Bei einem Prostatakarzinom wird stereotaktische Strahlentherapie als Standardtherapie eingesetzt. Damit soll das Tumorwachstum kontrolliert, der Tumor zerstört oder ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Diese Methode ist sehr zielgenau: Die Strahlen werden aus vielen Richtungen so auf den Tumor gelenkt, dass dieser eine hohe Dosis bekommt, während das umliegende gesunde Gewebe möglichst geschont wird.
Bei der täglich angepassten Strahlentherapie wird vor jeder Bestrahlungssitzung unter Anwendung eines MRT-Simulators eine Aufnahme (MRT-Bildgebung) gemacht. Danach wird der Bestrahlungsplan gemäss der Bildgebung angepasst. Die individuelle Anatomie ist täglich (zumeist kleinen) Änderungen unterworfen, z.B. durch Abnahme des Tumorvolumens im Verlauf der Strahlentherapie, Lage des Darms im Verhältnis zum Tumor, usw. Durch die täglich angepasste Strahlentherapie kann der Bestrahlungsplan unmittelbar vor jeder Bestrahlungssitzung an diese Änderungen angepasst werden. Dadurch erhoffen wir uns eine zielgenauere Bestrahlung des Tumors, Verkürzung der Behandlungs-Dauer bei gleichzeitig besserer Schonung der umliegenden Organe, verglichen mit der nicht stereotaktischen Strahlentherapie.
Je stärker das Magnetfeld eines MRTs, desto höher ist die Bildauflösung, aber desto empfind-licher reagiert es auf Metall im Körper, wie z. B. Ihre Hüftprothesen. Ein MRT mit niedriger Feldstärke macht zwar etwas weniger detailreiche Bilder, ist dafür aber weniger störanfällig für Metallteile. Deshalb ist es besonders gut geeignet für Menschen mit künstlichen Gelenken. In Kliniken, in denen kein MRT-Gerät mit niedriger Magnetfeldstärke zur Verfügung steht, wird zur Behandlung von Prostatakrebs bei Patienten mit beidseitigen Hüftprothesen normalerweise keine stereotaktische Strahlentherapie angewendet. An diesen Kliniken wird die «klassische Strahlenbehandlung», auch normofraktionierte Radiotherapie genannt, angewendet. Bei dieser Art von Behandlung wird der Tumor täglich mit einer kleinen Menge Strahlung behandelt. In dieser Studie untersuchen wir, ob eine solche hochpräzise stereotaktische Bestrahlung auch mithilfe eines MRTs mit niedriger Feldstärke durchgeführt werden kann – also mit einem Gerät, das besser für Patienten mit Metallimplantaten wie Hüftprothesen geeignet ist. Dabei wird der Bestrahlungsplan jeden Tag neu angepasst, je nachdem, wie die inneren Organe und der Tumor sich im Körper verändert haben.
Damit die Strahlendosis genau richtig ist – also weder zu stark noch zu schwach – wird jeder einzelne Bestrahlungsplan vor der Behandlung sorgfältig von Experten überprüft. Ein Team aus Fachleuten für Strahlenphysik und Strahlentherapie stellt sicher, dass die Strahlen dort wirken, wo sie sollen, und gesundes Gewebe möglichst geschont wird.
Ziel der Studie
In dieser Studie untersuchen wir, wie gut die Bestrahlung mittels MRT-Unterstützung in Patienten mit Prostatakarzinom und beidseitigen Hüftprothesen verträglich ist.
Wer kann teilnehmen?
Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs und beidseitigen Hüftprothesen.
Ablauf
Die Teilnahme an dieser Studie umfasst:
• Vorbereitung: 1 bis 2 Tage
• Behandlung (Strahlentherapie): 5 Fraktionen/Behandlungen über 1,5 bis 5 Wochen
• Nachsorge: 5 Jahre
Es sind keine zusätzlichen Studienbesuche erforderlich. Alle Termine, die während dieser Zeit stattfinden, gehören zu Ihrer allgemeinen Behandlung und erfolgen unabhängig von Ihrer Teilnahme an der Studie. Jeder Termin dauert etwa 30-65 Minuten.
Wenn Sie sich entscheiden teilzunehmen, werden Sie mit der Bestrahlung mittels MRT-Unterstützung behandelt:
• 1 zusätzliche MRT ohne Kontrastmittel bei der Simulation/Vorbereitung
Die MRT-Simulation ist eine besondere Form der MRT-Untersuchung. Sie dient nicht dazu, eine Krankheit zu erkennen (also keine Diagnose), sondern hilft bei der Vorbereitung auf eine Strahlentherapie.
An jedem Bestrahlungstag wird wieder eine MRT-Untersuchung durchgeführt (zusätzlicher Zeitaufwand: jeweils ca. 15 Minuten). Danach wird ein neuer Bestrahlungsplan erstellt, basierend auf der aktuellen MRT-Bildgebung. Wenn dieser Bestrahlungsplan die Qualitätsanforderungen erfüllt, werden Sie am selben Tag an einem CT-geführten Bestrahlungsgerät mit dem aktualisierten Bestrahlungsplan behandelt.
Wir werden Sie bitten, nach der Simulationsuntersuchung, sowie nach jeder Bestrahlung einen Fragebogen zum Komfort auszufüllen (zusätzlicher Zeitaufwand: jeweils ca. 5 Minuten).
Die Nachsorge für die Teilnehmenden der Studie nach Abschluss der Strahlentherapie entspricht dem aktuellen klinischen Standard und dauert 5 Jahren.
Entschädigung
Keine
Original Studienname
Feasibility of MRT-Informed Adaptive Marker-less SBRT in Patients with Bilateral Hip Prostheses Undergoing SBRT for Localized prostate Cancer
BASEC-Nummer
2025-01091