Roboter-assistierte Lungenchirurgie

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Roboter-assistierte Lungenchirurgie: 20 Jahre Spitzenmedizin und Präzisionstechnik

Wenn bei einer Lungenerkrankung eine Operation notwendig wird, zählt jeder Millimeter. Am Universitätsspital Zürich kommt dafür seit über 20 Jahren robotisch-assistierte Chirurgie zum Einsatz – heute mit der neuesten Systemgeneration da Vinci 5. Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Universitätsspital Zürich gehört zu den Pionieren der robotisch-assistierten Chirurgie in der Schweiz. Bereits vor mehr als 20 Jahren, zu einer Zeit, als diese Technologie hierzulande noch weitgehend unbekannt war, wurde die OP-Robotik an der Klinik für Thoraxchirurgie erfolgreich eingeführt. Dr. med. Didier Schneiter, heute stellvertretender Klinikdirektor, war der erste Chirurg in der Schweiz, der an der Steuerkonsole eines solchen Systems operierte. Seine langjährige Erfahrung und sein Engagement haben die Entwicklung der robotischen Thoraxchirurgie am USZ entscheidend geprägt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Isabelle Schmitt-Opitz wurden die Einsatzmöglichkeiten seither kontinuierlich erweitert und neue operative Standards etabliert. Heute lässt sich praktisch das gesamte Spektrum der Thoraxchirurgie robotisch durchführen: von häufigen Eingriffen, wie anatomischen Resektionen bis hin zur komplexen, robotisch-assistierten Lungentransplantation.

Diagnose und Operation an einem Tag

Für Betroffene besonders relevant ist das sogenannte One-Stop-Shop-Konzept. Besteht der Verdacht auf einen Lungentumor, musste bisher stets zunächst eine Gewebeprobe entnommen und ausgewertet werden, bevor Wochen später ein Operationstermin folgte. Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten lässt sich dies am USZ nun in einem einzigen Eingriff bündeln: Zunächst wird mittels robotisch gestützter Navigationsbronchoskopie eine Gewebeprobe entnommen und noch während derselben Narkose ausgewertet. Bestätigt sich der Verdacht, folgt direkt im Anschluss die robotisch-assistierte operative Entfernung des Tumors – ohne dass die Patientin oder der Patient aufwacht und ein zweites Mal in Narkose versetzt werden muss. «Dies erspart eine weitere Operation samt zusätzlicher Narkose, was den gesamten Ablauf spürbar schonender macht und den Betroffenen die oft belastende Wartezeit zwischen Diagnose und Behandlung erspart.» erklärt Thoraxchirurgin Olivia Theisen-Lauk.

Da Vinci 5: Erstmals mit Tastsinn

Seit den Anfängen hat sich die robotische Operationstechnik kontinuierlich weiterentwickelt: Bildqualität, Instrumentenführung und Softwareunterstützung wurden immer weiter verbessert. Mit der Einführung der fünften Generation des da Vinci-Systems (da Vinci 5, DV5) gehört das USZ heute zu den ersten Zentren der Schweiz, die über die neueste Technologie verfügen und in naher Zukunft damit arbeiten wird. Die wohl bedeutendste Neuerung: Erstmals erhält der Operateur ein haptisches Feedback – also eine Rückmeldung über die Kraft, die die Instrumente auf das Gewebe ausüben. Bislang war das Fehlen dieses «Tastsinns» einer der wesentlichen Nachteile der robotischen Chirurgie gegenüber klassischen minimalinvasiven Verfahren, bei denen der Operateur direkter spürt, wie viel Druck er auf ein Gewebe ausübt. Kombiniert mit einer dreidimensionalen, hochauflösenden Sicht ins Operationsgebiet, einer Instrumentenführung, die das natürliche Zittern eliminiert und einer sehr hohen Beweglichkeit der Instrumente steigert das haptische Feedback Präzision und Sicherheit während der Operation nochmals deutlich.

Schonende Eingriffe dank Echtzeit-Darstellung

Die robotische Chirurgie verbindet Präzisionstechnologie mit intelligenter Softwareunterstützung – ein entscheidender Vorteil gerade in der Thoraxchirurgie. Besonders anspruchsvoll sind sogenannte anatomische Segmentresektionen: Dabei wird nur eines Lungenlappens entfernt, um einen Tumor vollständig zu beseitigen und gleichzeitig so viel gesundes Lungengewebe wie möglich zu erhalten. Diese Feinarbeit gehört zu den technisch anspruchsvollen Eingriffen der Lungenchirurgie und erfordert exakte präoperative Planung sowie höchste Präzision während der Operation. Wertvolle Unterstützung bietet dabei die integrierte Firefly®-Fluoreszenztechnologie: Nach Gabe eines Fluoreszenzfarbstoffs in die Vene lassen sich die Grenzen zwischen den einzelnen Lungensegmenten in Echtzeit präzise sichtbar machen. Im Gegensatz zu konventionellen Verfahren ist dafür kein Wechsel des Kamerasystems nötig, was den Operationsablauf flüssiger gestaltet und die anatomische Orientierung im Gewebe zusätzlich verbessert.

Erfahrung, die weitergegeben wird

Robotisch-assistierte Thoraxchirurgie ist am USZ heute fester Bestandteil des operativen Spektrums und keine Ausnahmeerscheinung mehr. Damit dieses Wissen nicht an einzelne Personen gebunden bleibt, wird es aktiv weitergegeben: In einem strukturierten Ausbildungsprogramm werden jährlich neue Chirurginnen und Chirurgen ausgebildet. Aktuell verfügt die Klinik über fünf entsprechend ausgebildete Fachpersonen. Diese konsequente Förderung robotischer Expertise sichert eine hohe Behandlungsqualität, ermöglicht kontinuierliche Innovation und trägt zur nachhaltigen Weiterentwicklung minimalinvasiver thoraxchirurgischer Verfahren bei. Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet dies vor allem eines: Sie profitieren am USZ von einer Technologie, die durch Erfahrung, ständige Weiterbildung und den Anspruch auf höchste Qualität getragen wird.

Isabelle Schmitt-Opitz, Prof. Dr. med.

Klinikdirektorin, Klinik für Thoraxchirurgie

Tel. +41 44 255 88 04
Spezialgebiete: Roboterchirurgie, Erweiterte onkologische Resektionen, Pulmonale Endarteriektomie

Didier Schneiter, Dr. med.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Thoraxchirurgie

Tel. +41 43 253 94 36
Spezialgebiete: Thoraxchirurgische Onkochirurgie, Brustwanddeformitäten

Olivia Theisen-Lauk, PD Dr. med.

Leitende Oberärztin, Klinik für Thoraxchirurgie

Tel. 043 253 88 71
Spezialgebiete: Mesotheliomchirurgie, Allgemeine Thoraxchirurgie, Minimal-invasve Chrirugie (VATS +Roboterchirurgie)