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Neue Studie zur Präzisionsonkologie: Multi-Omics-Analyse erweitert Therapieoptionen beim Melanom

Analyse aus dem Tumor Profiler Projekt zeigt: Personalisierte Therapieentscheidungen erhöhen nicht das Risiko schwerer Nebenwirkungen.

Eine umfassende molekulare Analyse von Tumoren kann helfen, die Behandlung von Menschen mit fortgeschrittenem Melanom besser auf die einzelnen Patientinnen und Patienten abzustimmen – ohne dabei das Risiko schwerer Nebenwirkungen zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie aus dem Tumor Profiler Projekt, die im Fachjournal JCO Precision Oncology veröffentlicht wurde.

In den vergangenen Jahren haben zielgerichtete Therapien und Immuntherapien die Behandlung des Melanoms – auch schwarzer Hautkrebs genannt – stark verändert. Dennoch bleibt die Erkrankung oft schwierig zu behandeln. Tumoren unterscheiden sich biologisch stark voneinander, und nicht alle Patientinnen und Patienten sprechen gleich gut auf eine Therapie an. Zudem können Tumoren im Verlauf der Behandlung Resistenzen entwickeln.

Die Präzisionsonkologie verfolgt deshalb das Ziel, Therapien stärker an die biologischen Eigenschaften eines individuellen Tumors anzupassen. Das Tumor Profiler Projekt nutzt dafür besonders umfassende molekulare Analysen des Tumorgewebes.

 

„Je besser wir die biologischen Eigenschaften eines Tumors verstehen, desto gezielter können wir Therapien auswählen. Die Ergebnisse zeigen, dass dieser datenbasierte Ansatz zusätzliche Therapieoptionen eröffnen kann, ohne die Sicherheit der Behandlung zu beeinträchtigen.“

Andreas Wicki, Leitender Arzt, Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie, Founding Principal Investigator, Tumor Profiler Center

Umfassendere Tumoranalysen unterstützen Therapieentscheidungen

Im Zentrum der Studie steht ein Ansatz, der als Multi-Omics-Profiling bezeichnet wird. Dabei werden Tumoren mit mehreren modernen Technologien gleichzeitig untersucht, um ein möglichst vollständiges Bild ihrer molekularen Eigenschaften zu erhalten.

Für die Analyse verglichen die Forschenden Behandlungen von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Melanom, bei denen Therapieentscheidungen durch Multi-Omics-Daten unterstützt wurden, mit einer vergleichbaren Gruppe von Behandlungen ohne umfassendes Tumorprofiling. Insgesamt wurden 98 Behandlungen aus dem Tumor Profiler Projekt mit 98 sorgfältig gematchten Behandlungen aus der Vergleichsgruppe gegenübergestellt.

Beide Gruppen wurden im selben klinischen Umfeld betreut, wodurch sich Unterschiede in der medizinischen Versorgung weitgehend ausschliessen liessen.

Schwere Nebenwirkungen bleiben gleich häufig

Die Auswertung zeigte, dass schwere Nebenwirkungen in beiden Gruppen ähnlich häufig auftraten. Rund 40 Prozent der Behandlungen führten zu Nebenwirkungen höheren Schweregrades – ein Wert, der sowohl in der Gruppe mit Multi-Omics-gestützter Therapie als auch in der Vergleichsgruppe vergleichbar war.

Damit deutet die Studie darauf hin, dass die Nutzung umfangreicher molekularer Daten – selbst wenn sie zu zusätzlichen oder ungewöhnlicheren Therapieoptionen führt – nicht mit einem erhöhten Risiko schwerer Komplikationen verbunden ist.

Mehr leichte Nebenwirkungen – aber kürzerer Verlauf

In der Gruppe mit Multi-Omics-gestützter Therapie wurden insgesamt etwas mehr Nebenwirkungen registriert. Dabei handelte es sich jedoch überwiegend um mildere Ereignisse, etwa Fieber unter zielgerichteten Therapien oder vorübergehende Veränderungen von Leberwerten unter Immuntherapien.

Diese Nebenwirkungen traten häufig früher im Verlauf der Behandlung auf, dauerten im Durchschnitt jedoch kürzer und klangen häufiger vollständig wieder ab als in der Vergleichsgruppe. Auch die Zahl der Spitaleinweisungen sowie die Kosten für die Behandlung von Nebenwirkungen unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen nicht wesentlich.

Mehr therapeutische Möglichkeiten durch detaillierte Tumorprofile

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die Vielfalt der eingesetzten Therapien. Durch die umfassende molekulare Charakterisierung der Tumoren konnten in der Tumor Profiler Gruppe mehr unterschiedliche Therapieansätze eingesetzt werden. Dazu gehörten auch Medikamentenkombinationen oder Behandlungen ausserhalb der etablierten Standardtherapien, beispielsweise im Rahmen klinischer Studien oder als Off-Label-Therapien.

Trotz dieser erweiterten therapeutischen Möglichkeiten blieb das Sicherheitsprofil der Behandlungen vergleichbar mit jenem konventioneller Therapiestrategien.

Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise darauf, dass umfassende molekulare Analysen dazu beitragen können, Therapieentscheidungen stärker zu personalisieren, ohne zusätzliche Risiken für Patientinnen und Patienten zu schaffen. Weitere prospektive Studien sollen nun untersuchen, wie sich dieser Ansatz langfristig auf Behandlungsergebnisse auswirkt.

Andreas Wicki, Prof. Dr. med. Dr. phil.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie

Tel. +41 44 255 21 54
Spezialgebiete: Molekulare Onkologie, Gastrointestinale Onkologie, Neuroendokrine Tumoren

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