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Unspezifische Symptome – schwierige Diagnose

Zuletzt aktualisiert am 17. Januar 2023 Erstmals publiziert am 16. Januar 2023

Manche Autoimmunkrankheiten haben eindeutige Symptome und zeigen einen typischen Verlauf. Sind die Symptome jedoch unspezifisch, braucht es eine umfassende immunologische Diagnostik und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Text: Helga Kessler

 

Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und Durchfall sind Symptome, die auf eine entzündliche Darmerkrankung hinweisen können. Die Diagnose lässt sich in vielen Fällen mit einer Darmspiegelung und einer Biopsie erhärten. Bei Vorliegen der typischen Krankheitszeichen und Befunde ist auch die Diagnose anderer Autoimmunerkrankungen wie Typ-IDiabetes oder Multiple Sklerose zumeist verlässlich möglich. Schwieriger wird es bei untypischen Verläufen, nicht eindeutigen Befunden oder wenn mehrere Organe betroffen und die Symptome zudem unspezifisch sind. Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust, Gliederschmerzen können Anzeichen einer Sarkoidose oder eines systemischen Lupus erythematodes sein, sie könnten aber auch Folge eines Infekts oder einer Tumorerkrankung sein. Wie kommt man in solchen Fällen zu einer klaren Diagnose? «Oft ist es so, dass wir uns annähern, indem wir zuerst häufige Erkrankungen ausschliessen», sagt Ayla Yalamanoglu, Oberärztin i.V. der Klinik für Immunologie, die auf die Diagnose und Behandlung systemischer Autoimmunerkrankungen spezialisiert ist. «Wir schaffen uns einen Gesamtüberblick, indem wir die vorgängigen Befunde, den bisherigen Verlauf und das aktuelle Beschwerdebild berücksichtigen und entsprechend weitergehende Abklärungen einleiten.» Da sich die Krankheitsbilder häufig in mehreren Organen manifestieren, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Immunoboard des USZ ein wichtiger Bestandteil, um zur Diagnose zu gelangen.

Sarkoidose: eine multisystemische Krankheit

Die Sarkoidose ist eine multisystemische Krankheit, das heisst, es können mehrere Organe gleichzeitig betroffen sein. Die Ursache ist noch ungeklärt. Es wird jedoch vermutet, dass ein bisher unbekanntes Antigen das Immunsystem aktiviert und zu einer Entzündung führt: Dabei werden Granulome gebildet, ein Nest von Entzündungszellen, das versucht, das Antigen zu eliminieren. Meist findet eine spontane Abheilung statt, jedoch kann es auch zu chronischen Verläufen kommen. Das am häufigsten betroffene Organ bei der Sarkoidose ist die Lunge, jedoch kann praktisch jedes Organ, darunter auch das Herz, das zentrale Nervensystem und die Augen, befallen sein. Im Blut können häufig für Sarkoidose typische Entzündungswerte nachgewiesen werden. Um die Diagnose definitiv zu stellen, wird versucht, die typischen Granulome im Gewebe mittels Biopsie nachzuweisen. Nach Diagnosestellung erfolgen eine individualisierte immunsuppressive Therapie sowie regelmässige Verlaufskontrollen, um das Ansprechen zu beurteilen.

Systemischer Lupus erythematodes: spezifische Autoantikörper

Bei einem systemischen Lupus erythematodes können zusätzlich zu den eher unspezifischen Symptomen wie chronische Müdigkeit und Gelenkschmerzen charakteristische Hautveränderungen im Gesicht, das sogenannte Schmetterlingsexanthem, auftreten. Die definitive Diagnose erfolgt über den Nachweis von spezifischen Autoantikörpern im Blut. «Typischerweise können wir beim Lupus sogenannte antinukleäre Autoantikörper und Doppelstrang-DNA nachweisen», sagt Oberarzt i.V. Miro Räber. Weil sich dieser und andere antinukleäre Antikörper gegen den Kern von Zellen richten, können viele Organe geschädigt werden. Entsprechend vielfältig sind die Symptome. Generell bilden sich Autoantikörper, wenn das Immunsystem fälschlicherweise ein körpereigenes Molekül als fremdartig erkennt und eine gezielte Abwehrreaktion einleitet. Manche Autoantikörper sind sehr spezifisch für bestimmte Erkrankungen, so der Doppelstrang-DNA Autoantikörper beim Lupus oder der CCP-Autoantikörper bei der Gelenkerkrankung rheumatoide Arthritis. Andere Autoantikörper sind eher unspezifisch und können, wie beispielsweise der antinukleäre Antikörper, bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen nachgewiesen werden. «Dies erschwert oft die Interpretation der Befunde, wobei uns hier der direkte Austausch mit dem Diagnostiklabor weiterhilft», so Miro Räber.

Ayla Yalamanoglu, Dr. med.

Oberärztin, Klinik für Immunologie

Tel. +41 44 255 11 12

Miro Räber, Prof. Dr. med. Dr. sc. nat.

Oberarzt, Klinik für Immunologie

Tel. +41 44 255 11 12

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