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Nicht nur im Winter: So beugen Sie trockener Haut vor

18. November 2022

Gerade in der kalten Jahreszeit trocknet unsere Haut schneller aus. Dabei ist die kalte, trockene Luft nur eine von vielen Ursachen für Hauttrockenheit. Wie Xerodermie entsteht, was wirklich dagegen hilft und wann ein Hautcheck Sinn macht.

Im Winter ist bei vielen Menschen die trockene Haut im Gesicht oder an den Händen quasi vorprogrammiert. Kein Wunder, denn die trockene Luft in geheizten Räumen und zusätzlich die kalte, trockene Luft draussen entziehen unserer Haut viel Feuchtigkeit.

Typisch für trockene Haut ist die Schuppenbildung, wenn sich die oberste Hautschicht verzögert ablöst und es zu einem unangenehmen Spannungsgefühl kommt. Man spricht auch von Xerodermie oder Hauttrockenheit. Sie entsteht, wenn die natürliche Fett- und Feuchtigkeitsregulation der Haut gestört ist oder überstrapaziert wird.

Gesunde, normale Haut ist dank ihrem Wassergehalt weich und elastisch. Die oberste Hautschicht enthält Fette, welche die Verdunstung reduzieren. Dadurch wird die Feuchtigkeit in den tieferen Hautschichten zurückgehalten und die Haut vor Wasserverlust geschützt. Ist zu wenig Fett vorhanden, trocknet die Haut entsprechend schneller aus – insbesondere bei trockener Luft wie im Winter oder in kalten Regionen.

Die häufigsten Ursachen trockener Haut

Nebst der kalten Jahreszeit gibt es zahlreiche weitere Ursachen für trockene Haut. Eine wichtige Rolle spielt das Alter: Ab der zweiten Lebenshälfte sinkt der Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Die Fett- respektive Talgproduktion nimmt allmählich ab und die Haut bindet weniger Feuchtigkeit.

Hauttrockenheit kann aber auch schlicht genetisch bedingt sein. Beispielsweise kann eine geringe Fettproduktion der Haut in der Familie liegen.

Christian Greis, Oberarzt an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich nennt eine weitere häufige Ursache, die im ersten Moment paradox klingt: Wasser. «Wasser spendet der Haut nicht etwa Feuchtigkeit, sondern löst Fette heraus. Wer häufig lange und heiss duscht oder badet, neigt eher zu trockener Haut», sagt Greis. «Verwendet man dann noch herkömmliche oder gar aggressive Seife, entzieht dies der Haut ebenfalls wichtige Fette und die Haut verliert mehr Feuchtigkeit.»

Daneben gibt es weniger häufige Ursachen. Dazu zählen Krankheiten wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Diabetes aber auch Medikamente wie zum Beispiel solche, die die Blutfettwerte senken. «Sie vermindern als Nebenwirkung vereinfacht gesagt auch den Fettgehalt der Haut», sagt Greis.

Gut zu wissen: Im Sommer oder in heissen Regionen, wo die Luftfeuchtigkeit hoch ist, gibt die Haut zwar weniger Feuchtigkeit ab. Die Haut kann aber trotzdem austrocknen, nämlich dann, wenn man im Badeurlaub ständig im Salzwasser schwimmt und an der Sonne liegt.

Warum einige Körperstellen mehr betroffen sind als andere

Besonders häufig entsteht trockene Haut im Gesicht, an den Händen und Füssen, den Ellenbogen, Unterarmen sowie den Unterschenkeln und Schienbeinen. Das hat mehrere Gründe: «Zum einen sind gewisse Hautpartien wie etwa Gesicht oder Hände häufiger den äusseren Einflüssen ausgesetzt, zum anderen ist die Haut an einigen Stellen dünner und damit anfälliger oder sie hat weniger Talgdrüsen, wodurch sie weniger fettet», zählt Greis auf. Diese Faktoren können einzeln oder in Kombination vorkommen.

