Eisen ist ein essenzieller Bestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dort bindet es Sauerstoff und ermöglicht dessen Transport zu den Organen und Geweben. Ein Eisenmangel kann deshalb zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Körpers führen und Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung und Leistungseinbussen verursachen.
Da Eisen für viele Körperfunktionen unverzichtbar ist, legt der Organismus Reserven an. Diese Eisenspeicher befinden sich vor allem im Blut, Knochenmark, in der Milz und in der Leber. Das Eisen wird dabei an das Speicherprotein Ferritin gebunden und bei Bedarf freigesetzt.
Für die Bildung neuer roter Blutkörperchen wird kontinuierlich Eisen benötigt. Ein chronischer Eisenmangel führt zunächst zur Entleerung der Eisenspeicher. Besteht der Mangel weiter fort, werden weniger und kleinere rote Blutkörperchen produziert. Es entsteht eine sogenannte Eisenmangelanämie (Blutarmut).
Ein frühes Anzeichen für einen Eisenmangel ist daher ein erniedrigter Ferritinwert bei noch normaler Anzahl und Grösse der roten Blutkörperchen. Im weiteren Verlauf produziert das Knochenmark nur noch eine Art „Sparversion“ der roten Blutkörperchen: Sie sind kleiner und weniger zahlreich. Spätestens dann treten häufig Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit auf.
Ursachen von Eisenmangel
Ein Eisenmangel entsteht, wenn der Körper mehr Eisen verbraucht oder verliert, als er aufnehmen kann.
Eisenmangel bei Frauen
Bei Frauen vor den Wechseljahren führt der regelmässige Blutverlust während der Menstruation häufig zu einer Entleerung der Eisenspeicher. Besonders ausgeprägt kann dies sein, wenn zusätzlich wenig Eisen über die Nahrung aufgenommen wird, beispielsweise bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung.
Auch in Phasen mit erhöhtem Eisenbedarf kann ein Mangel entstehen. Dies betrifft insbesondere Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche im Wachstum. Immer dann, wenn viele neue Zellen gebildet werden, ist eine ausreichende Eisenversorgung besonders wichtig.
Eisenmangel bei Sportlerinnen und Sportlern
Leistungssportlerinnen und Leistungssportler haben aus unterschiedlichen Gründen ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel. Bei Langstreckenläuferinnen und -läufern können beispielsweise rote Blutkörperchen durch die wiederholte Belastung der Fusssohlen geschädigt werden. Zudem gehen über das Schwitzen geringe Mengen Eisen verloren. Bei hoher Trainingsintensität kann ausserdem die Eisenaufnahme im Darm eingeschränkt sein.
Regelmässige Kontrollen von Blutbild und Ferritinwerten sowie eine gezielte Ernährungsberatung können helfen, einem Eisenmangel vorzubeugen.
Versteckte Blutverluste
Chronische Blutverluste bleiben oft lange unbemerkt. Ursachen können beispielsweise entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder Tumoren des Dickdarms sein.
Tritt ein Eisenmangel bei Frauen nach den Wechseljahren oder bei Männern über 50 Jahren auf, sollte eine weiterführende Abklärung erfolgen. Dazu gehören in der Regel eine Darmspiegelung und gegebenenfalls eine Magenspiegelung, um mögliche Blutungsquellen zu identifizieren.
Infekte und Eisenverbrauch
Auch Infektionen erhöhen den Eisenbedarf des Körpers. Sind die Eisenspeicher bereits vor einer Erkrankung nur gering gefüllt, kann sich die Erholungsphase entsprechend verlängern.
Was tun bei Eisenmangel?
Eine ausgewogene und eisenreiche Ernährung ist die Grundlage jeder Behandlung. Grundsätzlich wird Eisen aus tierischen Lebensmitteln besser aufgenommen als aus pflanzlichen Quellen. Fleisch, Innereien, Fisch und Geflügel enthalten sogenanntes Häm-Eisen, das vom Körper besonders gut verwertet werden kann.
Gute pflanzliche Eisenquellen sind unter anderem:
- Kürbiskerne
- Sesamsamen
- Nüsse
- Weizenkeime
- Hirse
Das darin enthaltene Eisen liegt überwiegend in einer Form vor, die der Körper zunächst umwandeln muss. Die Aufnahme wird durch Vitamin C deutlich verbessert. Deshalb empfiehlt es sich, eisenreiche Mahlzeiten mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln wie Orangen, Kiwi, Zitronensaft oder Karotten zu kombinieren.
Wann sind Eisenpräparate oder Eiseninfusionen sinnvoll?
Liegt bereits eine Eisenmangelanämie vor, reicht eine Ernährungsumstellung häufig nicht mehr aus. In solchen Fällen kann die Eisenzufuhr durch Tabletten oder Infusionen ergänzt werden.
Es stehen verschiedene Eisenpräparate zur Verfügung. Manche Patientinnen und Patienten berichten unter der Einnahme über Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Verstopfung. In solchen Fällen kann ein Wechsel auf ein anderes Präparat hilfreich sein.
Bei vegetarischer oder veganer Ernährung kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, um eine ausreichende Eisenversorgung sicherzustellen. Speziell entwickelte Präparate enthalten häufig zusätzlich Vitamin B12, dessen Versorgung bei veganer Ernährung ebenfalls beachtet werden sollte.
Eine Eiseninfusion kann erforderlich sein, wenn die Eisenaufnahme im Darm eingeschränkt oder nicht ausreichend möglich ist. Dies betrifft beispielsweise Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).
Vorsicht vor sogenannten „Eisenräubern“
Wenn man schon bewusst Eisen in höherem Masse zuführen möchte, sollte man darauf achten, die eisenreichen Nahrungsmittel nicht zusammen mit Milchprodukten, Kaffee, Schwarz- und Grüntee oder Cola einzunehmen. Dasselbe gilt für Eisentabletten, die man nicht zusammen mit dem morgendlichen Kaffee einnehmen sollte, sondern lieber vor dem Mittag- oder Abendessen. Und auch Medikamente wie z.B. Antibiotika behindern die Aufnahme von Eisen und sollten entsprechend zeitversetzt eingenommen werden.