Ein Baby, das noch im Mutterleib an der Wirbelsäule operiert wird, eine Zwillingsgeburt, viele Vorsorgeuntersuchungen und eine Konferenz über weibliche Genitalverstümmelung. Eine Woche lang erlebte die Gymnasiastin Amicie Guez den Alltag in der Geburtsabteilung des Universitätsspitals Zürich. Nach ihrem Praktikum ist für die 16-Jährige klar: Sie will definitiv Medizin studieren.
Was war das Eindrücklichste, das du während deines Praktikums erlebt hast?
Ich durfte bei einer Operation zusehen, bei der Chirurginnen und Chirurgen ein Baby mit einer Rückenfehlbildung im Mutterleib operiert haben. Sie machten eine etwa vier Zentimeter grosse Öffnung in die Gebärmutter und ersetzten das Fruchtwasser durch synthetisches Fruchtwasser. Danach drehten sie das Baby, so dass sie an der Wirbelsäule operieren konnten. Anschliessend schlossen die Chirurgen den Bauch der Mutter wieder und die Schwangerschaft konnte normal weitergehen. Diese Operation wird in der Schweiz ausschliesslich am USZ und nur etwa zehn- bis zwölfmal pro Jahr durchgeführt. Bei dieser Teamleistung dabei zu sein, war ein eindrückliches Erlebnis für mich. Es gab aber auch kleine, spezielle Momente: Zum Beispiel als ich miterlebte, wie werdenden Eltern das Geschlecht ihres Babys mitgeteilt wurde. Das war sehr emotional.
Durftest du auch bei einer Geburt anwesend sein?
Ja, ich hatte das Glück, gleich mehrere Geburten mitzuerleben. Am dritten Tag meines Praktikums mussten die Ärztinnen und Ärzte in der 34. Schwangerschaftswoche einen Kaiserschnitt durchführen, weil das Baby aufgehört hat zu wachsen. Am Donnerstag kam es nochmals zu einem Kaiserschnitt bei einer Frau, die bereits Wehen hatte. Das Baby lag in Steisslage, also der Po unten und der Kopf oben, was eine vaginale Geburt unmöglich machte. Und ich erlebte die Geburt von Zwillingen.
Hast du am USZ ausschliesslich komplizierte Fälle erlebt?
Nein, am USZ gibt es im Jahr etwa 2500 Geburten. Sehr viele davon verlaufen ohne Komplikationen. Etwa jede zweite Geburt ist vaginal. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, bei einer dabei zu sein. Aber vielleicht wäre eine natürliche Geburt auch zu eindrücklich für mich gewesen, da sie für die Patientin schmerzhafter ist als ein Kaiserschnitt. Ich war aber bei vielen Routineuntersuchen anwesend und habe den gesamten Arbeitsalltag kennengelernt. Einmal durfte ich selbst eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Ich fand die Atmosphäre in der Geburtsabteilung grossartig: ruhig, wohlwollend und organisiert. Alle arbeiten mit Leidenschaft und Engagement, was zu einer perfekten Harmonie führt.
Was hast du während deines Praktikums sonst noch erlebt, das nicht mit Schwangerschaften oder Geburt zu tun hat?
Ja, ich durfte zum Beispiel zusammen mit dem Team an einer Konferenz über weibliche Genitalverstümmelung teilnehmen. Solche Veranstaltungen gehören zum Klinikalltag und finden im Rahmen der ärztlichen Weiterbildung statt.
Wird man dich in ein paar Jahren beruflich im USZ antreffen?
Dieses Praktikum hat mir sehr gut gefallen und mich in meinem Wunsch, Medizin zu studieren, bestärkt. Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann am USZ als Ärztin tätig zu sein. Ich fand die Vielfalt an Eingriffen und Aufgaben beeindruckend, die unterschiedliche Herkunft der Patientinnen und die Anpassungsfähigkeit des Teams in Bezug auf verschiedene Sprachen. Ich habe zum Beispiel an Schwangerschaftsterminen mit taubstummen Eltern teilgenommen. Da wurde extra eine Dolmetscherin für Gebärdensprache organisiert, um die Kommunikation zu vereinfachen. Ausserdem fand ich die Bandbreite der Schwangerschaften spannend (sowohl «normale» als auch risikoreiche). Das Team war sympathisch und kompetent. Es hat sich Zeit genommen, mir alles zu zeigen und zu erklären und blieb dabei stets respektvoll und aufmerksam gegenüber der Patientin. Es herrschte eine herzliche und professionelle Atmosphäre, die es mir leicht macht, mir vorzustellen, in Zukunft am USZ zu arbeiten.
Und würdest du, falls du mal selbst Kinder haben möchtest, auch im USZ entbinden?
Ich denke, dass ich wahrscheinlich Kinder haben möchte – auch wenn das noch in weiter Zukunft liegt. Ins USZ hätte ich als werdende Mutter blindes Vertrauen! Zunächst einmal herrscht hier eine besonders beruhigende und wohlwollende Atmosphäre, in der sich die Patientinnen sicher und in jeder Phase begleitet fühlen. Das medizinische und pflegerische Team ist nicht nur sehr kompetent, sondern auch aufmerksam und respektvoll. Darüber hinaus verfügt das USZ über eine moderne Infrastruktur und ein hohes Spezialisierungsniveau, was sowohl medizinische Sicherheit als auch einen patientenorientierten Ansatz bietet. Es ist ein Ort, an dem man sowohl Ernsthaftigkeit und Professionalität als auch menschliche Wärme spürt, was eine positive und vertrauensvolle Entbindung ermöglicht.