Aktuelle Entwicklungen in der Onkologie: Das CCCZ bringt wissenschaftliche Innovationen in die klinische Praxis – mit KI-gestützten Tumorboards, neuen Behandlungsstrategien bei Oligometastasen und modernen Verfahren zur Früherkennung wie dem Urintest für Prostatakrebs.
Das Comprehensive Cancer Center Zurich (CCCZ) ist eines der vier geförderten Zentren der Universitären Medizin Zürich (UMZH) – einer Allianz der Universität Zürich, ETH Zürich, des Universitätsspitals Zürich, Universitäts-Kinderspitals Zürich, der Universitätsklinik Balgrist sowie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.
Ziel der UMZH ist es, exzellente Forschung, Lehre und klinische Versorgung in Zürich enger zu vernetzen, um aktuellen und zukünftigen medizinischen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.
Das CCCZ übernimmt hierbei eine zentrale Rolle in der Onkologie. Eine seiner Hauptaufgaben besteht darin, eine effektive Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung zu schlagen – die sogenannte Translation. Auf diese Weise werden wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in neue Diagnose- und Therapieverfahren für Krebspatientinnen und -patienten überführt.
Ein besonderer Forschungsschwerpunkt des CCCZ liegt auf der Präzisionsmedizin, die eine genauere Diagnostik und eine individuell angepasste Behandlung von Krebserkrankungen ermöglicht.
AI Tumor Board: Digitale Unterstützung für präzisere Entscheidungen
Das AI Tumor Board ist ein Inkubatorprojekt von The LOOP Zurich und entsteht in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich, dem Universitäts-Kinderspital Zürich und dem Departement für Quantitative Biomedizin der Universität Zürich. Ziel ist die Entwicklung einer intelligenten Plattform, die Künstliche Intelligenz (KI) in interdisziplinäre Tumorboards integriert und damit personalisierte Therapieentscheidungen unterstützt.
Mithilfe modernster Algorithmen analysiert das System genetische Profile, klinische Leitlinien und Patientendaten in kürzester Zeit. Diese Informationen werden strukturiert in einem nutzerfreundlichen Dashboard aufbereitet, das Ärztinnen und Ärzten evidenzbasierte Handlungsempfehlungen liefert. Das Projekt setzt auf einen dreistufigen Ansatz: maschinenlesbare Leitlinien, datenbasierte Mustererkennung und anwenderzentriertes Design.
Als The LOOP Zurich Inkubatorprojekt bringt das AI Tumor Board komplementäre Expertise aus mehreren Partnerinstitutionen zusammen. Inkubatorprojekte verfolgen das Ziel, innovative Konzepte in der frühen Forschungsphase voranzutreiben – mit Fokus auf krankheitsrelevante Mechanismen, neue Zielstrukturen und technologische Entwicklungen in der Präzisionsmedizin.
Das Projekt leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Krebsbehandlung und stärkt zugleich den Forschungsstandort Zürich im Bereich der personalisierten Onkologie.
Neue Perspektiven bei Oligometastasen
Während metastasierte Krebserkrankungen lange Zeit als unheilbar galten, zeigen Forschungsergebnisse am CCCZ, dass unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen möglich sind.
Oligometastasen – also wenige, lokal begrenzte Tumorabsiedlungen – lassen sich bei ausgewählten Patientinnen und Patienten gezielt behandeln, was in Einzelfällen zur Heilung führen kann.
Das Team um Prof. Matthias Guckenberger untersucht, wie geeignete Personen identifiziert und optimal therapiert werden können.
„Nicht jede Krebserkrankung verläuft gleich – deshalb braucht es individuell abgestimmte Therapien.“
Diese Erkenntnisse unterstreichen den Anspruch des CCCZ, die onkologische Versorgung kontinuierlich präziser und personalisierter zu gestalten.
Früherkennung neu gedacht: Urintest für Prostatakrebs
Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten – insbesondere bei Prostatakrebs. Dennoch nehmen viele Männer die klassischen Untersuchungen nur zögerlich wahr.
Das Zürcher Spin-off ONTRACK Biomedical, gegründet von Irina Banzola und Prof. Daniel Eberli, entwickelt aktuell einen innovativen Urintest zur Früherkennung von Prostatakrebs. Dieser liefert in kurzer Zeit eine farbcodierte Risikoabschätzung – schnell, schmerzfrei und ohne invasive Eingriffe.
Der Test könnte die Akzeptanz der Vorsorge deutlich erhöhen, unnötige Biopsien vermeiden und die Früherkennung entscheidend verbessern.
Warum es sich lohnt, aktiv nach einer klinischen Studie zu fragen
Obwohl vielen Patientinnen und Patienten die Bedeutung klinischer Studien bewusst sind, wird der mögliche Nutzen für die eigene Behandlung oft unterschätzt. Klinische Studien bieten häufig Zugang zu neuen Wirkstoffen oder Therapieansätzen, die in regulären Behandlungsprogrammen noch nicht verfügbar sind. Sie eröffnen damit zusätzliche Chancen auf ein besseres Behandlungsergebnis. Wer sich gemeinsam mit dem Behandlungsteam informiert, kann individuell prüfen, ob eine Studie geeignet ist – ein Schritt, der sich lohnen kann.
Weitere Informationen zur Forschung am CCCZ
Das CCCZ verfolgt das Ziel, Krebspatientinnen und -patienten den Zugang zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ermöglichen und diese direkt in die Versorgung zu integrieren.