Die Haut verliert ihre Barrierefunktion

Ist die Haut stark ausgetrocknet, spröde und schuppig, beeinträchtigt dies ihre natürliche Barrierefunktion. «Dadurch kann es zu juckenden Entzündungen und kleinen Rissen in der Haut kommen. Bakterien und Viren können sich auf der Haut leichter vermehren und eindringen», erklärt Greis. Beispiele sind etwa die bakteriell verursachte Borkenflechte oder die virusbedingten Warzen. «Deshalb ist es wichtig, dass man bereits bei ersten Anzeichen von Hauttrockenheit Massnahmen ergreift», betont Greis.

Was hilft und was eher nicht?

Wer trockener Haut vorbeugen möchte oder bereits trockene Haut hat, sollte folgende drei Tipps beherzigen.

  1. Da Wasser und herkömmliche Seife der Haut sowohl Fett als auch Feuchtigkeit entziehen, sollten Sie nicht zu lange und zu heiss duschen oder baden. Verwenden Sie eine milde, pH-neutrale Seife, welche die Haut schont. Das Gleiche gilt fürs Händewaschen. Hier reicht kaltes oder lauwarmes Wasser.
  2. Verwenden Sie nach dem Duschen oder Händewaschen eine rückfettende Bodylotion und Gesichts- beziehungsweise Handcreme. Wer bereits unter trockener Haut leidet, sollte sich zwei- bis dreimal täglich mit rückfettender Lotion eincremen. «Studien zeigen, dass einmal täglich eincremen der Haut kaum etwas bringt», sagt Greis. Man müsse geduldig sein und mehrmals täglich über drei bis vier Wochen eincremen.

Auch wer mehrmals pro Woche im Hallenbad schwimmen geht, sollte sich gut eincremen. «Ansonsten haben sportliche Aktivitäten wie etwa Joggen oder Krafttraining keinen nennenswerten Einfluss auf die Hautfeuchtigkeit», ergänzt Greis.

  1. Da der Körper Flüssigkeit von innen zur Haut leitet, ist es wichtig, dass Sie genug trinken. Gerade in stressigen Zeiten geht das Trinken allzu oft vergessen und im Alter nimmt das Durstgefühl ab, mit der Folge, dass man eher zu wenig trinkt. Achten Sie darauf, täglich etwa zwei Liter Wasser oder ungesüssten Tee zu trinken.

Eine ausgewogene Ernährung ist allgemein gesehen zwar wichtig, jedoch können gesunde Lebensmittel Xerodermie nicht wettmachen.

Wann sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Sie unter anhaltender Hauttrockenheit leiden, welche auch mit einer gewissenhaften Pflege nicht besser wird und die Haut kurze Zeit nach dem Eincremen wieder spannt.
  • Wenn die trockene Haut juckt oder sogar schmerzt, stellenweise gerötet oder entzündet ist, sich Risse oder andere Formen eines Ausschlags bilden.
  • Wenn die Haut kurze Zeit, nachdem Sie ein neues Medikament einnehmen, sichtbar trockener wird oder sich nebst der trockenen Haut andere Beschwerden zeigen wie etwa Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, starker Durst, Haarausfall oder Veränderungen der Nägel.

Die Dermatologische Klinik bietet für solche Fälle den Online-Hautcheck an, eine Sprechstunde mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt. «Damit Patientinnen und Patienten nicht extra vorbeikommen müssen, können sie uns auch Fotos von den betroffenen Hautstellen zeigen», erklärt Greis und fügt an: «Wir machen eine schriftliche Anamnese und besprechen dann weitere Therapiemöglichkeiten.»

Christian Greis MBA, Dr. med.

Oberarzt, Dermatologische Klinik

Spezialgebiete: Dermatochirurgie, Allgemeine Dermatologie, Telemedizin
Tel. +41 44 255 11 11

Verantwortlicher Fachbereich

Dermatologische Klinik