Viele junge Frauen mit Brustkrebs haben ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Eine Studie der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich USZ zeigt: Gut jede vierte Patientin bis 42 Jahre nimmt eine reproduktionsmedizinische Beratung in Anspruch – und Massnahmen zum Fertilitätserhalt verzögern den Beginn der Krebstherapie nicht wesentlich.
Im Oktober, dem internationalen Brustkrebsmonat, rückt die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in den Fokus. Brustkrebs betrifft zwar überwiegend ältere Frauen, doch auch jüngere Frauen erkranken. Für sie stellt sich neben der Behandlung oft eine weitere wichtige Frage: Kann ich nach der Therapie noch Kinder bekommen?
Warum eine frühe Beratung wichtig ist
Chemotherapien und andere Systemtherapien können die Eierstöcke schädigen und zu einem vorzeitigen Verlust der Eierstockfunktion führen. Wer sich später Kinder wünscht, sollte deshalb möglichst früh – noch vor Beginn der Krebstherapie – über Möglichkeiten zum Fertilitätserhalt informiert werden. Das empfehlen auch die medizinischen Leitlinien. Zu diesen Möglichkeiten gehört etwa, nach einer hormonellen Stimulation Eizellen zu entnehmen und einzufrieren oder Eierstockgewebe zu konservieren.
Mehr zum Thema FertilitätserhaltHohe Nachfrage nach Beratung
Ein Team der Klinik für Gynäkologie hat die Daten aller Patientinnen ausgewertet, die zwischen Januar 2012 und Juni 2025 am USZ im Alter von höchstens 42 Jahren die Erstdiagnose Brustkrebs erhielten. Insgesamt waren es 249 Frauen; im Mittel (Median) waren sie bei der Diagnose 37,5 Jahre alt.
Gut jede vierte von ihnen nahm eine reproduktionsmedizinische Beratung in Anspruch. Wer sich beraten liess, entschied sich häufig auch für eine konkrete Massnahme: Die Hälfte der beratenen Patientinnen liess mindestens eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke durchführen – die Voraussetzung dafür, Eizellen zu entnehmen und einzufrieren. Meist genügte dafür ein einziger Behandlungszyklus, nur selten waren mehr als zwei nötig. In zehn Fällen wurde zudem Eierstockgewebe eingefroren.
Eine zentrale Sorge bei solchen Massnahmen ist, dass sie den Beginn der Krebsbehandlung hinauszögern könnten. Die Auswertung gibt hier Entwarnung: Bei Frauen, die fertilitätserhaltende Massnahmen nutzten, begann die Krebstherapie im Median 26 Tage nach der Diagnose, bei den übrigen Patientinnen nach 20 Tagen. Dieser Unterschied von knapp einer Woche ist statistisch nicht signifikant.
„Unsere Daten zeigen, dass junge Patientinnen mit Brustkrebs bei ihrem Kinderwunsch unterstützt werden können, ohne dass sich der Beginn der Krebstherapie relevant verzögert“, fasst das Studienteam zusammen.
Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg
Möglich ist dies dank kurzer Wege: Die Klinik für Gynäkologie arbeitet eng mit der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie des USZ zusammen. So können Patientinnen mit Kinderwunsch rasch an eine Fachberatung überwiesen werden, und die nötigen Schritte lassen sich mit der geplanten Krebstherapie abstimmen.