Die Leber ist ein sehr gut durchblutetes und grosses Organ. Sie liegt im rechten Oberbauch, gut geschützt unter den Rippen, und ist von zentraler Bedeutung für den Stoffwechsel. Hier werden Nährstoffe aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen und verarbeitet. Die Leber hält einen Energiespeicher vor, als schnell verfügbares Glykogen oder Fett. Sie produziert die Galle, die wir u. a. zur Verdauung von Fetten benötigen. Sie ist für die Entgiftung beim Abbau von Alkohol und Medikamenten zuständig, produziert wichtige Faktoren der Blutgerinnung und speichert die fettlöslichen Vitamine A, D, E, K sowie Vitamin B12 und Eisen. Schliesslich ist sie auch das Organ, das Cholesterin herstellt, transportiert und abbaut.
Die Leber: ein Organ mit beeindruckenden Selbstheilungskräften
Die Leber ist ein Wunderwerk der Regeneration. Wenn beispielsweise ein grosser Teil der Leber aufgrund einer speziellen Erkrankung entfernt werden muss, wächst der fehlende Teil einfach wieder nach – und zwar ziemlich schnell.
Diese erstaunliche Regenerationsfähigkeit wird in der modernen Welt häufig überstrapaziert, zumal sich die Leber über lange Zeit nicht meldet, wenn wir ihr zu viel zumuten.
Mehr zum Organ LeberWenn Lebensstil spürbare Spuren in der Leber hinterlässt
Überernährung und Bewegungsmangel stellen Dauerbelastungen für die Leber dar. Sie speichert dann zu viel Fett. Evolutionär war das Speichern von Energie ein Überlebensvorteil, aber mittlerweile haben wir mit unserem bewegungsarmen Lebensstil und der überall verfügbaren, meist industriell verarbeiteten Nahrung eine kritische Situation erzeugt: Wir führen zu viel Energie zu und verbrauchen zu wenig.
Meist kann man mit wachsendem Bauchumfang eine Verarmung der Muskulatur feststellen. Damit sinkt der sogenannte Grundumsatz. Und dass die Leber «an ihren Aufgaben wächst», wie es immer spassig heisst, es also schon in Ordnung sei, wenn sie sich vergrössert, stimmt natürlich nicht. Die Leber kann bei einer Überlastung mit Fett ihren eigentlichen Aufgaben irgendwann nicht mehr vernünftig nachgehen. Das macht sich in Symptomen wie Müdigkeit, Verdauungsstörungen, Blähungen und zuweilen einem Druckgefühl im Oberbauch bemerkbar.
Im Ultraschall fällt dann ein auffällig helles, verfettetes und zuweilen auch vergrössertes Organ auf, während die typischen Leberlaborwerte noch nicht einmal verändert sein müssen.
In den Blutwerten ist auch auf den Blutzuckerstoffwechsel zu achten. Häufig zeigt sich bereits eine sogenannte diabetische Stoffwechsellage mit Erhöhung des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c.
Fettleber ist mehr als ein Ernährungsproblem
Die Entwicklung einer Fettleber ist ein komplexer Vorgang, der neben einer einseitigen Ernährung auch die Darmflora verändert und im Rahmen einer chronischen Entzündung die Insulinwirkung reduziert.
Die sogenannte nicht alkoholische Leberverfettung ist eine Zivilisationskrankheit, die unbehandelt zur Leberfibrose und –zirrhose führen kann und auch die Entwicklung von Leberkrebs begünstigt.
Darüber hinaus besteht ein klarer Zusammenhang mit der Entwicklung von Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Zivilisationskrankheit bedeutet aber auch, dass dieser Verlauf durch eine Ernährungsumstellung sowie mehr Bewegung und Sport wieder rückgängig gemacht werden kann.
Früh hinschauen, ganzheitlich handeln
Alles also gute Gründe, hier genau hinzuschauen und so früh wie möglich wirksame Strategien zu entwickeln, die nicht nur die Leber regenerieren, sondern auch den Blutzucker normalisieren, den Blutdruck senken, die Gelenke durch eine Gewichtsreduktion entlasten und die Leistungsfähigkeit insgesamt wieder steigern.
Auch schlanke Menschen können von einer Fettleber betroffen sein
Es gibt auch schlanke Menschen mit Leberverfettung – das sind TOFIs (thin outside, fat inside). Hier liegen ebenfalls Ernährungsfehler vor, oft mit hohem Zucker- und Fruchtzuckerkonsum. Das Risiko für Folgeerkrankungen ist nicht geringer als bei Übergewichtigen. Auch hier lautet die Devise: Sport, keine Softdrinks, keine Fruchtsäfte, Ernährungsumstellung, Alkoholpause!