicht von ungefähr. «In der Urologie erkannten wir die Vorteile für unsere Patientinnen und Patienten früh. Beim Eingriff verlieren sie praktisch kein Blut, wir können sehr präzise arbeiten, und die Erholungszeit verkürzt sich massiv.» Dass durch die neuen technologischen Möglichkeiten Organe und Gewebe erhalten werden können, ist ein weiterer Vorteil. Nicht ohne Grund gehört die Klinik für Urologie des USZ schweizweit zu den innovativsten Playern mit grosser Entwicklungskraft und zieht sowohl Auszubildende als auch Patienten aus der ganzen Welt an.

Wissenstransfer im Team

Das technische Know-how entwickelt sich indessen rasant weiter. «Ich erwarte, dass in jedem unserer Fachbereiche mindestens zwei Teammitglieder Weltklasse sind.» Dabei setzt Daniel Eberli auf Austausch und Wissenstransfer. Bei Einsätzen in ausländischen Kliniken sollen sich die Chirurgen neues technologisches Wissen aneignen, die erworbenen Techniken zurück ans USZ bringen und im Team laufend weiterentwickeln.
Mit der roboterassistierten Chirurgie kommt Daniel Eberli auch klar dem Wunsch seiner Hauptklientel nach. 75 Prozent seiner Patienten sind männlich und befinden sich in der zweiten Lebenshälfte. «Viele Männer sind technikaffin und erwarten bei Eingriffen modernstes Gerät.» 6000 neue Fälle von Prostatakrebs werden in der Schweiz jährlich registriert. 1500, meist betagte Männer, sterben daran. «Sehr viele Patienten können demnach erfolgreich behandelt werden», so Daniel Eberli.

Stammzellen zur Therapie von Harninkontinenz

Auch Frauen wenden sich an die Klinik für Urologie, wenn sie auch klar in der Minderheit sind. Ihre Beschwerden drehen sich hauptsächlich um Erkrankungen an den Nieren oder um Harninkontinenz. «Inkontinenz ist schambehaftet und gehört immer noch zu den Tabuthemen», moniert Klinikdirektor Daniel Eberli. Alleine in der Schweiz geht man von über 400’000 betroffenen Frauen und Männern aus. Grund dafür kann eine Schwächung des Beckenbodens oder des Blasenschliessmuskels sein. Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum, ein gemeinsames Angebot verschiedener Kliniken des USZ, bietet dahingehende Therapiemöglichkeiten an.
Mit der Stammzellforschung widmet sich das klinikeigene Forschungslabor allerdings einem neuen Therapieansatz bei Harninkontinenz. Stammzellen können nämlich die Muskelfunktion des Gewebes übernehmen, in das sie eingepflanzt werden. «Werden nun Stammzellen in den Blasenschliessmuskel implantiert, entwickeln sie sich zu Schliessmuskelzellen», erklärt Daniel Eberli. In dieser Forschungsarbeit ist das USZ weltweit führend. Derzeit läuft die erste klinische Studie mit 60 Probandinnen. «Wir sehen darin grosses Potenzial für eine dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität unserer Patientinnen.»

Hand in Hand: Technik und Forschung

Dass die Urologie um die Jahrtausendwende vor wichtigen Entwicklungsschritten stand, beeinflusste Daniel Eberli massgeblich bei der Wahl seiner medizinischen Fachrichtung. Tullio Sulser, sein Vorgänger als Klinikleiter, wurde sein Mentor und förderte insbesondere Eberlis zweiten fachlichen Schwerpunkt, die Stammzellforschung. Das Wissen dazu erwarb Daniel Eberli in einem Forschungsjahr an der Harvard Medical School in Boston und einem dreijährigen PhD in Molekularer Medizin an der Wake University in North Carolina. Nach seiner Rückkehr 2008 baute er am USZ das Forschungslabor für die Stammzellforschung auf.
Der Rollenwechsel zum Klinikdirektor ist für Daniel Eberli ein spannender Perspektivenwechsel. «Tullio Sulser sah stets das grosse Bild und trieb mich weiter an, wenn ich in der Forschung oder der Technik steckenzubleiben drohte. Jetzt ist es an mir, mein Team zu motivieren und dabei in die Zukunft zu blicken.»

Abseits der Spitzenmedizin: Entwicklungszusammenarbeit

Neben den technologischen Fortschritten in der Spitzenmedizin legt Daniel Eberli grossen Wert auf die Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam mit seinem Team baute er im vergangenen Jahr im togolesischen Universitätsspital in Kara die Infrastruktur für moderne Behandlungsmöglichkeiten bei gutartigen Prostatavergrösserungen auf, schulte das Personal und führte erfolgreich erste Eingriffe durch. «Um dort Leben zu retten, braucht es Herz und Handwerk, keine Roboter», erklärt Daniel Eberli.

Kontakt

Daniel Eberli, Prof. Dr. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Urologie

Tel. +41 44 255 54 01
Spezialgebiete: Prostatakarzinom: 3D Prostatabiopsien (MRI-Fusion, Stereotaktisch), DaVinci Robotik und Laparoskopie, HIFU (High Intensity Focused Ultrasound), Robotische Chirurgie (Niere und Blase), Therapie der gutartigen Prostatavergrösserung

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